Das Mixngütl in Westerndorf – 100 Jahre Familie Wörlen – Schranner – Seits – Bei diesem Anwesen ist im Frasdorfer Höfebuch u. a. zu lesen:
„Der Hofname kommt vermutlich vom Schreibnamen Mix, der 1445 mit Veicht Müx nachweisbar ist“. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel und Grundstücksverkauf wurde das Anwesen am 5. Mai 1925 von Wörlen Ludwig, Bahninspektor i. R. aus Albersweiler bei Landau in der Pfalz, erworben und ist nun 100 Jahre im Besitz dieser Familie. 1989 ging das Gebäude an die Urenkeltochter Magdalene Schranner-Seits und deren Familie über.
Sie sind nun die 24. namentlich genannten Eigentümer. In oben genanntem Höfebuch ist auch zu lesen, dass das Haus 1790 wesentlich erneuert und zum Teil ganz neu gebaut wurde. Die Jahreszahl 1790 ist auch heute noch am Firstbaum zu lesen. Ebenso an einem reichlich verzierten Deckenbalken in der Wohnstube. Hier sind auch zusätzlich noch zwei Monogramme eingearbeitet. Die Aussenfassade ist schön gegliedert und der Balkon, die Wind- und Formbretter an den Pfetten, mit einem schönen Muster gestaltet, die Windbretter weiß eingefasst.
Die Fenster sind mit einer dezenten Wandmalerei bekrönt. Sie waren ursprünglich kleiner und anders platziert und gestaltet. Laut einer, von Kirchenmaler Klaus Kriechbaum erstellten Befunduntersuchung im Jahr 1990, gab es auch bei der originalen Fassadenmalerei eine Fensterumrandung. Über der Balkontüre prangt ein Schriftzug mit der Inschrift: „Haus St. Hubertus“ und darüber ist ein Hirschgeweih angebracht mit einem einfachen Holzkreuz zwischen den Geweihstangen. (Der hl. Hubertus ist der Schutzpatron der Jäger und Förster).
Dr. Georg Schranner, der Großvater der heutigen Besitzerin, schreibt in seiner von ihm 1967 – 1970 verfassten Haus Chronik, dass kurz nach dem Kauf des Anwesens der Vater des Käufers, der königliche Oberförster Julius Friedrich Wörlen, von Glan – Münchweiler, dieses neue Hirschgeweih anbringen ließ. Dessen Frau und deren Enkeltochter hießen Hubertine.
Das waren also Gründe genug, das Haus St. Hubertus zu nennen. Der Schriftzug am Haus wurde vom Maler Schraml angebracht. Dr. Georg Schranner erzählt in seiner Chronik auch eine nette Begebenheit über den alten Mix. Dieser war nicht nur Landwirt, sondern auch Jäger. Er war bei dem damaligen Aschauer Molkereibesitzer Zillibiller als Aufseher für die Bergjagd in Frasdorf angestellt. Laut Dr. Schranner streifte der Mix im Sommer oft etwas eigenartig durch die Wälder. Ohne Hut, aber mit Gewehr und Jagdglas und barfuß. Er schoß selten Wild, sondern war mehr Heger und Pfleger als Jäger. Besonders hervorzuheben ist auch die historische Haustüre des Gebäudes. Von ihr ist leider nichts überliefert. Aber Türstock und Türe haben ganz viel Ähnlichkeit mit den schon mehrmals beschriebenen Türen von Wolfgang Decker, Aigner Sohn von Zellboden. Zumindest ist sie in diesem Stil nachgefertigt. Die Tür ist prägend für das Haus und einladend für jeden Eintretenden.
Der obere Teil des Türstocks schließt mit einem schön geformten und verzierten Rundbogen ab. Die gläserne Oberlichte darunter, in früherer Zeit gedacht als Lichtquelle für den dahinterliegenden dunklen Hausgang, wird mit einem gekreuzten Schmiedeeisengitter geschützt. Das Türblatt ist in zwei Felder unterteilt und auf jedes ist ein Rahmen mit Reliefschnitzerei in einer nachempfundenen Rokokoform aufgesetzt. Laut dem Gutachten von Kirchenmaler Kriechbaum waren ursprünglich seitlich des Türrahmens je eine blaue Säule als Wandmalerei angebracht. Dieses sich gut einfügende Gebäude, das auch in der Denkmalliste aufgeführt ist, bildet einen schönen Abschluß am östlichen Rand des historischen Ortskerns von Westerndorf.
Beitrag von Hildegard und Franz Osterhammer
nach Angaben von Magdalene Schranner-Seits / Heimat- und Kulturverein Frasdorf: Höfebuch / Dr. Georg Schranner: Haus Chronik / Klaus Kriechbaum: Befunduntersuchung / Otto Wimmer: Kennzeichen und Attribute der Heiligen






