Fünf Fragen zur Musikschule Grassau an Wolfgang Diem und Otto Dufter
Zwischenbilanz in der Mitte des Schuljahrs
- Die Musikschule Grassau hat 1.100 Schülerinnen und Schüler. Was bedeutet das?
Das bedeutet mehr als tausendfache Musikförderung – nicht nur für Kinder und Jugendliche! In die Musikschule gehen schon Zweijährige und noch Ü 80-Jährige. Das heißt: So viele Menschen aus der Region erfahren selbst, welche eigenen Stärken sie haben, wie sie sich weiter entwickeln können und wie es sich anfühlt, allein oder und in Gemeinschaft selbst Musik machen zu können, sei es mit einem Instrument, sei es mit der Stimme.. Das sind andere, wichtigere Erfahrungen als in der digitalen Welt. Es geht uns um die Stärkung des Selbstbewusstseins.
- Welche Rolle spielt die Musikschule im Achental?
Sie trägt massiv dazu bei, Kultur vor Ort zu erhalten. Bodenständig und nahe bei den Menschen wird Musik in allen Formen vermittelt. Alle Zweigstellen können sich über intensive Nachwuchsarbeit freuen und auf ein großes Engagement der Lehrkräfte der Musikschule Grassau. Das bedeutet ein blühendes Musikleben in den einzelnen Ortschaften, die mit uns per Zweckvereinbarung verbunden sind. Das ist auch der Wille der Bürgermeister im Achental. Insgesamt können wir uns sehr glücklich schätzen, dass aus den Reihen der Musikschule Grassau zahlreiche Dirigenten, Chorleiter, Musikschullehrer und -lehrerinnen sowie Profimusiker in großen deutschen Orchestern oder bekannten Bands empor gewachsen sind, die sich oft wiederum im Chiemgau stark engagieren. Davon profitieren beispielsweise die Blasorchester von Reit im Winkl, Unterwössen, Marquartstein, Grassau, Bernau, auch Staudach. Nicht zu vergessen die neu entstandene Jugendkapelle in Schleching.
- Was zeichnet die Musikschule Grassau aus?
Das gemeinsame Musizieren steht im Vordergrund und wird im größtmöglichen Umfang gefördert.Das bedeutet eine nicht zu unterschätzende soziale und kulturelle Breitenförderung. Und wie im Sport: Die Musikschule unterstützt Fleiß und Begabung. Ein Beispiel: Heuer nahmen 19 Kinder und Jugendliche der Musikschule Grassau bei Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ in Traunstein teil. Alle haben erste Preise bekommen. Das macht 1/5 aller teilnehmenden Jugendlichen aus Südost-Oberbayern aus! 17 davon können zum Landeswettbewerb nach Bamberg fahren –das ist eine große Motivation für die Jugendlichen. Und es spricht für das Qualitätssystem der Musikschule Grassau.
- Wie sieht es finanziell aus?
Die Musikschule Grassau hat – das betrifft die Kinder der Mitgliedsgemeinden – die niedrigsten Gebühren im Landkreis für Einzel -und Gruppenunterrichte. Und das bei einem ausgesprochen breiten Unterrichtsangebot durch die sehr gut qualifizierten Lehrkräfte: Wir bieten neben Unterricht in vielen Instrumenten auch Musikalische Früherziehung, Klassenmusizieren, viel Ensemblearbeit sowie Kinder- und Jugendkapellen.
Wir wollen möglichst Vielen den Musikschulbesuch ermöglichen sowohl durch Sozialermäßigung als auch durch zusätzliche Förderstunden, die über unsere Fördervereine und die Wolfgang-Sawallisch-Stiftung sowie die Karl-und-Erna-Eigner-Stiftung möglich erden. Wir haben sorgfältig und klug gewirtschaftet, den Teuerungen standgehalten und kommen dank der gemeindlichen Unterstützung zu tragbaren Gebühren.
- Welche Veränderungen gibt es in der Musikschule?
Mit großem Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Gemeinde Staudach-Egerndach zum Schuljahrsende die Musikschule Grassau verlässt, obwohl die geforderte Senkung der Zuschusshöhe auf 45.000 € erreicht wurde. Unter der Kündigung werden viele leiden: der musikalische Nachwuchs, die Blaskapelle durch den Wegfall des Dirigenten und vor allem die Familien, denen das besondere Engagement der Lehrkräfte der Musikschule Grassau fehlen wird und die höhere Gebühren werden zahlen müssen, wenn die Gemeinde sich einer anderen Musikschule anschließen wird. Uns sind die Kinder aus Staudach-Egerndach als Gastschüler auch künftig willkommen.
Eine Neuigkeit gibt es in der Musikschulleitung ab Februar das kommenden Jahres: Marlene Noichl wird die halbe Stelle von Wolfgang Diem in der Musikschulleitung übernehmen; dieser bleibt der Schule aber als Lehrer erhalten.So praktizieren wir gleichzeitig Kontinuität und Veränderung – das ist wichtig auch für eine Bildungseinrichtung wie die Musikschule. 2025 ist die Musikschule Grassau 50 Jahre alt geworden – und sie soll jung bleiben!
Interview, Bericht und Fotos: Uta Grabmüller / Ludwig Flug








