Gaukler der Lüfte sind zurück Sichtungen von Kiebitzen bitte melden – Erfolgsfaktor für das Projekt Kiebitz-Schutz im Berchtesgadener Land
Der Kiebitz, auch liebevoll „Gaukler der Lüfte“ genannt, ist zurück in seinen Brutgebieten. Diese sind im Berchtesgadener Land, abgesehen von den Schutzgebieten, wie Ainringer Moos oder Haarmoos, Maisstoppeläcker oder frisch umgebrochene Felder in den Gemeinden Ainring, Saaldorf-Surheim, Laufen und Teisendorf. Die seit 30 Jahren stark zurückgegangene Kiebitz-Population zu erhalten oder besser, wieder zu vergrößern, ist seit 2024 das Anliegen des Projektes „Kiebitz-Schutz im Berchtesgadener Land“: Hierfür werden Kiebitz-Gelege abgesteckt und der Bruterfolg erfasst.
Früher war der Kiebitz auch im Berchtesgadener Land ein Allerweltsvogel, doch vor allem Lebensraumverlust hat in den letzten drei Jahrzehnten zu einem massiven Einbruch der Kiebitz-Bestände geführt. Außerhalb des Wiesenbrütergebiets Haarmoos brüten die Vögel nicht mehr wie einst kolonieartig in größeren Gruppen. Maximal 6 Brutpaare, meist deutlich weniger, sind noch auf einer Fläche in unmittelbarer Nähe zu finden. In Gemeinschaft zu brüten ist für die Kiebitze sehr wichtig, da sie sich bei der Abwehr von Prädatoren, also Fressfeinden, und beim Führen der Jungen unterstützen.
Als Watvogel verbringt der Kiebitz sein ganzes Leben in der Luft oder auf dem Boden. Nie findet man ihn sitzend auf Gehölzen, Zäunen oder Masten und er meidet zum Brüten Flächen mit solchen potenziellen Ansitzwarten für Prädatoren aus der Luft, etwa Greifvögeln. Kiebitze sind überdies sehr standorttreu: Sie kommen immer wieder auf dieselben Flächen zum Brüten. Dabei brauchen die Vögel neben einer guten Übersicht vor allem zwei Dinge, um es sich auf einer Fläche zum Brüten gemütlich zu machen: Feuchtigkeit und Rohboden. Hier in der Biosphärenregion sind dies außerhalb der Schutzgebiete vor allem Maisstoppeläckern oder frisch umgebrochene Felder. Dort legen die bodenbrütenden Vögel zwischen März und Mai vier bestens getarnte Eier in unauffällige, ausgepolsterte Mulden. Eine Strategie, die in unbewirtschafteten Mooren und auf einmahdigen Streuwiesen aufgeht, auf Ackerflächen jedoch denkbar ungünstig ist. Die Landwirtinnen und Landwirte haben kaum eine Chance, die Gelege zu entdecken und bei der Bewirtschaftung zu umfahren.
Und genau hier setzt das im Jahr 2024 initiierte Projekt „Kiebitz-Schutz im Berchtesgadener Land“ an. Nach Rücksprache mit den landwirtschaftlichen Betrieben werden die Flächen zum „Abstecken“ der Gelege betreten. Hierbei wird in der Reihe fünf Meter vor und nach dem Gelege ein dünner, aber gut sichtbarer Bambusstecken so platziert, dass die Bewirtschaftenden das Gelege linsenförmig aussparen können. Eine einfache, kostengünstige und nachweißlich effektive Methode, um die Gelege vor mechanischer Zerstörung zu schützen. Das Projekt ist ein gemeinsames Artenschutzprojekt der Biosphären-Verwaltungsstelle und des Landschaftspflegeverbands Biosphärenregion Berchtesgadener Land mit Unterstützung der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Berchtesgadener Land, des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz e.V. und der Wildlebensraumberatung am AELF Traunstein.
Getragen wird das Projekt von den vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die den Großteil des Monitorings auf den Flächen leisten. Sie werden geschult und koordiniert von den Schutzgebietsbetreuenden der Biosphären-Verwaltungsstelle und investieren von Mitte März bis Ende Juni viele Stunden in den Schutz des seltenen Vogels.
So startete das Projekt zum Kiebitz-Schutz 2024 mit neun betreuten Flächen, 26 geschlüpften Küken und 12 involvierten Landwirten. 2025 wuchs das Projekt auf 18 Flächen und 50 geschlüpfte Küken an. 30 Landwirtinnen und Landwirte sind inzwischen im Projekt involviert. Sie werden vom Landschaftspflegeverband beraten und unterstützt. Einige setzen derzeit lebensraumverbessernde Maßnahmen speziell für den Kiebitz um. Wie das gesamte Projekt ist auch die Zahl der Ehrenamtlichen von sechs im Jahr 2024, auf 17 im Jahr 2025 und 29 im Jahr 2026 stark gewachsen. Anfang Februar fand in den Räumlichkeiten der Verwaltungsstelle der Biosphärenregion Berchtesgadener Land eiWorkshop für die bereits aktiven Ehrenamtlichen und Interessierten statt, der sehr gut angenommen wurde. Neben allgemeinen Informationen zur Brutbiologie und dem Projekt ging es um die Altersbestimmung bei den Küken und Jungvögel sowie das Unterscheiden von Männchen und Weibchen. Mit der Ankunft der Kiebitze auf den Flächen werden nun vor allem die neuen Ehrenamtlichen im Kiebitz-Schutz auf „ihren“ Flächen praktisch geschult, denn es bedarf einiger Übung und Geduld, ein Gelege mit einem Fernglas auf einem Spektiv ausfindig zu machen. Mindestens einmal wöchentlich sind die fleißigen Ehrenamtlichen dann unterwegs, um nach ihren Kiebitzen zu schauen. Balzen sie noch? Oder sind sie schon stiller und heimlicher, so dass man eine Brut vermuten kann?
Um die Kiebitze im Berchtesgadener Land weiterhin gut unterstützen zu können, sind die Projektverantwortlichen auf die Mithilfe von Bevölkerung, Landwirten und Jägerschaft angewiesen. Bitte melden Sie Kiebitz-Sichtungen auf landwirtschaftlichen Flächen, idealerweise mit Anzahl der festgestellten Tiere und genauer Ortsangabe, an die Schutzgebietsbetreuenden der Biosphären-Verwaltungsstelle unter der Email: biosphaerenranger-bgl@reg-ob.bayern.de oder Tel: 08654 30946-26 oder an den Landschaftspflegeverband unter info@lpv-bgl.de oder Tel: 0151 20071765.
Mehr Hintergründe zur Biosphärenregion Berchtesgadener Land gibt es unter www.biosphaerenregion-bgl.de
Bericht: Regierung von Oberbayern – Foto 1: Offener Rohboden, wie hier auf einem Acker, zieht die Kiebitze im Frühling magisch an. (Copyright: Hans Klein)
Foto 2: Unscheinbar und gut getarnt. Ein typisches Kiebitz-Gelege besteht aus vier Eiern und liegt in einer wenig aufwendigen Nestmulde. Hier hat sich ein Stein eingeschlichen. (Copyright: Felicia Stauber)




