Natur & Umwelt

Igel-Initiative

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Millionen Deutsche haben noch nie einen Igel in freier Wildbahn gesehen – so reagiert das Handwerk

Experten zufolge ist die Igelpopulation in den letzten 20 Jahren massiv zurückgegangen. Eine neue Umfrage zeigt nun: Millionen Deutsche hatten noch nie das Vergnügen, einen Igel in freier Wildbahn zu sehen. Die aktuelle Hitzewelle verschärft die Lage zusätzlich – ausgetrocknete Wasserstellen zwingen die Wildtiere dazu, an unsicheren Stellen nach Wasser zu suchen.

Laut einer neuen Studie von MyHammer, einer Plattform für die Vermittlung von Handwerkern, hat jeder zehnte Deutsche (10 %) noch nie einen Igel in seinem natürlichen Lebensraum gesehen. Dieses Problem verschärft sich weiter: Während 95 % der über 55-Jährigen angeben, schon einmal einen Igel gesehen zu haben, sind es bei den 18- bis 34-Jährigen nur noch 83 %. Fast ein Fünftel der jungen Erwachsenen hat also noch nie einen Igel in freier Wildbahn entdeckt – was nicht überrascht, da Experten davon ausgehen, dass die Population seit 2000 um 75 % zurückgegangen ist.

Darüber hinaus berichten 42 % der Befragten, dass sie in ihrer Umgebung immer seltener Igel sehen. Besonders auffällig ist dieser Rückgang in Sachsen, wo 59 % der Befragten einen deutlichen Rückgang der Igelpopulation wahrnehmen. Auch in anderen Bundesländern ist dieser Trend spürbar:

  • Hessen: 45 %
  • Bayern: 40 %
  • Niedersachsen: 41 %
  • Baden-Württemberg: 38 %

Obwohl Igel  immer seltener werden, gehören sie zu den beliebtesten Tieren Deutschlands:  91 % der Befragten finden Igel „niedlich“, und für 42 % sind sie sogar das Lieblingswildtier.  Aus diesem Grund möchten fast zwei Drittel (65 %) der Befragten aktiv dazu beitragen, dass Igel sicher leben können.

Deshalb hat MyHammer die Kampagne Das Handwerk hilft mit: Helfen Sie den Igeln ins Leben gerufen, die praktische Tipps dazu bietet, wie man den eigenen Garten in ein sicheres Zuhause für Igel verwandelt. Gleichzeitig ruft die Plattform Handwerker und Gärtner dazu auf, das Bewusstsein zu schärfen und auf igelsichere Außenbereiche zu achten – besonders in Zeiten der aktuellen Hitzewelle, die die Wildtiere zusätzlich belastet.

Jacqueline Kaminski, Gartenexpertin bei MyHammer, erklärt: „Gärten sind ein sicherer Rückzugsort für Igel – doch gerade im Sommer lauern hier einige Gefahren.”

„Teiche, Planschbecken und sogar Abflüsse können schnell zur Todesfalle werden. Dabei lassen sich solche Risiken mit einfachen Mitteln vermeiden. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie am besten einen Gärtner aus Ihrer Gegend um Rat, wenn Sie die Tipps nicht selbst umsetzen können. Die meisten Maßnahmen lassen sich schnell umsetzen und machen für Igel einen großen Unterschied.“

Berit Knorr, Igelexpertin vom Igelhilfeverein, betont ebenfalls, wie wichtig Gärten sind, um der bedrohten Tierart zu helfen:

„Der Guide von MyHammer bietet hilfreiche Tipps, wie Sie Ihren Garten igelfreundlich gestalten. Seien Sie beim Rasenmähen, Heckenschneiden oder Trimmen extrem vorsichtig. Jedes Jahr verletzen sich Tausende Igel wegen solcher Gartengeräte – dabei lässt sich das ganz einfach vermeiden, wenn Sie die Flächen vorher gründlich absuchen.“

Mit diesen Tipps schützen Sie Igel während einer Hitzewelle:

Teiche und Planschbecken sichern

In der Hitze suchen Wildtiere, darunter auch Igel, verstärkt nach Wasserquellen. Teiche und Planschbecken klingen auf den ersten Blick perfekt geeignet, können aber zur tödlichen Falle werden. Decken Sie Pools am besten ab oder bauen Sie eine Rampe, über die die Tiere wieder herausklettern können. Auch offene Abflüsse sind nicht ungefährlich. Nutzen Sie spezielle Gitterdeckel (zum Beispiel eine Schachtabdeckung) oder legen Sie provisorisch mit Wasser gefüllte Beutel darauf. Klären Sie, ob Sie unter Umständen eine offizielle Genehmigung benötigen.

Unterschlupf bieten

Igel brauchen Schutz vor direkter Sonneneinstrahlung. Besitzen Sie ein Igelhaus? Dann achten Sie unbedingt auf einen schattigen Standort – am besten unter einem Baum oder einer Hecke. Alternativ bieten Laub- oder Holzstapel den Igeln guten Schutz. Achtung: Platzieren Sie den Unterschlupf niemals auf heißen Oberflächen wie Kunstrasen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich die Tiere ihre kleinen Pfoten verbrennen.

Wilde Ecken schaffen

Unberührte Bereiche im Garten bieten Igeln nicht nur natürliche Nahrung, sondern auch geschützte Rückzugs- und Nistmöglichkeiten während der Hitze. Lassen Sie einen Teil Ihres Gartens bewusst verwildern, egal ob es sich um einen kleinen Streifen oder eine größere Fläche handelt. Brennnesseln und Wildpflanzen schützen die Tiere.

Komposthaufen überprüfen

In der Sommerhitze suchen Igel gerne Schutz im Kompost. Deshalb ist es wichtig, den Haufen gründlich zu prüfen. Igelstationen berichten von zahlreichen Verletzungen durch Mistgabeln oder Spaten. Gehen Sie daher vorsichtig vor und lockern Sie den Kompost langsam, bevor Sie mit dem Umgraben beginnen.

Wasser und Futter bereitstellen

Stellen Sie eine kleine Schale oder Untertasse mit Wasser in den Schatten – das hilft Igeln dabei, genug zu trinken, ohne in gefährlichen Bereichen unterwegs zu sein. Ein gesunder Igel trinkt etwa zwei Esslöffel Wasser pro Tag – es reicht also aus, wenn Sie alle paar Tage frisches Wasser bereitstellen. Tipp: Nassfutter für Katzen ist ideal, da es zusätzlich hydratisiert. Bei heißen Temperaturen sollten Sie jeden Morgen eine frische Schale hinstellen, da das Futter sonst Fliegen anlockt.

Die Igel-Kampagne von MyHammer finden Sie hier: https://www.my-hammer.de/blog/hilf-den-igeln 

Bericht und Bilder: Eva Kern / Jukebox / MyHammer



Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!