Der Saal beim Schneiderwirt in Nußdorf am Inn war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die gemeinsame Liste von CSU und FWG ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl 2026 vorstellte. Durch den Abend führte Moderator Hans Straßburger mit ruhiger Hand, musikalisch begleitet von den Kranzhorn Musikanten, die dem politischen Termin eine fast festliche Note verliehen.
Nach der Begrüßung stand zunächst ein Moment der Stille im Raum: Mit einem Totengedenken. Anschließend wurde Peter Moser verabschiedet – nach 24 Jahren im Gemeinderat tritt er nicht mehr an. Als Mitglied im Bauausschuss, im Rechnungsprüfungsausschuss und im Arbeitskreis Steinbruch prägte er viele Entscheidungen mit. Nach dem Tod von Sepp Oberauer hatte er zudem den CSU-Vorsitz übernommen. Der Dank für seine langjährige Arbeit fiel entsprechend herzlich aus.
Im Mittelpunkt des Abends stand Susanne Grandauer. Die amtierende Bürgermeisterin, Lehrerin, Mutter und Gastwirtin trat als Spitzenkandidatin erneut vor die Bürgerinnen und Bürger. In ihrer Vita verband sie persönliche Verwurzelung mit politischer Erfahrung. „Wir haben ja schon gehört, was wir in den letzten Jahrzehnten mit unserer Mehrheit umsetzen konnten, auch in der letzten Periode haben wir viel bewegt“, sagte sie. Gleichzeitig richtete sie den Blick nach vorn: „Mir ist es aber an dieser Stelle wichtig, dass wir unseren Blick in die Zukunft richten.“
Eine Herzensangelegenheit sei für sie die Dorfentwicklung. Bauland müsse entwickelt, bezahlbarer Wohnraum für Alleinstehende, Familien und Senioren geschaffen werden. Betreuungs- und Pflegeangebote für alle Generationen seien notwendig – doch wie könne die Gemeinde das konkret umsetzen? Grandauer verwies auf die Planungshoheit der Kommune. Mit vorhabenbezogenen Bebauungsplanänderungen – wie beim Nußdorfer Hof mit der Errichtung einer Tagespflege – könne die Gemeinde gezielt Vorgaben setzen. Auch der Hochriesweg 5 solle im Rahmen einer Konzeptvergabe sinnvoll entwickelt werden, etwa über eine Bürgerstiftung oder Genossenschaft. Besonders am Herzen liegt ihr das „Haus am Steinbach“: Nach der Schließung des Altenheims habe man hartnäckig an einer sozialen Nutzung festgehalten und reine Wohnbebauung abgelehnt – „egal wie groß der Druck wurde“. Nun entstehe dort ein Haus für Menschen mit Einschränkungen mit Café, ein Ort der Begegnung.
Zugleich gelte es, den liebenswerten Charakter des Dorfes für kommende Generationen zu bewahren. Beim Thema kommunale Wärmeplanung zeigte sich Grandauer pragmatisch: Ein einziges Konzept werde der Größe und Struktur Nußdorfs nicht gerecht. Stattdessen brauche es mehrere Insellösungen, angepasst an die jeweiligen Ortsteile. Auch die finanziellen Pflichtaufgaben der Gemeinde benannte sie klar: Die Ersatzbeschaffung eines Feuerwehrfahrzeugs mit einem Volumen von rund 800.000 Euro, die Sanierung des Mühltals, die Brannenburger Straße samt Gehwegen und einer zusätzlichen Querungsinsel zur Verbesserung der Verkehrssicherheit – all das werde Ressourcen binden und müsse sorgfältig geplant werden.
Die übrigen Kandidatinnen und Kandidaten stellten sich in Dreier-Blöcken vor: eine Minute Biografie, danach nahmen sie auf einer symbolischen „Couch“ Platz und beantworteten Fragen. Das Format wirkte locker, aber konzentriert. Unterschiedliche berufliche Hintergründe – von Bauingenieuren über Landwirte, Unternehmer, Kaufleute bis hin zu jungen Berufstätigen – spiegelten sich in den Themen wider: nachhaltige Finanzpolitik, maßvolle Ortsentwicklung, Schutz landwirtschaftlicher Flächen, Jugendförderung, wirtschaftliche Stärke und Ehrenamt.
Zum Abschluss richtete Grandauer den Blick auch auf die Kreistagswahl. Vier Kandidatinnen und Kandidaten aus Nußdorf treten auf zwei Listen an. Sie warb dafür, Stimmen im Inntal zu bündeln – gerade bei Themen wie Haushalt und Kreisumlage sei eine starke regionale Vertretung entscheidend. „Ich bitte um Ihr Vertrauen für das Amt der Bürgermeisterin, für die Bewerbung im Kreistag und um Stimmen für CSU/FWG. Wir machen Politik mit Vernunft, Leidenschaft und dem Blick auf das, was Nußdorf stark macht.“
Wer an diesem Abend im Saal des Schneiderwirts aufmerksam zuhörte, merkte schnell: Hinter der gemeinsamen Liste von CSU und Freier Wählergemeinschaft stehen nicht nur Namen, sondern sehr unterschiedliche Biografien, Erfahrungen und Motive. Jede und jeder bringt einen eigenen Zugang zur Kommunalpolitik mit – verbunden durch das gemeinsame Ziel, Nußdorf verantwortungsvoll weiterzuentwickeln.
Susanne Grandauer
Die amtierende Bürgermeisterin verbindet pädagogische Erfahrung mit kommunalpolitischer Routine. Als Lehrerin gewohnt, zuzuhören und zu vermitteln, setzt sie auch im Rathaus auf Dialog und Struktur. Ihr politischer Stil ist geprägt von Ausgleich und einem klaren Blick für das Machbare.
Helmut Brunner
Der Bauingenieur und Zweite Bürgermeister denkt in Fundamenten und Tragfähigkeit. Infrastrukturprojekte, Haushaltsdisziplin und nachhaltige Entwicklung sind für ihn keine Schlagworte, sondern handwerkliche Aufgaben mit langfristiger Verantwortung.
Christian Niederthanner
Als Landwirt kennt er die Gemeinde vom Feld bis zum Ortskern. Für ihn ist Boden nicht nur Fläche, sondern Lebensgrundlage – entsprechend engagiert er sich für maßvolle Entwicklung und den Erhalt landwirtschaftlicher Strukturen.
Sepp Maurer
Der Speditionskaufmann bringt wirtschaftliches Denken und Organisationstalent ein. Gleichzeitig liegt ihm das Vereinsleben am Herzen – er versteht Gemeinde als Gemeinschaft, die gepflegt werden muss.
Michael Laar
Technisch versiert und planerisch erfahren, betrachtet der Bauingenieur Projekte mit analytischer Ruhe. Ihm geht es um sachliche Lösungen, gerade bei großen Themen wie Verkehr und Ortsentwicklung.
Markus Kreidl
Als Wirtschaftsingenieur verbindet er Zahlenverständnis mit strategischem Denken. In der Jugendarbeit engagiert, sieht er besonders die Perspektiven der nächsten Generation im Fokus.
Hans-Peter Oberauer
Der selbstständige Unternehmer weiß, wie wichtig stabile Rahmenbedingungen für Betriebe sind. Sein Blick richtet sich auf eine starke lokale Wirtschaft als Grundlage für Lebensqualität.
Christian Bracharz
Als Zimmerermeister bringt er handwerkliche Bodenständigkeit ein. Als Chef eines Planungsbüros zählt für ihn die Qualität des Ortsbildes ebenso wie eine vernünftige Baupolitik.
Simon Dettendorfer
Er steht für die jüngere Generation im Team. Beruflich in leitender Funktion tätig, verbindet er wirtschaftliche Verantwortung mit Engagement im Ehrenamt.
Johannes Dettendorfer
Mit betriebswirtschaftlichem Hintergrund und Erfahrung in der Logistik denkt er regional und überregional zugleich. Vernetzung und Ausbildungsförderung sind ihm wichtige Anliegen.
Rosemarie Dettendorfer
Als Mutter, Oma und Unternehmerin kennt sie die Herausforderungen zwischen Familie, Betrieb und Gemeinde. Sie setzt sich besonders für familienfreundliche, soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein.
Angelika Bachler
Sie bringt kaufmännische Erfahrung und ein Gespür für Organisation mit. Ihr Anliegen ist eine offene Kommunikation zwischen Bürgerschaft und Rathaus. Die Vereinsarbeit ist ihre Herzensangelegenheit.
Wolfgang Gar
Der Forstbeamte steht für Nachhaltigkeit mit fachlichem Fundament. Natur- und Ressourcenschutz versteht er als langfristige Investition in die Zukunft der Gemeinde.
Josef Drexler jun.
Beruflich im Logistikbereich tätig und ehrenamtlich engagiert, verbindet er wirtschaftliche Praxis mit Gemeinsinn. Für ihn ist eine lebendige Dorfgemeinschaft der Kern kommunaler Stärke.
Nach dem Dank an die Kranzhorn Musikanten und an Moderator Hans Straßburger wurde die Fragerunde eröffnet – doch aus dem Publikum kamen an diesem Abend keine weiteren Wortmeldungen. Vielleicht, weil vieles bereits ausführlich dargestellt war. Vielleicht auch, weil der Eindruck eines gut vorbereiteten, geschlossenen Teams überwog, das seine Themen klar benannt und strukturiert eingeordnet hatte.
So blieb am Ende weniger das Gefühl einer Wahlkampfveranstaltung als das eines Dorftreffens mit politischem Anspruch. Die gemeinsame Liste von CSU und FWG präsentierte sich als Zusammenschluss aus Erfahrung und neuen Impulsen, aus Handwerk, Wirtschaft, Landwirtschaft und sozialem Engagement. Im Mittelpunkt stand Susanne Grandauer, die Kontinuität und Verlässlichkeit mit dem Willen zur Weiterentwicklung verbindet. Ob Infrastruktur, bezahlbarer Wohnraum, Umweltfragen oder Gemeinschaft – die Kandidatinnen und Kandidaten machten deutlich, dass sie Nußdorf mit ruhiger Hand, klaren Prioritäten und im offenen Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern in die kommenden Jahre führen möchten.
Bericht und Fotos: Volkhard Steffenhagen
-Rosemarie Dettendorfer, Angelika Bachler, Susanne Grandauer und Hans Straßburger
-Kandidaten vor ihrer Vorstellung
-Markus Kreidl, Simon Dettendorfer, Hans-Peter Oberauer, Susanne Grandauer, Hans Straßburger
-Christian Niederthanner, Sepp Maurer, Michael Laar, Susanne Grandauer, Hans Straßburger
-Johannes Dettendorfer
-Wolfgang Gar, Hans Oberauer, Sepp Drexler, Peter Dräxl, Susanne Grandauer, Hans Straßburger, Susanne Grandauer, Hans Straßburger
-Peter Moser, Susanne Grandauer










