Kultur

Erinnerungen Herzog Wilhelm V. von Bayern

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Herzog Wilhelm V. von Bayern war ein bedeutender Förderer von Kunst und Architektur, der die Residenz München und die Burg Trausnitz in Landshut maßgeblich baulich prägte und den Grundstein für Schleißheim als herzogliche Residenz legte. Aus Anlass des 400. Todestages am 7. Februar 1626 erinnert die Bayerische Schlösserverwaltung an den bayerischen Herzog.

Geboren wurde Wilhelm V. als Sohn des Kunst und Musik liebenden Herzogs Albrecht V. und der Habsburger Kaisertochter Anna von Österreich. Bereits im Alter von 19 Jahren wurde der junge bayerische Erbprinz 1568 politisch vorteilhaft vermählt. Die Renaissance-Festlichkeiten seiner Hochzeit mit der lothringischen Prinzessin Renata in München fanden internationale Beachtung. Bis heute rufen die Glockenspiel-Figuren des Münchner Rathauses diese prächtige Hochzeit täglich in Erinnerung.

Das junge Erbprinzenpaar etablierte am gemeinsamen Wohnsitz, der Burg Trausnitz in Landshut, einen glänzenden Musenhof. Dieser veränderte das Aussehen der Burg nachhaltig im Geiste der italienischen Renaissance. Davon künden – trotz der Verluste des verheerenden Burgbrandes von 1961 – der „Italienische Anbau“ und die berühmte Narrentreppe, die Szenen aus der Commedia dell’arte zeigt. Der Bilderzyklus der Treppe gilt als früheste malerische und einzige monumentale Umsetzung dieses frivolen, italienischen Stegreiftheaters, das besonders prominent anlässlich der Münchner Hochzeit des Paares aufgeführt worden war.

Im Oktober 1579 trat Wilhelm die Nachfolge seines verstorbenen Vaters Albrecht V. als Herzog an. Auch in München ließ der neue Herzog die in Landshut erprobten Künstler arbeiten und baute den ererbten Regierungssitz zu einer modernen Schlossanlage aus. Wilhelm verlieh dem innovativen Sammlungsgebäude seines Vaters, dem Antiquarium, seine heutige Gestalt. Unter der Federführung seines Kunstintendanten Friedrich Sustris ließ er es in einen prächtig dekorierten Festsaal im spätbarocken Stil des Manierismus umgestalten. Direkt daneben wurde in der Art italienischer Villenbauten der intime Grottenhof mit einem mythologischen Bildprogramm voll politischer Anspielungen errichtet, in dessen angrenzenden Flügeln sich die neuen herzoglichen Wohnräume erstreckten. Wilhelm V. berief auch den in Florenz ausgebildeten Niederländer Hubert Gerhard und dessen Kollegen Carlo di Cesare del Palagio nach München. Sie schmückten die Gärten und Fassaden mit monumentalen Bronzeskulpturen, die in dieser Art diesseits der Alpen kaum bekannt waren. Die Originale können heute in den Bronzesälen des Residenzmuseums besichtigt werden.

Der Herrscher war nicht nur weltlichen Genüssen zugewandt: Schon früh widmete sich der immer wieder von Anfällen schwerer „Melancholey“ geplagte Wittelsbacher politisch und künstlerisch seinem Seelenheil. Hiervon zeugen bis heute nicht zuletzt der prächtige Reliquienschatz in der Residenz München oder die berühmte, juwelenverzierte St. Georgstatuette in der Schatzkammer. Als engagierter und machtvoller Unterstützer der katholischen Gegenreformation förderte Wilhelm V. die Jesuitenmission in Bayern und errichtete dem Orden die prächtige und hochmoderne Michaelskirche im Zentrum seiner Residenzstadt. Im „Kölner Krieg“ von 1583 bis 1588 sicherte er das einflussreiche Kölner Fürsterzbistum für die katholische Partei und installierte dort seinen jüngeren Bruder Ernst als geistlichen Kurfürsten, dem bis Mitte des 18. Jahrhunderts fünf weitere Wittelsbacher Prinzen als Erzbischöfe folgen sollten.

Nicht verwunderlich, dass dieses vielfältige politische und kulturelle Engagement Wilhelms V. sich als sehr kostspielig erwies: Nachhaltig überanstrengte der Herzog seine und Bayerns Ressourcen. Gewaltige Projekte wie das figurenreiche Bronzegrabmal, das er sich und seiner Gemahlin in St. Michael errichten lassen wollte, blieben unvollendet. Den Staatsbankrott vor Augen, gedrängt von seinen Räten und geplagt von Depressionen sowie religiösen Skrupeln entschied sich Wilhelm V. in den 1590er Jahren dazu, seinem Sohn Maximilian I. noch zu Lebzeiten schrittweise die Regierungsverantwortung zu übertragen. Am 15. Oktober 1597 erfolgte schließlich die formelle Abdankung. Der resignierte Herzog zog sich in seinen klosterähnlichen Alterswohnsitz neben der Jesuitenkirche zurück, in die weitläufige Wilhelminische Festung, die später auch Maxburg genannt wurde.

Wohl noch eindrücklicher verweist die Gründung Schleißheims auf die Hinwendung Wilhelms V., der den Beinamen „der Fromme“ trägt, zur religiösen Kontemplation: Bereits ab 1595 erwarb er in Schleißheim mehrere Klausen und Kapellen, die mit Wasserkünsten, Figurenautomaten und Glockenspielen ausgestattet wurden. Nach seiner Abdankung ließ er ab 1598 ein schlichtes Herrenhaus errichten, das sein Sohn später durch einen aufwendigeren Neubau ersetzte. Wilhelm V. starb in Schleißheim im Alter von 77 Jahren.

 Im heutigen „Alten Schloss“ Schleißheim erinnert die Wilhelms-Kapelle an den Alt-Herzog, der nach seiner Resignation bis zu seinem Tod noch drei Jahrzehnte im Hintergrund der Landespolitik und in der Kunstförderung präsent blieb. Seit 2025 ist die Wilhelmskapelle wieder mit dem originalen, aufwändig restaurierten Altargemälde von Peter Candid ausgestattet, das den Hl. Wilhelm von Malavalle in Anbetung der Gottesmutter zeigt.

Links zu den Schlössern Wilhelms V.:

Bayerische Schlösserverwaltung | Schlösser | Burg Trausnitz

Bayerische Schlösserverwaltung | Schlösser | Residenz München

Bayerische Schlösserverwaltung | Schlösser | Altes Schloss Schleißheim

Die Bayerische Schlösserverwaltung

Die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen ist eine der traditionsreichsten Verwaltungen des Freistaates Bayern. Als Hofverwaltung der Kurfürsten und der Könige entstanden, ist sie heute mit 45 Schlössern, Burgen und Residenzen sowie weiteren Baudenkmälern einer der größten staatlichen Museumsträger in Deutschland. Dazu kommt noch ein ganz besonderes geschichtliches Erbe: die vielen prachtvollen Hofgärten, Schlossparks, Gartenanlagen und Seen. Die einzigartigen Ensembles europäischer Architektur gepaart mit reichhaltiger künstlerischer Ausstattung ziehen jährlich ein Millionenpublikum aus aller Welt an.

Bericht und Foto: Bayerische Schlösserverwaltung 



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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