Am 19., 20. und 21. März leitet die Pianistin Schaghajegh Nosrati in der Bibliothek im Klosterhof in Bayerisch Gmain eine Schubertiade. Im Gespräch mit der Heimatzeitung spricht sie über das bedeutungsstarke Konzept, ihre iranischen Wurzeln, über die Verbindung West-Ost, sowie über Literatur, die diese aufgegriffen hat.
Sie sind international als Pianistin tätig – was hat Sie persönlich zu Franz Schubert und die intime Atmosphäre einer Schubertiade geführt?
Nosrati: Ich hatte schon immer eine große Affinität zur Musik von Franz Schubert. Seine intime, leise Klangsprache bildet einen starken Kontrast zu unserer oft lauten Gegenwart. Als ich die Bibliothek im Klosterhof mit dem alten Blüthnerflügel sah, fühlte ich mich sofort an die historischen Schubertiaden erinnert. Daraus entstand die Idee, hier ein eigenes Festival zu begründen – ein Wunsch, den ich schon lange hatte und den ich nun mit großer Vorfreude verwirkliche. Ich hatte mit dem Ehepaar Färber darüber gesprochen und festgestellt, dass sich da zwei Ideen unabhängig voneinander entwickelt haben.
Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die einzelnen Werke ausgewählt?
N.: Ich habe die Schubertiade unter das Motto „Der Wanderer“ gestellt. Dieses zentrale Motiv der Romantik findet sich in Literatur, Kunst und besonders in Schuberts Werk. Der Wanderer steht für die Suche – nach einem äußeren oder inneren Ziel – und auch für die besondere Rolle des Künstlers in der Gesellschaft. Gleichzeitig eröffnet das Motiv die Frage nach einer Wanderschaft zwischen Kulturen, die den zweiten Konzertabend inspiriert hat.
Der Titel „Zwischen den Welten – Goethe, Hafis und Schubert“ verbindet Literatur und Musik. Wie kam es dazu?
N.: Die Verbindung zwischen West und Ost beschäftigt mich schon lange, auch wegen meiner eigenen Biografie: Ich bin in Deutschland geboren, habe aber iranische Wurzeln. Beide Kulturen prägen mich stark. Inspiriert von Goethes „West-Östlichem Diwan“, der wiederum auf Hafis zurückgeht, verbinden wir in diesem Konzert Literatur und Musik. Neben Schubert – er hat wiederum einige dieser Gedichte von Goethe in seinen Liedern vertont – erklingen Werke von Strauss, Wolf und Grete von Zieritz sowie Rezitationen von Hafis in Originalsprache. So entsteht ein Dialog zwischen Kulturen und Künsten.
Der Weg des Wanderers, der sich zwischen den Welten bewegt, zwischen Schubert, Goethe oder Hafis ist plötzlich durch die weltpolitische Lage so aktuell wie nie. Haben Sie das vorausgesehen?
N.: Der zweite Abend über die Verbindung von Ost und West hat durch die aktuellen politischen Ereignisse eine unerwartete Aktualität bekommen. Gerade deshalb erscheint mir kulturelle Annäherung besonders wichtig. Als wir diesen Abend konzipiert haben, war der Krieg ja noch nicht ausgebrochen. Und daher berührt es uns nochmal in ganz besonderem Maße, dass unser Konzert mit einer solchen Bedeutung aufgeladen ist. Als Dozentin an der Barenboim-Said Akademie in Berlin erlebe ich täglich, wie Musik Menschen aus unterschiedlichen Ländern zusammenbringt. Wenn Studierende aus verschiedenen Kulturen gemeinsam musizieren, entsteht ganz selbstverständlich ein Dialog – ein starkes Zeichen für Verständigung.
In Ihrem Programm begegnen sich Texte von Johann Wolfgang von Goethe und Hafis. Welche Verbindung sehen Sie zwischen diesen beiden Dichtern?
N.: Goethe und Hafis sind sehr eng miteinander verbunden dadurch, dass Goethe das dichterische Werk von Hafis sehr stark rezipiert hat. Die Gedichtsammlung Diwan von Hafis hat Goethe studiert und sich davon inspirieren lassen zu einem eigenen Gedichtszyklus. Es gibt auch einige Aussprüche von Goethe, wie „Sinnig zwischen beiden Welten sich zu wiegen, lass ich gelten, also zwischen Ost und Westen sich bewegen, sei zum Besten“ – aus den Nachlass-Stücken des West-Östlichen Diwan von Goethe.
Sie schlagen damit auch eine Brücke zwischen Orient und europäischer Romantik. Glauben Sie, dass Musik heute eine besondere Kraft hat, kulturelle Räume miteinander zu verbinden?
N.: Kunst und Musik bieten eine besondere Chance, Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zusammenzuführen. Dialog, gegenseitiger Respekt und Zuhören sind dabei entscheidend – Eigenschaften, die im gemeinsamen Musizieren ganz selbstverständlich entstehen. Deshalb war es mir wichtig, diesen Gedanken bereits in der ersten Ausgabe der Schubertiade sichtbar zu machen. Auch in Zukunft soll dieses Festival kulturelle Verbindungen schaffen.
Das Gespräch führte Brigitte Janoschka.
Karten bei: Klosterhof – Steilhofweg 19, 83457 Bayerisch Gmain Tel. 0049-8651-98250, reservierung@klosterhof.de
Fotos: Brigitte Janoschka – Pianistin Schaghajegh Nosrati ist die künstlerische Leiterin der Schubertiade.






