Die sieben schäfflerlosen Jahre sind nun vorbei. Jetzt gelte es wieder, Tradition, Brauchtum und Kultur zu pflegen, sagte Pater Dominik Sobolewski zu Beginn des Gottesdienstes am 11. Januar in der Pfarrkirche. Der Ursprung der tanzenden Fassmacher habe darin gelegen, den Menschen während der Pest Mut zu machen und sie wieder aus ihren Häusern zu locken.
Im Jahr 2026 tanzt die Taufkirchener Schäfflergruppe an den Wochenenden bis einschließlich Faschingsdienstag. Eine besondere Attraktion, die es nur alle sieben Jahre zu sehen gibt, ist der Figurentanz der örtlichen Schäffler. Beim Auftaktauftritt passte der Titel der Schäfflermelodie „Aber heid is koid“ sprichwörtlich: Beim ersten Tanz der rund 25 Tänzer am Sonntag herrschte zwar trockenes, aber kaltes Winterwetter. Nach dem Gedenkgottesdienst für die verstorbenen Mitglieder zeigten die „Rotjacken“ ihren ersten Tanz auf dem Rathausvorplatz in der Ortsmitte. Unter den Zuschauern befanden sich Bürgermeister Stefan Haberl sowie zahlreiche Ehrengäste. Trotz der Kälte kamen die Besucher in großer Zahl, um den ersten Auftritt der Schäffler zu sehen. Die Tänzer präsentierten sich mit sichtlicher Freude über das Ende der siebenjährigen Tanzpause.
Der Tanz dauert rund 25 Minuten und beginnt mit dem Einmarsch. Es folgen Durchtanz, Laube, Durchschlagen, Vierertanz, Kreuztanz und Krone. Anschließend stehen das Fasslschlagen und das Reifenschwingen auf dem Programm. Dabei werden Gläser mit Schnaps in die Reifen gestellt – beim Schwingen darf kein Tropfen verschüttet werden. Der bekannte Schäfflertanz, der alle sieben Jahre aufgeführt wird, wurzelt in jahrhundertealtem Handwerksbrauchtum. Ursprünglich war er ein Zunfttanz der Schäffler, Fassmacher, Böttcher und Büttner. Der Überlieferung nach wurde der erste Schäfflertanz im Jahr 1517 in München aufgeführt, als tausende Menschen der Pest zum Opfer gefallen waren. Um dem Grauen des „Schwarzen Todes“ entgegenzuwirken und den verbliebenen Einwohnern neuen Lebensmut zu geben, sollen die Schäffler tanzend durch die verwaisten Straßen gezogen sein.
Der Reigentanz ist damit ursprünglich eine Münchner Tradition. Im 16. Jahrhundert sollen die Fassmacher gelobt haben, den Tanz alle sieben Jahre aufzuführen, wenn die Pest bald vorübergehe. Die Seuche ging zurück – und seither tanzen die Schäffler bis heute alle sieben Jahre zur Faschingszeit. Auch nachdem die Epidemie abgeklungen war, herrschten in der Stadt noch Angst und Trauer. Junge Fassmacher schmückten deshalb ihre Fassreifen mit Laub und zogen tanzend durch die Straßen, um Zuversicht zu vermitteln.
In Taufkirchen wurde die erste Schäfflergruppe 1951 von der Karnevalsgesellschaft und der Vorstandschaft des TSV gegründet. Seit 1984 wird die Taufkirchener Schäfflertradition von der Freiwilligen Feuerwehr Taufkirchen fortgeführt.
Bericht und Bilder: Hans Kronseder













