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Finissage in Freilassing

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Nach vier erfolgreichen Wochen ARTdate in der Stadtgalerie ist die Gemeinschaftsausstellung von neun Künstlerinnen und Künstlern sowie einer Gastkünstlerin mit einer außergewöhnlichen Finissage zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt des Abends stand der Musiktherapeut Hanns-Günter Wolf, der die Kunstwerke nicht nur kommentierte, sondern sie in Klang übersetzte – vielschichtig, improvisierend und überraschend.

Galeristin Sarah Strohmeyer-Haider blickte in ihrer Begrüßung auf ereignisreiche Wochen zurück. Neben der Ausstellung selbst hatten sonntägliche Sonderveranstaltungen das Programm bereichert: eine Tanz-Performance, eine Lesung sowie ein Frühstück mit Künstlergesprächen (wir berichteten). Strohmeyer-Haider stellte noch einmal alle Beteiligten vor und dankte der Stadt Freilassing für die Unterstützung, vertreten durch Kulturreferent und Dritten Bürgermeister Wolfgang Hartmann. Im Namen der Künstlergruppe überreichte Willee WTH Regensburger der Galeristin ein Präsent als Zeichen des Dankes.

Für einen Musiktherapeuten gehöre es zum „Brotberuf“, Bilder zu vertonen, erklärte Hanns-Günter Wolf zu Beginn der Finissage. Angesichts der Vielzahl an Werken habe er sich gefragt, was die Kunstschaffenden im Kern verbinde. Seine Antwort: der Mut, Materialien neu zu denken – etwa Wegwerfobjekte einzusetzen und Prozesse wie Rostbildung durch Licht ästhetisch wirken zu lassen. Für Wolf wurde dieses „Veredeln“ zum Sinnbild kreativen Ursprungs.

Freiheit im Gestaltungsprozess sei eine weitere Gemeinsamkeit. In der Musik entspreche das Instrument der Form in der bildenden Kunst. So übertrug Wolf seine Eindrücke auf unterschiedliche Klangkörper. Den Auftakt machte ein großer Gong, den er langsam in Schwingung versetzte. In der Psychologie werde dessen mächtiger Klang oft mit archaischen Urkräften assoziiert, erläuterte er. Die sanfte Antwort des Klaviers verstand Wolf als bewussten Kontrast.

Mit der Sansula, einem „Daumenklavier“, setzte er einen weiteren Klangakzent. Die rhythmische Melodie griff er improvisierend am Klavier wieder auf. Auf der Dschembe dominierte der Puls des Rhythmus, den er virtuos ins Klavierspiel überführte – eine Hommage an den südafrikanischen Pianisten Dollar Brand, bekannt als Abdullah Ibrahim, der in Aschau im Chiemgau lebt.

Neben klassischen Instrumenten kamen auch ungewöhnliche Klangquellen zum Einsatz: quietschende Kinderinstrumente aus der Therapiearbeit, ein rosa Drache, eine Ente, ein „Giggle Stick“ oder eine Lotusflöte. Multikulturelle Akzente setzten der einsaitige Gobichand, eine Rassel aus Affenbrotsamen, ein Monochord sowie die Ravvast Handpan, deren warmer, schwebender Klang besonders berührte.

Das Publikum erlebte eine Finissage, die weit über ein musikalisches Rahmenprogramm hinausging. Wolfs Erläuterungen eröffneten Einblicke in die Verbindungen zwischen Musik, bildender Kunst und Psychologie. Die Vielschichtigkeit seines Spiels machte deutlich: Kreativität kennt keine Grenzen – weder im Klang noch in der künstlerischen Gestaltung.

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka

5593: Schwebende Klänge auf der Ravvast Handpan

5573: Die Galeristin Marah Strohmeyer-Haider stellt Hanns-Günter Wolf vor.

5598: Nahtloser Übergang vom Monochord auf dem Klavier zum Klavier selbst



Redaktion

Toni Hötzelsperger

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