„Fassade“ ist die neue Ausstellung im Atelierfenster in Staudach-Egerndach betitelt, wo der Bildhauer Carsten Lewerentz jetzt eine neue Ausstellung zu seinem 2006 verstorbenen Künstlerkollegen, dem Maler Professor Ernst Haas, gestaltet hat. Haas lebte und arbeitete lange Jahre in Marquartstein, ist aber über Bayern hinaus weithin bekannt. Die sehenswerte Schau zeigt eine Vielzahl kleinerer und größerer Aquarelle und Ölbilder und gibt einen guten Eindruck vom Gesamtwerk des Malers.
Ernst Haas, am 10.September 1921 in Rothenburg ob der Tauber geboren, verbrachte seinen Ruhestand in Marquartstein, wo er vor 16 Jahren starb, aber bis kurz vor seinem Tod noch viel malte. Seine Frau, Sieglinde Haas, verwaltete bis vor wenigen Jahren den umfangreichen Nachlass ihres Mannes. Immer wieder wurden seine Bilder gerne in Galerien und Ausstellungen gezeigt, zum Beispiel regelmäßig im Exter-Haus in Übersee oder der Inselgalerie Gailer auf Frauenchiemsee. Das Hauptwerk des Malers wurde inzwischen in die Sammlung des Kunstmuseums Erlangen aufgenommen und wird dort betreut. Dank privater Leihgeber kann dennoch nochmal ein Querschnitt der farben- und lebensfrohen Bilder des Malers im Atelierfenster gezeigt werden.
Ernst Haas orientiert sich bei seinen Werken an der Realität, also realen Formen, aber wählte im Laufe seiner künstlerischen Entwicklung zunehmend den Weg der Abstraktion.
„Farbe ist Leben“
Bei Haas´ Werken fasziniert vor allem die Farbenpracht der Bilder. Gerne sagte er zu seiner Malerei „Farbe ist Leben“. Ob Aquarell oder Öl – die Gemälde strahlen eine starke Kraft und Energie aus, die dem souveränen Umgang mit der Farbe geschuldet ist. Bei Haas dominieren Landschaften und Architektur, wie abstrahierte Hütten, Häuser oder Gehöfte. Dabei malte der Künstler niemals vor Ort im Freien, sondern fertigte Skizzen an, die er im Atelier in Farbflächen und Linien sehr kreativ umsetzte. Nicht die realistische Wiedergabe einer bestimmten Landschaft war das Ziel, sondern der Eindruck, die ganz spezifische Stimmung des Augenblicks zu den unterschiedlichsten Tages- und Jahreszeiten.
Besonders eindrucksvoll sind auch die lediglich skizzierten Menschengestalten bei Ernst Haas. Durch die starke Abstraktion stellen sie keine Individuen dar, aber dennoch ganz deutlich bestimmte Typen. Die Bilder erscheinen stimmig und harmonisch in ihrem Gesamteindruck, denn der Bildaufbau ist immer konsequent horizontal oder vertikal durchgearbeitet.
Professor an der Uni Erlangen-Nürnberg
Ernst Haas legte am humanistischen Gymnasium das Abitur ab, musste dann vor dem Krieg zum Arbeitsdienst und begann im Herbst 1940 an der Technischen Hochschule in München sein Studium als Zeichenlehrer. Nach seinem Kriegseinsatz war er als freischaffender Maler tätig. 1947 besuchte er die Akademie in Nürnberg und war gleichzeitig jüngstes Mitglied der „Erlanger Freien Gruppe“, die zwischen 1948 und 1950 vielerorts Ausstellungen veranstaltete. 1952 nahm Haas sein Studium zum Kunsterzieher an der Hochschule der Bildenden Künste in München wieder auf und schloss als Jahrgangsbester ab. Von 1954 bis 1958 war er Lehrer und Heimerzieher am Staatlichen Landschulheim Marquartstein und lernte in dieser Zeit auch seine Frau Sieglinde, eine gebürtige Schlechingerin, kennen, mit der er einen Sohn bekam. Nach einer Zeit als Gymnasiallehrer in Erlangen wurde Haas als Fachvertreter für Kunst und Werkerziehung an die Pädagogische Hochschule Nürnberg berufen. 1980 erfolgte hier seine Ernennung zum Professor an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg.
Sicher von seinem Beruf als Lehrer geprägt, verstand es Haas gut, seine Bilder und seine Malweise zu kommentieren und den Betrachtern zu erklären. Einmal sagte er: „Es geht um das Erleben einer Landschaft oder des Menschen in der Landschaft mit Körper und Seele, mit Augen und Füßen: In frischer, klarer Luft, in Nebel, Regen, heißer Sonne, im Gegenlicht (in dem die Augen fast geblendet werden), im kühlen Schatten, im Wind und unter ziehenden Wolken spüre ich, dass ich lebe und mich des Lebens freuen kann in all seinen „Witterungen“ und oft kontrastierenden Stimmungen. …. Ich möchte erreichen, dass dem Betrachter meiner Bilder die Augen aufgehen für all die natürliche Schönheit, die uns immer noch umgibt. …“
Die schöne Ausstellung im Atelierfenster von Carsten Lewerentz ist bis 1. Mai zu besichtigen. Das Fenster ist in den Abendstunden beleuchtet. Die Besucher können ihre Eindrücke in das ausliegende Heftchen zu schreiben.
Bericht und Bilder: Christiane Giesen







