Kultur

TS: Sinfoniekonzert des Musikkollegiums

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Restlos ausverkauft war der große Saal in der Aula der Berufsschule beim jüngsten sinfonischen Konzert des Musikkollegiums Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel. Organisiert von der Musikschule Traunstein als Veranstalter, übernahm die Begrüßung diesmal Walburg Mörtl-Körner als Stellvertreterin von Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer, die das Musikkollegium und seinen Leiter für ihre jahrzehntelange, unvergleichliche Bereicherung des Musiklebens in der Großen Kreisstadt würdigte.

Wieder war es Augustin Spiel gelungen, ein wunderschönes aufeinander abgestimmtes Programm auszuwählen und die Akteure des Orchesters genauso wie das Publikum dafür zu begeistern.

Den Anfang machte Franz Schuberts (1797 bis 1828) dritte Sinfonie in D-Dur , die der Komponist erst mit 18 Jahren innerhalb von neun Tagen geschrieben hatte, wenngleich das ganze Werk erst 1891 – lange nach seinem Tod – in London uraufgeführt wurde. In ihrer strahlenden Heiterkeit, Melodienfülle und ihrem Wiener Charme versetzte sie das Publikum sogleich in fröhliche, erwartungsfrohe Stimmung, zumal diesmal gleich die große Pause folgte.

Dann folgte das großartige Concerto pour harpe et orchestre von Francois-Adrien Boieldieu (1775 bis 1834) in vier Sätzen. Als Solistin an der Harfe brillierte „Lokalmatadorin“ Silke Aichhorn, er es immer wieder gelingt, bei uns oft vergessene Kompositionen für Harfe aus der Versenkung zu holen. Bei ihrem Spiel fasziniert ihr inspiriertes, meisterhaft virtuoses Spiel ebenso wie die unterschiedlichen Klangfarben, die sie der Harfe zu entlocken versteht. Wofür sie ihre Zuhörer lieben, ist auch ihre völlige Natürlichkeit ohne alle Divenallüren, die sie auch nach dem Stück und einer kleinen Zugabe selbst ihr Instrument zurück ins Orchester transportieren ließ.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war eine leider selten gespielte Musik, die in ihrer tänzerischen Fröhlichkeit eine Bereicherung der Musikliteratur darstellt, nämlich Charles Gounod`s (1818 bis 1893) Ballettmusik zur Oper „Faust“. Die Oper entstand 1859 als opera comique und schränkte sich im Wesentlichen auf die Liebesgeschichte zwischen Doktor Faustus und Gretchen. Zehn Jahre nach der Uraufführung schuf Gounod noch Orchesterrezitative und ein Ballett für den fünften Akt, wobei Mephisto Faust in sein Reich in der Walpurgisnacht führt:  Erstes dieser sieben Stücke, ein Allegretto, ist ein Walzer der nubischen Frauen, die als besonders schön und begehrenswert galten: musikalische Exzesse der Walpurgisnacht. Nach dem Adagio, „zur Gemütsberuhigung“, wie Gustl Spiel kommentierte, folgte der Danse antique, wieder ein Allegretto und Variations de Cleopatra als Moderato maestoso. Das letzte Stück ist der „Danse de Phrynè, einer Hetäre, die als schönste Frau Athens galt. Sie kam als Tochter von Epikles etwa 371 von Christus zur Welt, wobei sie erstmal als arme Kapernverkäuferin ihr Geld verdiente. Wegen ihrer Schönheit kam sie aber bald nach Athen und entwickelte sich dank ihrer Liebhaber zu einer reichen Frau. Gounod`s siebtes Ballettstück stellt das in vielen Mythen thematisierte Tribunal gegen Phrynè dar, die wegen „schamlosen Verhaltens“ angeklagt wurde. Um die Richter von ihrer Unschuld zu überzeugen, riss sie sich die Kleider vom Leib, so dass die Richter glaubten, die Göttin Aphrodite selbst zu sehen, so dass sie natürlich freigesprochen wurde.

Augustin Spiel versteht es immer wieder, eine gute Atmosphäre zu schaffen: Solisten wie auch die anderen Orchestermitglieder motiviert er mit kleinen Gesten oder nur Blicken so, dass er gleichsam das Beste aus ihnen herausholt. So durfte das Publikum wieder technisch versiertes und bestens aufeinander eingespieltes Orchester mit rund 40 Mitwirkenden aus der Region genießen. Reichhaltig bis ins letzte Detail war ihr Formenreichtum, ihre Koloristik und harmonische Wirkung, die das hoch konzentrierte Orchester des Musikkollegiums mit Schwung, Schönheit und Glanz spielte. Natürlich dauerten der jubelnde Applaus am Schluss des Konzerts, Bravorufe und stehende Ovationen lange.

Bericht und Fotos: Christiane Giesen 

Das Musikkollegium Traunstein unter der Leitung von Augustin Spiel, hier mit der Traunsteiner Harfenistin Silke Aichhorn in der ausverkauften Aula der Berufsschule.

Im Namen von Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer sprach Stellvertreterin Burgi Mörtl-Körner einführende Worte und überreichte Geschenke an Silke Aichhorn und Augustin Spiel.

 



Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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