Ein großartiges Musikerlebnis für Freunde der echten Barockmusik war das „Meister des Barock“ – Georg Friedrich Händel – überschriebene Konzert im sehr gut besuchten Heftersaal, veranstaltet von der Wolfgang-Sawallisch-Stiftung.
Ein musikalischer Hochgenuss war es, das Originalklangensemble der Accademia Di Monaco aus München auf den historischen Instrumenten der Barockzeit spielen zu hören – Laute, Oboe, Bass, sechs Violinen, Viola und Violoncello unter der Leitung von Joachim Tschiedel, der sowohl dirigierte als auch das historische Cembalo spielte. Tschiedel hatte zusammen mit Mary Utiger, Professorin für Barockgeige, 2014 die Accademia di Monaco gegründet, um dem musikalischen Spitzennachwuchs Auftrittsmöglichkeiten und eine Plattform für Konzertprojekte zu geben. Studierende und Auszubildende der Münchner Musikhochschule treffen sich zu mehreren Arbeitsphasen im Jahr und werden bei dem Projekt von Profis gecoacht. So gab es Debüts beim Mozartfest in Würzburg, den Brühler Schlosskonzerten und anderen Konzertreihen.
In Grassau kamen zwei beeindruckende Stücke von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) zur Aufführung: die lateinische Motette „Silete venti“ (Schweigt, ihr Winde) HW 242, ein geistliches Konzert von fast opernhafter Ausdruckskraft, bei dem die junge Sopranistin Nae Matakas die Naturgewalten zur Ruhe rief. Die Winde sollen ruhig werden, damit Raum für innere Einkehr und das Finden zu Gott entstehen kann. Bewegte virtuose Passagen des Orchesters ließen das Tosen der Winde hörbar werden und ruhigere weit gespannte Melodien gaben der Sehnsucht nach göttlichem Trost Ausdruck. Die Oboe, gespielt von Arturo Salvalaggio, trat dabei nicht nur als Begleitinstrument, sondern als eigenständiges klangliches Pendant zur Sopranstimme auf. Wie in der Barockzeit üblich, spielten fast alle Musiker im Stehen, auch die Streicher angeführt von Konzertmeister Bruno van Essevel. Nach anfänglicher Nervosität sang sich Nae Matakas mit ihrer schönen ausdrucksstarken Stimme hörbar frei.
Der Leiter der Sawallisch Stiftung, Andreas Hérm Baumgartner, betonte bei der Einführung zu dem Konzert, dass die Barockmusik jede Regung der Seele unverblümt und direkt Ausdruck zu geben vermag. Der Klang der Instrumente ist weich, zart, und insgesamt sind sie etwas tiefer gestimmt als heute. An heutigen Maßstäben gemessen sei Georg Friedrich Händel ein wahrer Popstar gewesen, der in Europa zu höchster Popularität gelangte.
Im zweiten Teil war Händels „Aminta e Fillide“, HWV 83, zu hören – eine Kantate, bei der der verliebte Hirte Aminta (Chiara Braggion, Sopran) und die selbstbewusste Nymphe Fillide (Lana Maletic, Mezzosopran) im Mittelpunkt stehen. Nach Erforschung der vielen alten Quellen zur Barockmusik weiß man heute, dass der Gesang dem Publikum zu der Zeit wichtiger als die Instrumente war.
Große Gesangeskunst wurde dem Publikum auch von den beiden Sängerinnen präsentiert sowohl was die technischen Finessen anbelangt als auch in Bühnenpräsenz und Bewegung. Beide hatten sie schöne, ausgebildet große Stimmen. Wie die Sänger spielte das Orchester spielte in verschiedenen Besetzungen technisch versiert mit großem Können und Hingabe an die Musik – beeindruckend das feine, aufeinander abgestimmte Zusammenspiel. Pulsierende Lebensfreude auf der einen Seite, aber auch tiefe Traurigkeit und das Bewusstsein des unvermeidlichen Todes auf der anderen – das beherrschende Lebensgefühl in der Barockzeit. Langer, dankbarer Applaus, Bravorufe und stehende Ovationen für ein unvergleichliches barockes Musikerlebnis, so dass noch als Zugabe „In furore“ von Antonio Vivaldi folgte.
Bericht und Fotos: Christiane Giesen
Die Accademia Di Monaco unter Leitung von Joachim Tschiedel am Cembalo, und Konzertmeister Bruno van Essevel (Violine), hier mit der jungen Sopranistin Nae Matakas.
Oder: Mezzosopran Lana Maletic und Sopranistin Chiara Braggion.
Alle Sänger und Instrumentalisten beim Schlussapplaus.







