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Faschingsklänge in Philharmonie Salzburg

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Unter dem Motto „Karneval der Klänge“ präsentierte die Philharmonie Salzburg unter der Leitung von Elisabeth Fuchs passend zum  Karnevalsumzug in Venedig einen Streifzug durch die festliche Faschingsmusik. Temperamentvoll begann sie in der Aula der Universität ihr Dirigat von Antonin Dvoraks „Karneval Konzertouvertüre“ op. 92 und sprühte ab dem ersten Augenblick vor Energie.

Weniger günstig war, wie sie bedauerte, dass der Geigerin am Pult der stellvertretenden Konzertmeisterin die e-Saite gerissen war. Jovial holte Fuchs eine Kollegin von einem hinteren Pult nach vorne, bis das Malheur behoben war. Die bekannten Melodien aus der Ouvertüre zu „Die Fledermaus“ von Johann Strauss (Sohn) heizten die Stimmung auf, ebenso wie Johann Strauss’ Ouvertüre „Eine Nacht in Venedig“.

In Venedig blieb man thematisch auch beim „Karneval in Venedig“ von Niccolò Paganini. Über die Melodie eines italienischen Volksliedes – in Deutschland bekannt als „Mein Hut, der hat drei Ecken“ – hatte der beste Geigenvirtuose seiner Zeit 20 Variationen komponiert, die virtuoser nicht sein können, so Elisabeth Fuchs, die den jungen Geiger Erik Maier (19) aus München ankündigte. „Das ist Musik pur, wir sind glücklich, mit ihm spielen zu können“, sagte sie. Die Erwartungen, die Fuchs gesät hat, wurden bei weitem übertroffen. Alles, was das Geigenspiel an Technik bereithält, war dann von Erik Maier in den spektakulären Variationen zu hören: Doppelgriffe, Glissandi, Triller in den höchsten Lagen und auf den tiefen Saiten, Zupfen mit der linken Hand, während die Bogenhand die Melodie spielt, Springbogen oder Flageolett – und dies alles nicht als Selbstzweck, sondern im Dienste der musikalischen Aussage voller Freude und Leichtigkeit. Maier entfesselte auf seiner Geige von Niccolò Gagliano (1740-1780) den Geist des Karnevals in seiner vollen musikalischen Pracht. Mal verschmitzt, mal virtuos brachte er verschiedene Aspekte zum Leuchten, voller Überraschungen und wie in einem musikalischen Maskenball. Das Publikum war außer Rand und Band und zeigte lautstark seine Begeisterung.

Auch Hector Berlioz hat etwas wider den tierischen Ernst komponiert: „Römischer Karneval“, 1844 uraufgeführt, ist eine Art Symphonische Dichtung, die verschiedene Aspekte des Karnevals vertont: Berlioz gelang es, schwungvolle und auch getragene Melodien mit betont ausgelassenen Rhythmen samt Tambourin-Gerassel und einem Saltarello-Tanz zu verbinden. Zum Schluss erschien das Anfangsthema des Englischhorn im Fagott und wurde in einem kurzen Fugato über die Posaunen zur Querflöte geführt, bevor das Werk mit einem musikalischen Feuerwerk endete.

Robert Schumanns Sinfonie Nr. 3 in Es-Dur mit dem Beinamen  „Die Rheinische“ wurde 1851 mitten im Karneval uraufgeführt. In diesem sinfonischen Denkmal für den Rhein wollte der Komponist jedoch diesen nicht beschreiben, sondern mit seiner Musik eine bestimmte Stimmung erzeugen und seiner eigenen Begeisterung bei der Ankunft in Düsseldorf vor Weihnachten 1850 Ausdruck verleihen. So weiß die „Rheinische Sinfonie“ noch nichts vom tragischen Ende des Komponisten.

Die Musiker der Philharmonie Salzburg begeisterten mit Ihrer Dirigentin Elisabeth Fuchs und verliehen jeder Komposition des Programms ihr charakteristisches Timbre – dem rheinländischen Walzer im Scherzo mit neckischen Sechzehntelpointen, dem langsamen Satz lieblich Idyllisches statt Pathetisches. Die feierlichen, choralartigen Töne des vierten Satzes machten im fünften Satz rheinischem Frohsinn und einem jovialen Tanzthema Platz. Nach dieser musikalischen Liebeserklärung an Schumanns Wahlheimat griff Elisabeth Fuchs bei der Zugabe „Donner und Blitz“ von Johann Strauss temperamentvoll zum Becken und ließ es rhythmisch donnern.

Ihr Dirigat war mitreißend, ihr Eintauchen in die Kompositionen und die Art, wie sie die musikalischen Strukturen und damit die Botschaft vermittelte, begeisterte und löste frenetischen Applaus aus.

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka 

2698: Spielt den „Karneval von Venedig“ von Niccolò Paganini virtuos und mit Leichtigkeit.

2706: Applaus für eine herausragende Interpretation von Erik Maier

2704:  Applaus für eine herausragende Interpretation von Erik Maier und der Philharmonie Salzburg unter ihrer Leitung Elisabeth Fuchs.

 



Redaktion

Toni Hötzelsperger

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