Wenn am Freitag, 16. Januar 2026 die Grüne Woche in Berlin als größte internationale Schau für Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus seine Pforten für zehn Tage öffnet, dann ist das nicht nur ein Jubiläum, weil es vor 100 Jahren die erste „Grüne Woche“ gab, sondern auch guter Anlass etwas zurückzublicken.
Der Freistaat Bayern ist schon lange fester Bestandteil des Ausstellungs-Angebotes, heuer präsentiert sich das Bayerische Landwirtschaftsministerium in einer eigenen Bayernhalle 22b mit über 40 Anbietern, mit einem Biergarten, der vom Samerberger Entenwirt bewirtet wird sowie mit einer Brauchtumsbühne mit viel Blasmusik und Trachten. Zu den ersten großen Präsentanten Bayerns gehörte im Jahr 1994 in der sogenannten Bundeshalle (eine eigene Bayernhalle gab es damals noch nicht) der Sägewerks-Hersteller Hans Fritz aus Rimsting am Chiemsee. Er erinnert mit nachfolgendem Beitrag an seine damalige Präsentation wie folgt:
Grüne Woche Berlin 1994 – „Ein halbes Jahr vor Beginn der Grünen Woche 1994 in Berlin bekam ich per Telefonanruf von Fritz Distler, dem Leiter für Messen und Ausstellungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums, eine unerwartete Einladung nach Bonn. Es ging um die Halle 23 des Ministeriums. Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert hatte das Thema Holz vorgegeben. Wie ich später erfuhr, waren sie in Not und fragten beim bayerischen Bauernverband und bei den Länderministerien nach, denn sie hatten für ihre 2700 m² große Halle nur zwei Zusagen, eine von einem Herrgottsschnitzer und eine von einem Geigenbauer aus Oberammergau. Mit meinen Sägewerken und Holzbau-Engagement war ich sowohl beim BBV und im Landwirtschaftsministerium mit dem damaligen Landwirtschaftsminister Reinhold Bocklet bekannt und wurde von beiden empfohlen. In Bonn saß ich fünf hohen Beamten gegenüber die mich „abklopften“. Ich schlug ihnen einen Wald mit meinem Sägewerk zwischen den Bäumen vor, sowie einen Modellbaukurs für ein Holzhaus und ein großes Haus, dessen Bau der Bauernverbandspräsident von Sachsen-Anhalt organisierte, der vorher bei mir ein Bauseminar in Rimsting besuchte und seitdem dem Holzhaus-Virus erlegen war. Die einzigen Bedenken waren die Lautstärke des Sägewerks, das ich mit einer Einladung zum „Probehören“, des in Kürze stattfindenden Zentrallandwirtschaftsfests in München, bei dem ich mein Serra-Sägewerk ausstellte, folgendermaßen entkräften konnte. Für eine Dienstfahrt zum Oktoberfest brauchte man Bonner Beamte und Berliner Hallenarchitekten nicht lange betteln. Damit die Herren nicht hungern mussten, hatte ich gleich nach ihrer Ankunft gegen Mittag eine Box im Bierzelt bestellt, in der Jeder mindestens eine Maß getrunken und ein Hendl gegessen hatte. Der Hörtest verlief anschließend ausgesprochen positiv.
Riesenerfolg und weitere Messen in Litauen und Kiew
Meine Vorschläge wurden exakt umgesetzt. Es war ein Reisen-Erfolg. Alle wichtigen deutschen und europäischen Politiker ließen sich sehen. Der deutsche Bauernverbandspräsident Constantin Freiherr Heereman von Zuydtwyck und Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert durften jeweils ein Brett absägen. Auch Gerd Sonnleitner, den bayerischen Bauernverbandspräsidenten lernte ich gut kennen. Von Heereman baute ihn damals schon als Kronprinz auf. Gerd wurde dann 1997 sein Nachfolger und ist seit Berlin ein guter Freund von mir. Ich durfte sogar einen Vortag im Berliner Kongresszentrum ICC vor internationalem Publikum über Holzrahmenbau halten. Dem Vorstand von Schwäbisch Hall und dem Gründer von OBI gefiel der Holzrahmenbau, der damals in Deutschland noch relativ unbekannt war, so gut, dass sie mich anschließend in Rimsting besuchten und die ganze Führungsriege von Schwäbisch-Hall ein dreitägiges Bauseminar bei mir buchten. Wir schafften es sogar in die Tagesschau. Anschließend bekam ich ein Dankesschreiben vom Minister für die beste Halle der letzten Jahrzehnte. Es war für beide Seiten eine absolute Winn-Winn-Situation, denn ich verkaufte bereits während der Messe drei Sägewerke und anschließend auch noch einige. Auch mit Fritz Distler entwickelte sich eine Freundschaft. Er organisierte Messen in Litauen und Kiew, bei dem wir jedes Mal erst Rundholz sägten und dann ein kleines Holzgebäude errichteten. In beiden Ländern herrschte damals eine Aufbruchsstimmung nach der Befreiung vom Kommunismus. Ganz besonders in der Ukraine kurz nach dem Maidan. Teilweise standen dort noch die Zelte der Demonstranten“ – so der Erinnerungsbericht von Hans Fritz zur Grünen Woche 1994.
Hans Fritz, jetzt wohnhaft in Bad Endorf, hat über seine Erfahrungen mit dem Holz und mit dem Häuserbau aus Holz drei Bücher verfasst (www.hans-fritz.de).
Fotos: Hans Fritz – www.hans-fritz.de
- Bundeshalle mit Wald und Modellhaus
- Auch Chiemgauer Plattler traten in der Bundeshalle auf (GTEV Greimharting in der Gemeinde Rimsting – sind auch heuer wieder mit Auftritten in der Bayernhalle dabei)
- Hans Fritz (li.) mit damaligen Bayerischen Landwirtschaftsminister Reinhold Bocklet
- Das von Seminaristen aus Sachsen-Anhalt gebaute Holzhaus
- Der Deutsche Bauernverbands-Präsident von Heeremann (li.), Hans Fritz und Bundeslandwirtschaftsminister Jochen Borchert (re.)
- Das Modellhaus wurde später einem Kindergarten gespendet
- Sohn Johann Fritz beim Anschneiden von Allgäuer Käse
- Bundeshalle mit Wald und Sägewerk
- SERRA Mobil-Sägewerk















