Kirche

Kardinals-Predigt zu Pater Alfred Delp

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Erzbischof Reinhard Marx eröffnete im Münchner Liebfrauendom das Seligsprechungsverfahren für Jesuitenpater und Widerstandskämpfer Alfred Delp – seine Predigt nachfolgend im Wortlaut. 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, liebe Schwestern und Brüder es gab durchaus Verzögerungen Pater Delp zu den endgültigen großen Gelobten zuzulassen. Pater Delp war nicht so einfach für alle ein herausfordernder Mensch mit hoher Intelligenz unterhalten musste immer wieder sehen wie können wir diese große Begabung einsetzen so vermute ich angepaßt war er nicht aber leidenschaftlich suchen und ganz auf den Idealen das Signal von Loyola verpflichtet so sehnte er sich nach diesen großen glücken weil für ihn das auch eine endgültige Zustimmung seines Ordens zu seinem Leben zu seinem Wirken gewesen ist dann musst du sie endgültig dann im Gefängnis erfolgen diese Geliebte am 8. Dezember die Ente von Pater Franz von Tattenbach es war für ihn ein ganz wichtiger Moment. Heute schauen wir auf das geweihte Leben.

Sie liebe Schwestern und Brüder aus dem geweihten Leben haben alle Gelübte geleistet Gehorsam Armut Keuschheit Ehelosigkeit und diese Gelübde sind keine Unterwerfung, sondern ein Weg in die Freiheit.  sonst würden wir sie nicht verstehen. Pater Delp  macht eine Betrachtung am 1. Januar des Jahres 1945 das war damals das Fest des Namens Jesu den Namen Jesus will ich  groß über das neue Jahr 1945 schreiben und Jesus soll in mir Gestalt annehmen und ich will an seiner Seite gehen das ist der Weg jedes Christen aber besonders auch derer die sich ihm  ganz zur Verfügung stellen wollen und dann kommt hinzu in der Betrachtung dass er sagt wie sehr er froh ist dass der Orden ihn jetzt endgültig angenommen hat und vielleicht auch in dem was folgt in ihm Gestalt annimmt man könnte sagen dass in ihm aufleuchtet was ein wahrer Jesuit ist. Liebe Schwestern und Brüder, das Zeugnis von Pater Delp ist so aktuell wie eh und je und es beeindruckt vor allen Dingen in den Schriften die er in den Monaten im Gefängnis und kurz vor seinem Tod im letzten Brief an die Mitbrüder geschrieben hat es bewegt uns bisher ein Mensch ringt aber doch zu diesem großen Zeugnis kommt Nicht verzweifelt immer wieder hofft aber dann doch weiß das ist der Weg den ich gehen muss und der passt zum Weg der Gelübde.

Die Geburtsstunde der menschlichen Freiheit ist die Begegnung des Menschen mit Gott so schreibt er in seinen Texten im Gefängnis. Diese Illusion der Freiheit sich überall hinwegzusetzen die eigenen Möglichkeiten auszureizen diese Verzerrung der Freiheit die ohne Liebe auskommen will ohne Opfer auskommen will ohne Gehorsam auskommen will wie ist das möglich immer wieder denke ich die große Ansprache die Papst Johannes Paul II 1996 gehalten hat nachdem er das war sein Wunsch sein sehnsüchtiger Wunsch durch das Brandenburger Tor gegangen ist und dann über die Freiheit gesprochen hat. Es gibt keine Freiheit ohne Solidarität es gibt keine Freiheit ohne Opfer, es gibt keine Freiheit ohne Liebe, Liebe, die Freiheit hat einen Namen, Jesus Christus, er ist die Freiheit, die uns geschenkt wird, wenn wir ihm folgen, mit ihm gehen, finden wir die vertiefte. Tiefe Freiheit. Die unserem Leben geschenkt ist. Das ist der Sinn von Gelübden. Liebe Brüder und Schwestern aus dem Ordensleben, aus dem Säkularinstituten. Ein Weg in die Freiheit an der Seite Jesu. An seiner Seite, Societas Jesu Gesellschaft Jesu, da gehören wir hin. Und da mögen unsere Brüder aus dem Jesuitenorden vorangehen. Für sie, l iebe Jesuiten, ist das ein besonderer Tag. Gerade hier in Deutschland, hier in München. Wir haben gehört, wie Pater Delp mit München verbunden ist. Mein Vorgänger hatte zum Priester geweiht, in Sankt Michael. Bogenhausen gehört zu seiner Geschichte der Starnberger See die Landschaft Bayerns. Aber das ist sehr prägend für ihn. Die Stimmen der Zeit. Und deswegen brauchen wir dieses Lebenszeugnis auch für heute? Denn die Freiheit führt in eine neue Dimension hinein. Die Verwandlung. Wenn wir uns vorstellen, wie die beiden gegenübertreten?

Pater Delp und der geifernde, schreiende Roland Freisler. Kein Richter, sondern ein Vernichter, der mit dem Vernichtungswillen angetreten war und die Jesuiten hasste. Einmal schreibt Pater Delp, meine einzige Schuld war, dass ich Jesuit bin. So ungefähr war das in den Augen von Freisler ein Schwerverbrechen? Und vergessen wir nicht, schreibt er im Januar dass er noch zelebrieren wird vor seiner Hinrichtung, vor dem Prozess  hat er noch zelebriert, die Heilige Messe gefeiert und Christus in der Gestalt Eucharistie mit in den Prozess genommen. Verborgen in seiner Kleidung. Mich bewegt das sehr. Das Chrisus in seiner Ohnmacht und doch Macht anwesend war in diesem Geschrei in diesem Maße in  dieser widerlichen Szenerie, die aufgebaut wurde, um einen Menschen zu vernichten. Voller Lügen. Christus war da. Und das hat ihm dazu geholfen. Nicht wir er in Versuchung war von seinem Charakter her auch laut Aufzuschreien zu rebellieren, zu protestieren. Sondern ganz ruhig, sachlich und demütig die Gestalt Jesu anzunehmen. Wenn wir dieses Bild sehen, ist das für mich für wie eine Ikone des 20. Jahrhunderts? Die Verwandlung, die Kraft der Verwandlung. Darum geht es. Wir haben über den Hebräer Brief gehört, der Teufel soll überwunden werden und die Macht des Todes. Und die Gewalt? Aber wie ich oft sage, meine überwindet den Teufel nicht, indem man selber einen Teufel wird. Wie manche meinen. Der wirkliche Widerstand beginnt mit der Verwandlung des Herzens, indem man neues Koordinatensystem aufgebaut wird, in dem alles anders erscheint, in dem die richtigen Punkte gesetzt werden, nicht die Worte der Gewalt, der Macht, des Hasses, der Lüge. Die scheinbar alles beherrschen in dieser Szenerie bis heute zum Teil. Sondern die Stimme der Demut, der Wahrheit, der Liebe, der Versöhnung, des Verzeihens. Ein Gegenbild. Das aufgebaut wird. Wie wir gestern gehört haben, von einem armen, demütigen Volk in der ersten Lesung des gestrigen Sonntags. Das ist die Aufgabe der Kirche und der Gemeinschaft der Gläubigen, dieses Gegenbild, dieses Kontrastbild zu zeigen. Und die Welt zu verwandeln, nicht indem man alles nachmacht, was die Welt macht. Den Versuchungen nachzugeben, der Macht. Wie oft hat die Kirche das getan? Zu herrschen, über andere zu befehlen über andere. Sondern die Verwandlung.

Er schreibt in einem Text auch das sehr bewegend. Was soll ich sagen? Nicht er wurde erschlagen. Sondern geopfert. Da ist er ganz in der Spur Jesu. Jesus verändert sich und verändert alles, indem er das, was auf ihn zukommt, selber verwandelt in ein Opfer in einem Akt der Hingabe, in einen Akt der Liebe und  damit wird die Interpretationshoheit den anderen entzogen, dem Pilatus und den Stalins und Hitlers dieser Welt. Denen wird das entzogen. Sie haben nicht die Macht. Ich habe die Macht, mein Leben zu nehmen und zu geben. So sagt Jesus im Johannesevangelium. Freiheit, Freiheit in Fesseln und Freiheit im Gefängnis, Freiheit in der Stunde der Gewalt und des Todes, das ist etwas, was überzeugend die Welt in einem neuen Rahmen hineinstellt und so deutlich macht, worauf es letztlich hinausläuft. Wir alle bleiben hinter diesen Ansprüchen oft zurück, deswegen brauchen wir Menschen, die uns in diesen Situationen zeigen. Was bedeutet an der Seite Jesu gehen,  in der Gesellschaft Jesu sein, mit ihm auf die Welt schauen, auf die Menschen, auf die Macht? Auch mit ihm schauen auf die Kirche, mit ihm schauen, auf die Ökumene. Auf die Herausforderung mit ihm. Mit ihm gehen und auf die Welt schauen. Immer wieder müssen wir das neu lernen und das hoffe ich mir. Irgendwie kommt es mir merkwürdig vor, dass wir das jetzt auch einen Prozess nennen. Dee eine Prozess und der andere Prozess. Man ist in Versuchung, das zu vergleichen. Für einen Prozess der Vernichtung. Der Suche nach dem Bösen. Der Absicht, den anderen klein zu machen. Von oben herab. Aber dieser Prozess ist ein anderer Prozess der Seligsprechung. Ein Prozess mit großer Freude und Aufmerksamkeit und Wachheit, den Spuren des Geistes zu folgen. Den Spuren der Hoffnung und des Trostes, den Spuren der Verwandlung des Menschen. Veränderung der Welt. Den Spuren der Hoffnung. Bitte die am Prozess Beteiligten das immer wieder in den Blick zu nehmen. Und auch den Gedanken der Ökumene. Wir haben es eben gehört.

Der Kreisauer Kreis die Gedanken, die auch nach dem Krieg dann eine Rolle gespielt haben. Für den Wiederaufbau Deutschlands war ein ökumenischer Kreis. Und das ist sehr wichtig in diesem extremen Zeugnis, wenn es drauf ankommt dürfen wir nicht nebeneinander hergehen, sondern miteinander! In einem der Texte hat er ja das große Wort geschrieben vom sogenannten toten Punkt, den beide Kirchen erreicht haben, so meint er in ihrer Betriebsamkeit alles in Ordnung. Aber haben sie wirklich den Punkt gefunden, der jetzt dran wäre, die Herausforderung begriffen? Und nie wieder, so sagt er dann können wir uns leisten, eine zerstrittene Christenheit den Menschen anzubieten. Das müssen wir aufgreifen. Und die Kirche muss sich abarbeiten, so sagte er, an den Wunden der Welt, an den Geschundenen und an den Kranken, an den Armen. Der Weg in die Diakonie, so nannte er es der Weg in die Ökumene und die Diakonie. Und der Weg in die unverratene Anbetung. Den glauben nicht manipuliert für die eigenen Zwecke. Sondern unverraten und frei vor Gott, dem Geheimnisvollen steht. und sich ihm allein anvertraut als den Ursprung unserer Freiheit. Liebe Schwester und Brüder deswegen gehe ich  mit großer Zuversicht und Freude in diesen Weg hinein und hoffe, wie wir eben gehört haben, dass dieser Prozess Menschen mitnimmt.

Nehmen sie Pater Delp auf in ihre Gebetsgemeinschaft. Als Fürsprecher. Als Wegbegleiter. Und ich hoffe, dass das, was wir miteinander dann ans Licht bringen, veröffentlichen  auch dazu führt, dass diese Gestalt neue Inspiration auch für das Ordensleben, für das Leben der Christen in unserer Zeit ist. Er hat uns so viele zu sagen. Und als Seliger der Kirche, möge er möglichst bald auch verehrt werden, als Fürsprecher. Aber jetzt schon ist er für uns ein wichtiger Wegbegleiter. Er hat einmal gesagt, wir sollten dem Leben trauen, auch im Gefängnis, weil Gott es mit uns lebt, weil wir nicht allein sind. Auch in der Stunde des Todes, nicht auf der Stunde der Angst, nicht auch in der Stunde nicht als er aufgehängt wird weiß er, ich bin nicht allein. Im Leben trauen, weil Gottes mit uns lebt. Lassen Sie uns auf diesem Weg also ein. Gehen wir miteinander, freuen wir uns über dieses Lebenszeugnis, so schlimm die Texte sind, die wir lesen, so furchtbar die Erinnerung an das Verbrechen, das in diesem Land, die dieser Stadt hier stattgefunden hat. Aber doch auch mit der Zuversicht, dass wir einen Weg der Hoffnung gehen können und dass wir gerade jetzt in den Zeiten wo völkischer Nationalismus. Lüge. Die Zelebration von Almachtsphantasien und von Krieg, von Besiegen anderer Völker wieder um sich greift. Da ist dieses Zeugnis nötiger denn je. Das sollte unser Wegbegleiter sein. Amen.

Aufgezeichnet und niedergeschrieben von Heinrich Dhom, Neukirchen am Simssee / Fotos: Privat

 



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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