Nachdem der Heimat- und Kulturverein Frasdorf im Herbst einen Rundgang durch den alten Ortskern von Westerndorf anbietet, soll ein historisches Gebäude von diesem Ortsteil vorgestellt werden.
Der Bäcker und Wirt von Westerndorf ist bereits 1460 erstmals erwähnt. Er hat aber laut Frasdorfer Höfebuch eine wechselhafte Geschichte hinter sich und bis heute über zwanzig Mal den Besitzer gewechselt. Erste namentliche Nennung war ein Georg Winndtner 1576, Peckh von Wösterndorff. In der Dorfzeitung Nr. 108 hat Rupert Wörndl eine Votivtafel von 1801 beschrieben, die Sepp Aiblinger aus Bernau in der Wallfahrtskirche Maria Eck entdeckt hat.
Diese Tafel wurde von Andreas Obermair „Alter Böck zu Wösterndorf, sambt sein Eheweib….. aus Dank gestiftet, weil sie zuhaus und in der Flucht von der beschwerlichen französischen Blinderung seind befreuet worden.“
Die Familien Obermair waren von ca. 1705 bis 1863 auf dem Anwesen. (fünf Generationen, die Namen in verschiedenen Schreibweisen). Anschließend waren zwei Generationen Dillersberger die Besitzer.
Eine Erzählung von Wolfgang Decker ist sowohl im Frasdorfer Höfebuch, als auch im Frasdorfer Dorfgeschichtenbuch aufgeführt. Er schreibt: „Michael Dillersberger war ein sehr umtriebiger Mann. Neben Wirtshaus, Bäckerei, Mühle (Bäckermühle) und Ökonomie betrieb er auch noch ein Fuhrgeschäft und hielt dazu eigene Pferde, hatte ein Bauunternehmen und errichtete in der Filze eine kleine Ziegelei in der er seine eigenen Ziegel und Dachplatten herstellte. (Im Dorfmuseum kann man heute noch ein Exemplar mit seiner Namensprägung besichtigen). Er hatte großen Unternehmergeist, verlor aber dann durch Rückschläge seinen gesamten Besitz“
1910 ging das Anwesen durch Kauf an die Familie Niederauer über und war bis 1982 in deren Besitz (zwei Generationen). Und diese intensive Zeit soll heute ein wenig in Erinnerung gebracht werden. Der „Niederauer“ war damals ein Begriff in Frasdorf.
300 Jahre Gasthaus und 70 Jahre Familienbesitz am 9. 1. 1981
- Luise Niederauer und Wastl Fanderl
- Luise Niederauer und die Musikanten Sepp und Lois Schlemer und Franz Osterhammer
In oben genanntem Höfebuch ist auch folgendes zu lesen. Wolfgang Decker: „Josef Niederauer war auch ein Stück Original……Als Wirt war er zu jeder „Viecherei“ zu haben, trank jedoch selten Bier, fast immer Kaffee. Und da er sehr gut lügen konnte, wurde er auch „Lügenauer“ genannt“.
Und Hans Hoesch über dessen Sohn: „Georg Niederauer hatte als einer der ersten in Frasdorf ein Auto. Eines Tages fuhr er damit nach Rosenheim, traf beim Brotzeitmachen einen Bekannten, marschierte anschließend mit diesem zum Bahnhof und dann fuhren beide mit dem Zug heim. Daheim stellte er fest, dass seine Garage leer war und meldete sein Auto bei der Polizei als gestohlen. Als er einige Tage später wieder nach Rosenheim fuhr – diesmal mit dem Zug – fand er zu seinem größten Erstaunen, sein Auto in der Bahnhofstraße geparkt vor“.
1982 ging das Anwesen an Familie Karner über und trägt seitdem den Namen: Landgasthof Karner. Nach einiger Zeit ging es jedoch wiederum in andere Hände über, aber der Name ist geblieben. Heutiger Besitzer ist die Hotelkette CASTLEWOOD. Aber jedes Hotel wird eigenständig und individuell geführt. Hoteldirektor in Frasdorf ist Herr Philipp Wasiliadi. Neben dem Hotelbetrieb mit 35 Zimmern gibt es zwei Speiselokale: Die Westerndorfer Stube und ein Goumet Restaurant. Dazu auch einen Wellness Bereich. Das Lokal mit seinen historischen Gewölberäumen und den Säulen mit den Rundkapitellen, strahlt nach wie vor absolute Gemütlichkeit aus.
Foto Haus – Der stattliche zweigeschossige Bau ist eine schöne Ergänzung zum Ortsbild. Der blumengeschmückte Balkon mit seinem schmiedeeisernen Geländer, die mit dezenten Farben bemalenen Fensterläden, sowie die Heiligennische und das dekorative Nasenschild an der Nordwestecke prägen die Giebelfront. Über dem Balkon ist eine Tafel angebracht mit der Inschrift: 1910 – Landgasthof Karner – 1982 (Das sind die Zeiten, in denen die Familien Niederauer Besitzer waren). Absolut einladend wirkt auch das großzügige Eingangsportal mit seiner schön geschnitzten, zweiflügeligen Türe. Die gläserne Oberlichte ist, wie bei den meisten Türen dieser Art, mit einem geschmiedeten Gitter mit einem in der Mitte eingearbeiteten Jesusmonogramm I H S, geschützt. In der Malerei am Segmentbogen über dem Portal steht ebenfalls der Name Landgasthof Karner.
Höhepunkt des Willkommensgrußes ist ein in Wandmalerei dargestelltes Paar in Lebensgröße in höfischer Kleidung, beidseitig des Portals. Jeweils mit den Namen im Sockel. Die hl. Elisabeth von Thüringen mit Brot und einem Weinkrug. (Sie hat zu ihren Lebzeiten Speisen an Bedürftige verteilt).
Und der hl. Johannes von Nepomuk mit einem Palmwedel. (Der Palmwedel ist in der christlichen Ikonographie Attribut der Märtyrer. Nepomuk wurde in der Moldau ertränkt). Im Innern des Gebäudes ist im geräumigen Hausgang eine Tafel eingemauert mit folgender Inschrift: „Dieses Haus mit Nebengebäude steht in der Denkmalsliste. Erbaut 1663. Das Hausgangpflaster wurde 1803 bei der Säkularisation aus dem Kloster Herrenchiemsee entfernt und hier wieder eingelegt“.
Weitere Fotos vom alljährlichen Faschingstanzl – Luise Niederauer mit der Frasdorfer Tanzlmusi
Bericht und Bilder: Hildegard und Franz Osterhammer nach Angaben von H. Philipp Wasiliadi, vielen Zeitzeugen aus der Ära Niederauer
Beitrag von Rupert Wörndl in Frasdorfer Dorfzeitung – Wörterbuch der Symbolik von Manfred Lurker









