Die Farbenlehre ist zwar kein ordentliches Schulfach, spielte aber trotzdem beim „Bayerischen Nachmittag“ im Bürgertreffpunkt Bahnhof Lichterfelde-West (https://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-soziales/seniorenservice/artikel.1550604.php) eine wichtige Rolle. Spätestens seit dem Auftritt der „Samerberger Tanzlmusi“ in der beliebten Lichterfelder Seniorenfreizeitstätte dürfte jedem Preußen klar sein, dass die Farben des bayerischen Himmels nicht „Blau-Weiß“, sondern „Weiß-Blau“ sind. Manche Berliner müssen hier umdenken, vor allem jene, die eine gewisse Schwäche für alte – blau-weiße – Tanten haben.
Anlässlich der Grünen Woche frisch aus dem oberbayerischen Chiemgau angereist, gastierte die vierköpfige Blaskapelle vom Samerberg im Saal des Bürgertreffpunkts und präsentierte am 21. Januar 2026 ein buntes Programm aus ihrem reichen Repertoire. Noch ehe sie den ersten Ton bliesen, wurden sie vom Vorsitzenden des Fördervereins Bürgertreffpunkt Lichterfelde West e.V. (https://lichterfelde-west.net/), Harald Hensel, und Andreas Ohrt, dem Leiter der Freizeitstätte, herzlich willkommen geheißen.
Neben unwiderstehlichen Ohrwürmern im Walzer- und Polkatakt intonierte die Kapelle immer wieder die inoffizielle bayerische Hymne: das berühmte „Prosit der Gemütlichkeit“. Festlich gewandet waren die Musikanten in die typische Tracht aus ihrer Region: breitkrempiger Hut, Lederhose, Wadlstrümpfe, Haferlschuhe. Sie geht auf den traditionellen Berufsstand der „Samer“ zurück – Salzfuhrleute, die im Mittelalter Salz und andere Waren mit Saumrössern über die Alpen und durch den Chiemgau transportierten. Mit seinem Namen bewahrt der Samerberg (https://samerberg.de) – und mit ihm auch die Tanzlmusi – die Erinnerung an die harte Arbeit der Vorfahren.
In Farbenfragen ist der Bayer unerbittlich. Bei der Weißwurst ebenso. Für ihn grenzt es fast an ein Sakrileg, dieses Nationalgericht nach dem Zwölfuhrläuten zu verspeisen. Nachsicht übt er allenfalls, wenn er zu Gast in Preußen ist. So geschehen in den Nachmittagsstunden des 21. Januar, wo sich die Konzertbesucher das eine oder andere Exemplar der köstlichen Spezialität schmecken ließen – stilecht mit Brezn und süßem Senf. Dazu passend spielte die Kapelle eine zünftige „Weißwurstpolka“.
Manchmal ist es gut, dass sich Geschichte wiederholt: Denn schon im Vorjahr waren die vier Vollblutmusiker an Basstrompete, Tenorhorn, Akkordeon und Tuba zur Grünen Woche nach Berlin gereist. Zweck der Übung: die preußischen Herzen höherschlagen lassen und für ausgelassene Stimmung sorgen. Ein Stück Bayern mitten in Berlin eben. Und das vor komplett ausverkauftem Hause.
Im Anfang war die Farbe. Wie alle im Kulturbahnhof gelernt haben, lacht die Sonne gern über die weiß-blauen Lande zwischen Alpen und Main. Manche würden Bayern sogar mit der Farbe Rot in Verbindung bringen, sagte der Conférencier der Blaskapelle. Toleranz ist ein hohes Gut und Teil der bayerischen DNA. Wenn’s aber um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens geht – zum Beispiel um das runde Leder – halten viele bayerische Landsleute in Treue an der Farbe Blau fest. Und räumen ihr gern die Vorfahrt ein.
Bericht und Bilder: Christian Urlaub





