Kirche

„Aschermittwoch der Künstler“ und Fastenzeit

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Den „Aschermittwoch der Künstler“ feiert Kardinal Reinhard Marx mit Künstlerinnen und Künstlern zu Beginn der österlichen Bußzeit am Mittwoch, 18. Februar, um 18 Uhr im Münchner Liebfrauendom. Einen Akzent setzt in diesem Jahr Lisa Granada mit der bildnerischen Intervention „Cartografía inconclusa / Unfinished Cartography“, bei der gebrauchte Teebeutel zu einem Tuch verbunden sind. Die Installation wird bis 31. März im Chorraum des Doms über dem Altar hängen und soll unter anderem an die Tradition des Fastentuchs erinnern. Der Gottesdienst wird im Internet live gestreamt unter www.erzbistum-muenchen.de/stream

Das Kunstwerk „Unfinished Cartography“ entsteht seit 2016 als fortlaufendes Projekt aus dem Verflechten gebrauchter Teebeutel zu einem Tuch. Für die 1991 in Bogotá, Kolumbien, geborene Künstlerin symbolisieren die Teebeutel Erinnerung und Zeit, deren ständige Wiederholung sowie das damit verbundene Älterwerden. In ihren Werken setzt sich Lisa Granada mit den Aktivitäten und Objekten des Alltags und deren scheinbarer Banalität und Monotonie auseinander. Sie verbindet eine minimalistische und skulpturale Ästhetik in ihrer Kunst und versucht herauszuarbeiten, wie als eher intim oder privat wahrgenommene Handlungen transformiert und im öffentlichen Raum geteilt werden können (weitere Informationen: www.lisagranada.com). Lisa Granada absolvierte ihr Kunststudium in Bogotá (Kolumbien), Grenoble und Stuttgart. Ihre Werke wurden in verschiedenen Ausstellungen gezeigt, darunter in Mulhouse, Barcelona und in Esslingen. Im Jahr 2022 erhielt sie das Stipendium „Junge Kunst und neue Wege“ des Freistaats Bayern. Die Installation ist ein Projekt der Kunstpastoral und der Hauptabteilung Kunst im Erzbischöflichen Ordinariat zusammen mit dem Münchener Dom.

Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst durch Solistinnen und Solisten der Capella Cathedralis, Instrumentalisten und Domorganist Ruben Sturm unter der Leitung von Domkapellmeisterin Lucia Hilz. Dargeboten werden unter anderem eine Auftragskomposition von Mathias Rehfeldt zu Psalm 90 und Musik von Hildegard von Bingen.

Der „Aschermittwoch der Künstler“ wurde von dem katholischen Schriftsteller und Diplomaten Paul Claudel nach dem Zweiten Weltkrieg in Paris begründet. Er wird mittlerweile in mehr als 100 Städten weltweit gefeiert. Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit, in der sich die Gläubigen auf das Osterfest vorbereiten. Zu den Gottesdiensten an diesem Tag gehört der Ritus der Aschenauflegung. Die Geistlichen zeichnen den Gläubigen ein Kreuz aus Asche auf die Stirn und sprechen dabei einen Vers aus dem Buch Genesis, „Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“, oder aus dem Markus-Evangelium: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ (hor)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat – Foto: EOM/Johannes Seyerlein –  Die Kunstinstallation „Unfinished Cartography“ von Lisa Granada im Münchner Liebfrauendom.

Neue Impulse zur Fastenzeit  – In der am Aschermittwoch, 18. Februar, beginnenden Fastenzeit stellen Katholikinnen und Katholiken Reflexion und Umkehr in den Mittelpunkt der Vorbereitung auf das Osterfest.

„Sich NEU auf die Gegenwart Gottes besinnen“ ist das Vorwort der Internetseiten zur Fasten- und Osterzeit 2026 in München und im Erzbistum München und Freising überschrieben. Unter www.ostern-in-muenchen.de bieten die Seiten eine Übersicht über Gottesdienste, Konzerte, Veranstaltungen und Beichtgelegenheiten in München von Beginn der Fastenzeit bis zum „Weißen Sonntag“, der in der katholischen Kirche als „Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit“ heuer am 12. April gefeiert wird. „Die Verwirklichung vieler Dinge hängt von dem Vertrauen ab, mit dem wir sie erwarten, erhoffen, erbeten“, zitiert das Vorwort den Jesuitenpater Alfred Delp, für den Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising am 2. Februar das Seligsprechungsverfahren eröffnet hat. „Der Jesuit Alfred Delp macht uns auch aus der Dunkelheit der Gefangenschaft heraus Mut, uns auf alles, was unser Leben ausmacht, einzulassen“, heißt es im Vorwort, verbunden mit dem Wunsch: „Lassen wir uns in all dem, was in unserer Zeit dunkel und hoffnungslos erscheint, in dieser Fastenzeit neu ein auf Gott, vertrauen wir neu auf seine Gegenwart unter uns und feiern wir Begegnung mit ihm.“

Der Bußgottesdienst in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael (Neuhauser Straße 6) am Montag, 23. Februar, 18 Uhr, soll eine Hilfe zur persönlichen Einkehr und zum Umgang mit der eigenen Schuld bieten. Parallel besteht die erweiterte Möglichkeit zu Beichte und Gespräch. Unter dem Titel „Einmal wird Ostern sein…“ beschäftigt sich die diesjährige Reihe von Fastenpredigten in St. Michael „brüchig gewordenem Vertrauen“. An den Fastensonntagen jeweils um 18 Uhr predigen im Rahmen von Andachten die Theologin und Künstlerin Sybille Loew (22. Februar), der Geistliche Leiter der Kommende junger Malteser München Fra‘ Georg von Lengerke (1. März), der Leiter der Offenen Kirche St. Klara in Nürnberg Pater Ansgar Wiedenhaus SJ (8. März), Hildegard Aepli, Seelsorgerin der Dompfarrei St. Gallen (15. März) sowie die Beauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern für Hörfunk und Fernsehen beim Bayerischen Rundfunk Melitta Müller-Hansen (22. März). An den Freitagabenden während der Fastenzeit jeweils um 18 Uhr werden in St. Michael ökumenische Gottesdienste in der aus der anglikanischen Tradition stammenden liturgischen Form des „Choral Evensong“ gefeiert, Predigtimpulse tragen Gäste anderer Konfessionen bei, etwa die Ökumene-Beauftragte der Siebenten-Tags-Adventisten Pastorin Heidemarie Klingeberg (27. Februar), der evangelisch-lutherische Stadtdekan Bernhard Liess (13. März) und der alt-katholische Pfarrer von St. Willibrord Siegfried Thuringer (27. März). Nach den Vorabendmessen an den Samstagen der Fastenzeit wird von 19.30 Uhr bis 21 Uhr in St. Michael das Allerheiligste zur eucharistischen Anbetung ausgesetzt.

Die Kreuzweg-Bilderserie „LEMA“ der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánchez wird in der Fastenzeit in St. Korbinian in München-Sendling (Valleystraße 24) gezeigt. Der Titel bezieht sich auf die letzten Worte Jesu am Kreuz, als er aufschreit: „Eli, Eli, lema sabachthani?” Eröffnet wird die Ausstellung im Rahmen der morgendlichen Messe mit Aschekreuzauflegung am Aschermittwoch, 18. Februar, 9 Uhr. In einer „Kunst-Andacht spezial“ wird in St. Paul in München-Ludwigsvorstadt am ersten Fastensonntag, 22. Februar, 19.30 Uhr, das Projekt „Archiving the Universe“, das bis 4. April in der Kirche an der Theresienwiese mit mehreren Interventionen im Kirchenraum das Element „Staub“ betrachtet. In der Andacht wird ein Künstlergespräch mit Stefan Klein und den Kuratoren Erika Wäcker-Babnik und Stefan Graupner geführt, es werden Texte zu Staub und Improvisationen von Peter Gerhartz vorgetragen zur Soundinstallation von Ben Glas und Stefan Klein. Am selben Tag wird im Pfarrgottesdienst, der um 11 Uhr beginnt, eine Dialogpredigt von Ulrich Schäfert, Fachbereichsleiter der Kunstpastoral im Erzbischöflichen Ordinariat, und dem Künstler gehalten. Am Sonntag, 15. März, 19.30 Uhr, wird die „Kunst.Andacht“ zu „Archiving the Universe“ gefeiert mit Improvisationen von Andreas Höricht, Bratsche, und Peter Gerhartz, Tasteninstrumente, zur Soundinstallation von Ben Glas und Stefan Klein. Die Soundinstallation ist fortwährend über die gesamte Dauer der Ausstellung hörbar, ausgenommen während der Gottesdienste.

Das Dekanat München Nordwest bringt den Aschermittwoch mit dem „Aschenkreuz to go“ zu den Menschen. Direkt vor dem Einkaufszentrum Meile Moosach am Bunzlauer Platz sind am Aschermittwoch, 18. Februar, von 14 bis 16 Uhr Seelsorgerinnen, Seelsorger und Ehrenamtliche im Einsatz, die ein Aschenkreuz anbieten, „das nicht nur die Stirn, sondern auch die Seele berühren soll“, so Dekanatsreferent Johannes van Kruijsbergen.

 „7 Wochen WERTvoll“ heißt die diesjährige Online-Fastenaktion der Arbeitsgemeinschaft für katholische Familienbildung in Bonn, die sich an Paare und Familien mit Kindern im Grundschulalter richtet. Wöchentliche Briefe geben Anregungen für Partnerschaft und Familienleben und ermutigen zu Perspektivwechseln. Die Botschaften können kostenlos per Post, E-Mail oder als Link aufs Smartphone bezogen werden. Sie widmen sich Themen wie „Wie feiern wir unsere Unterschiede wertvoll?“ oder „Welche Momente machen unserer Zeit wertvoll?“. Die Anmeldung ist möglich unter www.7wochenaktion.de. Der bundesweite Ökumenische Jugendkreuzweg 2026 unter dem Titel „dahinter. tiefer sehen, weiter gehen“ will zu einem Perspektivwechsel aufrufen. Mehr Informationen unter www.jugendkreuzweg-online.de. In vielen Pfarreien besteht an den Kartagen die Möglichkeit zum Gebet vor dem Heiligen Grab. Eine Besichtigung ist zu den üblichen Kirchenöffnungszeiten möglich. Einen Überblick über Heilige Gräber im Erzbistum sowie einen virtuellen Rundgang mit Bildern und interaktiver Karte bietet die Internetseite www.heilige-graeber.de. Eine Liste der Online- und Offline-Angebote zur Fastenzeit in der Erzdiözese ist verfügbar unter www.erzbistum-muenchen.de/erwachsene/fastenzeit-202626. (glx)

Bericht: Erzbischöfliches Ordinariat – Foto: EOM / Robert Kiderle –  Die Kreuzweg-Bilderserie „LEMA“ der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánchez in St. Korbinian in München-Sendling

 



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Toni Hötzelsperger

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