Kirche

Diözesanmuseum: Von Ludwig I. zum Blauen Reiter

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Mit bedeutenden Werken von Bertel Thorvaldsen, Peter von Cornelius und Friedrich Overbeck über Gabriel von Max und Franz von Stuck bis Wassily Kandinsky und Gabriele Münter widmet sich die neue Sonderausstellung des Diözesanmuseums Freising „Himmlisches Wiedersehen. Von Ludwig I. zum Blauen Reiter“ epochalen Umbrüchen in politisch, religiös und kulturell unruhigen Zeiten. Die Schau, die von Dienstag, 17. März, an auf dem Freisinger Domberg zu sehen ist, nimmt ihren Anfang nach Napoleon und Säkularisation, in Zeiten staatlicher und gesellschaftlicher Neuordnung, als Identitäten zunehmend ins Rutschen geraten. Im von widerstreitenden Entwicklungen, einer vibrierenden Vielfalt und Ungleichzeitigkeiten geprägten „langen“ 19. Jahrhundert macht die Ausstellung Herausforderungen und Spannungen zwischen Glauben und Zweifel, Ordnung und Verführung, Tradition und Moderne sichtbar. Dabei scheinen in mancher Hinsicht Parallelen zur Gegenwart auf.

Die Ausstellung setzt ein mit dem Jahr 1825, als Ludwig I. sein Amt als bayerischer König antritt, getragen von der Idee des Gottesgnadentums und der Vision, Kunst, Glauben und Staat zu einer harmonischen Einheit zu fügen. Bilder sollen ordnen, trösten, legitimieren. Zugleich wird München zum Sehnsuchtsort für Kunst, Literatur und Wissenschaft, und auch für Frauen, die beginnen, um Bildung und Sichtbarkeit zu kämpfen. Viele Zeitgenossen erwarten den Siegeszug von Rationalität und Technik; andererseits ist das Bedürfnis nach Transzendenz groß. Die daraus entstehende Unsicherheit sucht sich ihre Ventile: in Bildern von dogmatischer Frömmigkeit über subtile Erotik bis hin zum schonungslosen Realismus. Es folgen aufeinander Revolten und Restauration, Ultramontanismus und Kulturkampf ebenso wie Demokratisierung und der tastende Beginn der Moderne. Die Schau spannt den Bogen bis 1925, als Papst Pius XI. das Christkönigsfest einführte, das nicht nur eine Reaktion auf den Laizismus darstellte, sondern sich auch zu einem Kontrapunkt zum aufkommenden politischen Führerkult entwickeln sollte.

In den ausgestellten Kunstwerken zeigt sich die Suche der Menschen nach Wahrheit in Zeiten großer Verunsicherung. Der Fokus der Schau liegt dabei insbesondere auf der Frage, wie sich christliche Bildwelten veränderten, wer oder was diese beeinflusste und welche Diskurse um die „wahre christliche Kunst“ geführt wurden. So pluralistisch die Gesellschaft sich entwickelte, so vielfältig sind die Antworten. Von der Bewegung der romantisch-religiösen Nazarener bis zu den Künstlerinnen und Künstlern des Blauen Reiter, die auch religiöse Bildformen und Volkskunst aufgreifen – allerdings nicht als Bekenntnis, sondern als Möglichkeit, neue Wege der Spiritualität zu erkunden.

Die Ausstellung versammelt mehr als 130 Werke aus Privatsammlungen und von renommierten Leihgebern, unter anderem der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, des Münchner Stadtmuseums, von Museen in Berlin, Bremen, Leipzig oder Palermo sowie von Kirchenstiftungen aus dem Erzbistums München und Freising wie St. Ludwig in der Maxvorstadt in München oder Mariahilf in der Münchner Au. Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm mit Führungen, Vorträgen, Workshops und Konzerten begleitet, zudem gibt es spezielle Programmangebote für Schulen mit lehrplanrelevanten Themen.

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat München – Bildmaterial: Renate Kühling /Erzbischöfliches Ordinariat München



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Toni Hötzelsperger

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