Apfeldorf setzt auf Zukunft und der Ertrag bleibt in der Gemeinde
Die kleine oberbayerische Gemeinde Apfeldorf zeigt, wie die Energiewende auf dem Land gelingen kann. Mit großem Engagement und Unterstützung der Europäischen Union arbeitet die Kommune daran, sich künftig vollständig aus erneuerbaren Quellen zu versorgen – mit Innovationsbereitschaft und einem großen Schuss Hartnäckigkeit. Das Modellprojekt „Dorfmitte mit Zukunft: Nachhaltige Energie für Apfeldorf“ wird von der Städtebauförderung sowie durch Mittel des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert und gilt als Vorzeigeinitiative für kommunale Energiewende im ländlichen Raum.
Wir (Angelika Thauer und Fritz Lutzenberger) sprachen mit Bürgermeister Gerhard Schmid.
Apfeldorf hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Wann rechnen Sie damit, dass die Gemeinde tatsächlich energieautark ist – also Strom und Wärme vollständig selbst erzeugt?
Bilanzielle elektrische Autarkie haben wir erreicht.
Welche Bausteine beinhaltet Ihr Projekt?
Wir arbeiten an mehreren Projekten:
Die Freiflächen-PV-Anlage haben wir als GmbH & Co KG realisiert, die zu 50 Prozent den Bürgerinnen und Bürgern gehört.
In dem Projekt „Dorfmitte mit Zukunft“ haben wir für vier kommunale Gebäude, nämlich Kindergarten, Schule, Feuerwehrhaus und Dorfgemeinschaftshaus einen Energieverbund geschaffen, bei dem der Stromverbrauch nur über einen Zähler läuft. Ich habe keinen Sinn darin gesehen, dass wir über die PV-Anlage auf dem Feuerwehrhaus Strom produzieren und ins Netz einspeisen, während wir gleichzeitig in der Schule und im Kindergarten den höchsten Verbrauch haben. Über Wasser-Wasser-Wärmepumpen gewinnen wir aus dem Grundwasser sechs Grad Wärme für ein Wärmenetz, die sonst ungenutzt in den Lech fließen würde. Damit sparen wir im Jahr 50.000 Liter Heizöl.
Beim Projekt „Kuhl Energy“ geht es darum, im Ortsteil Apfeldorfhausen über Wärmetauscher ein Nahwärmenetz für 20 bis 30 Häuser mit den Milchleitungen eines Landwirts mit 120 Kühen zu koppeln. Parallel wird eine Erdwärmepumpe installiert, die anspringen soll, wenn die Wärme aus der Kuhmilch nicht ausreicht. Diese Wärme wird in einen Pufferspeicher eingespeist und über eine Wärmepumpe auf das erforderliche Temperaturniveau für das Wärmenetz gebracht. Der Strom dafür kommt aus unserer PV-Anlage.
Das Vorhaben wird im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative gefördert. Die Förderquote liegt bei 80 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben.
Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist bei solchen Projekten entscheidend. Gab es anfangs Bedenken oder Widerstände, und wie konnten Sie diese überwinden?
Natürlich hat es Diskussionen gegeben. Die sind auch sehr wichtig. Entscheidend war letztlich eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit im Gemeinderat, der voll hinter den Projekten steht. Natürlich haben wir auch alle Haushalte über unser Vorhaben informiert.
An der PV-Anlage konnten sich alle Bürger beteiligen. Natürlich erwarten sie sich daraus auch eine Rendite. Die Erträge kommen aber nicht nur den Bürgern zugute, auch die Gemeinde profitiert über die Steuereinnahmen.
Beim Dorfgemeinschaftshaus haben wir die Wünsche der Vereine aufgenommen. So fühlen sich die Menschen verstanden.
Mit unserem Energieverbund haben wir alle kommunalen Gebäude von fossiler Energie auf erneuerbare Energie umgestellt. Das hat maßgeblich zur Akzeptanz beigetragen.
Gerade kleinere Gemeinden kämpfen oft mit bürokratischen Hürden. Wir schaffen Sie überhaupt so ein Projekt? Welche Erfahrungen haben Sie mit Genehmigungen und Förderverfahren gemacht, und was würden Sie sich von der Politik wünschen?
Die Energieversorger, aber auch die Politik wollen solche kleinräumigen Projekte eigentlich nicht. Die denken in größeren Maßstäben. Die Gemeinden sollten aber keine Angst vor den Hürden haben und hartnäckig dranbleiben. Man muss es wirklich wollen und darf nicht aufgeben.
Energieautarkie erfordert auch Versorgungssicherheit. Wie gut ist Apfeldorf künftig gegen Krisen wie Stromausfälle oder Energieengpässe gewappnet?
Der überschüssige Strom der großen Freiflächen-Photovoltaikanlage wird derzeit noch komplett ins regionale Stromnetz eingespeist. Doch auch das soll sich bald ändern. Als nächste Schritte haben wir die Bauleitplanung für einen Batteriespeicher und einen großen Warmwasserspeicher geplant. Sie sollen das Projekt “energieautarkes Apfeldorf” bald komplettieren.
Wenn Sie einen Blick in die Zukunft werfen: Planen Sie, das Energieprojekt auch touristisch oder pädagogisch zu nutzen – etwa als Lernort für Schulen aus der Region?
An Schule und Kindergarten werde die Wärmeversorgung der Gebäude gleichzeitig zum Lernobjekt: “Das zeigt den Kindern gleich, wie man mit erneuerbaren Energien die Gebäude nutzen kann, und es ist ein praktisches Beispiel, dass das auch funktioniert”, meint Gerhard Schmid.
Bericht und Bilder: Fritz Lutzenberger, Redaktion Weiß-Blaue Rundschau




