Am Freitag, 13. Februar wurde die aktuelle Ausstellung „Not nice girls“ mit Fotokunst der Sammlung SpallArt in der Galerie im Alten Rathaus feierlich eröffnet. Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage von dem virtuosen Geigenspiel zweier junger Mädchen:
Die 2025 mit dem Kulturförderpreis des Landkreises Rosenheim ausgezeichnete Clara Neidenberger konzertierte in harmonischer Weise mit Magdalena Trifellner – auf Wunsch der Kuratorin Ute Gladigau moderne Weisen. Das Publikum goutierte ihr Spiel mit einem frenetischen und langanhaltenden Applaus. „So fängt der Abend schön an“, zeigte sich der Erste Bürgermeister Andreas Friedrich begeistert – auch von dem überaus zahlreich erschienenen Publikum. Dabei dankte er der anwesenden Sammlerin Andra Spallart, die rund 2.700 Exponate jahrzehntelange zusammengestellt habe. Diese machten die Entwicklung der Fotokunst von 1930 bis zur Gegenwart in einer beeindruckenden Bandbreite sichtbar. Fotokunst sei über viele Jahre eine Disziplin gewesen, die von Männern dominiert worden sei. Er sei froh, dass diese Fotografinnen es geschafft hätten, sich durchzusetzen. Ihre Kunst lade zum genauen Hinschauen und Nachdenken an, was viele anregende Gespräche auslösen werde. Der Vorsitzende des Kulturfördervereins Georg Klampfleuthner sagte, mit der heutigen Fotoausstellung werde ein lang gehegter Wunsch wahr. Die Künstlerinnen, die nicht gefällig sein wollten, hätten mutig wie auch zerbrechlich ihren weiblichen Blick der Dinge festgehalten. Der Titel sei als Statement zu verstehen und verspreche Inspiration und Anreize. Die österreichische Sammlerin Andra Spallart, die von Wien nach Prien umgezogen ist, dankte der Kuratorin Ute Gladigau, die sich mit dem Projekt ein Jahr lang intensiv beschäftigt habe, sowie ihrem Mitarbeiter, dem Fotografen Christoph Fuchs, der für Umsetzung des begleitenden Katalogs sowie für die Plakate und Flyer verantwortlich und selbst in der Ausstellung vertreten sei.
Die Laudatorin Ute Gladigau berichtete, wie sie in dem Salzburger Depot aus dem großartigen Fotoschatz ihre Exponate „assoziativ und intuitiv“ ausgesucht und kombiniert habe. Gezeigt würden 220 Aufnahmen von 70 Künstlerinnen sowie – nach eingehender Auseinandersetzung mit dem Thema – auch von 46 Männern, die thematisch in den Räumen nach Porträt, Stillleben, Landschaft, Architektur und Akt zusammengestellt worden seien. Präsentiert würden Werke klassischer amerikanischer und europäischer Fotokunst sowie zeitgenössische Arbeiten vor allem von Künstlerinnen aus Österreich. Der Titel „Not nice Girls“ beziehe sich auf die selbstbewusste Haltung der Amerikanerin Berenice Abbott, die in den 30er Jahren in New York auch in gefährlichen Gegenden die Entwicklung der Weltstadt fotografisch dokumentiert habe, da „sie eine Fotografin sei und überall hingehe“, wie sie einem männlichen Kollegen geantwortet habe, als dieser sie warnte, dies sei nichts für „brave Mädchen“.
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts sei die Fotografie zu einem Medium geworden, dass Frauen erlaubt habe, ihre gesellschaftliche Stellung neu zu definieren. Mit der Studiofotografie hätten sie eine Möglichkeit gefunden, eine professionelle Karriere aufzubauen. Durch die technische Entwicklung sei es später gelungen, auch im Freien und spontan den Moment mit der Kamera festzuhalten. Dabei unterscheide sich die weibliche Sichtweise von der männlichen. Sie habe sich gefragt, ob man diese Unterschiede erkennen könne. Daher habe sie zum Teil Fotografien beider zu ähnlichen Motiven, formal oder inhaltlich, gegenübergestellt, damit ein spannungsgeladener Dialog entstehe und Gemeinsamkeiten und Differenzen sichtbar würden. Sie lud das Publikum ein, auf eine visuelle Reise zu gehen und zu rätseln, welche Fotografie von einem weiblichen oder männlichen Auge stamme. „Schauen Sie genau hin, damit sie in jedem Motiv die Geschichte erkennen, die entdeckt werden will“, schloss sie ihren informativen und überaus interessanten Vortrag, der Lust auf diese ungemein faszinierende Ausstellung gemacht hat. Galerie im Alten Rathaus, Alte Rathausstraße 22, Prien am Chiemsee, zu sehen noch bis 12. April.
Bericht: Petra Wagner | Text-Fabrik / Foto: Sheila Rock “Girl in Bath, London”, 1980er Sammlung SpallArt





