Zehn Jahre Fachdienst Asyl und Migration der Caritas in Stadt und Landkreis Rosenheim
Ein Jahrzehnt voller Engagement, Integration und gesellschaftlichem Zusammenhalt Der Fachdienst Asyl und Migration der Caritas blickt in diesem Jahr auf sein zehnjähriges Bestehen zurück– eine Zeit, in der sich der Dienst unter stetig wechselnden Rahmenbedingungen zu einer etablierten und vernetzten Anlaufstelle für Schutzsuchende, Ehrenamtliche und kommunale Partner entwickelt hat.
In den Jahren seit 2016 hat der Fachdienst viele Menschen auf ihrem Weg durch das komplexe Asyl- und Aufenthaltsverfahren begleitet. Die Herausforderungen waren groß. Ohne die breite Unterstützung der Zivilgesellschaft und das Engagement der Ehrenamtlichen wären diese nicht zu bewältigen gewesen. Die Helferkreise in den Gemeinden des Landkreises sind oft das Bindeglied zur Beratung und unterstützen mit Angeboten wie Sprachtreffs, internationalen Cafès oder Radlwerkstätten.
Bilanz einer anspruchsvollen Zeit
„Kein Tag war und ist wie der andere“, berichtet das Team des Fachdienstes. Häufige Änderungen im Asylrecht, neue Krisenherde weltweit und Ankunftszahlen in Wellenbewegungen machen flexible Reaktionen und eine kontinuierliche Weiterentwicklung notwendig. „Politik setzt die Rahmenbedingungen, wir dagegen sehen den einzelnen Menschen, den wir auf seinem Weg zu einem selbstbestimmten Leben bei uns in Deutschland unterstützen wollen.“, betont Wolfgang Ehrenlechner, Kreisgeschäftsführer der Caritas Zentren in Stadt und Landkreis Rosenheim. „Dies ist das Selbstverständnis der Caritas.“
Aktuell arbeiten 23 Mitarbeitende hauptberuflich im Fachdienst Asyl und Migration. Sie beraten Asylsuchende und MigrantInnen zu aufenthaltsrechtlichen Fragen, psychosozialen Anliegen, Bildung, Sprache, Arbeit und Gesundheit. Fast alle Geflüchteten der Region nutzen ein Beratungsangebot, dieses wird im Verbund mit den weiteren Wohlfahrtsverbänden Diakonie, BRK und AWO geleistet.
Petra Gäbelein, Fachdienstleitung Asyl und Migration Rosenheim fasst zusammen:
„Seit zehn Jahren arbeiten wir dafür, Menschen in schwierigen Lebenslagen Perspektiven zu geben. Die Krisen dieser Welt haben ständigen Einfluss auf das Beratungssetting, die Herausforderungen sind groß, unsere Arbeit hat sich dadurch professionalisiert.“
Ein Jahrzehnt gelebte Solidarität
„Flucht ist kein Ausnahmephänomen – sie ist Teil unserer Geschichte“, erinnert Gäbelein. Zahlreiche Familien in Deutschland tragen selbst Fluchterfahrungen aus früheren Generationen in sich – ein Blick, der Verständnis schafft und Parallelen sichtbar macht.
Die Historie und die menschliche Bedeutung von Fluchtgeschichten wird durch die Ausstellung “An(ge)kommen“ mit Vernissage am 26. Februar im Bildungswerk Rosenheim sichtbar: Verschiedene Fluchtbiografien von 1945 bis 2016 zeigen, wie individuell und doch ähnlich menschliche Erfahrungen von Verlust, Hoffnung und Neubeginn sein können und wie entscheidend ein gutes Ankommen für ein neues, selbstbestimmtes Leben ist.
Zugang zu Arbeit und somit zu Integration bleibt zu langsam
In ihrer bundesweiten Arbeit betont die Caritas seit Jahren, dass Integration nur gelingen kann, wenn Menschen zügig Zugang zu Sprache, Bildung und Arbeit erhalten.
Der Deutsche Caritasverband fordert daher Integration ab Tag 1, schnellere Verfahren und den frühzeitigen Zugang zu Deutschkursen und Arbeitsmarktangeboten.
Mindestens sechs Monate, durchschnittlich 15 Monate, dauert die Erteilung einer Arbeitserlaubnis. Diese Wartezeit wirkt sich auch auf die Motivation und die psychische Gesundheit aus, obwohl Integration vor allem dort stattfindet, wo man gemeinsam arbeitet, spricht und etwas schafft, so Ehrenlechner.
Engagement für Menschlichkeit und Rechtsstaatlichkeit
Der Fachdienst begegnet täglich den gesellschaftlichen Debatten rund um Migration. Während bundesweit migrationspolitische Diskussionen häufig von Begrenzung und Abschottung geprägt sind, erleben die Mitarbeitenden in der Praxis eine überwiegend unterstützende Bevölkerung: Das in sozialen Medien gezeichnete Bild einer generell ablehnenden Stimmung sei nicht deckungsgleich mit der Realität.
Erfolgsgeschichten, die bleiben
Anja Heubelhuber, eine Mitarbeiterin der „ersten Stunde“ berichtet, wie erfüllend es ist, KlientInnen über viele Jahre hinweg erfolgreich zu begleiten:
„Es freut mich, wenn ich heute Jugendliche treffe, deren Mütter ich schon vor zehn Jahren im Beisein von ihnen als Kleinstkindern beraten durfte. Heute sind es junge Erwachsene, die Auto fahren, einen Schulabschluss haben oder in der Ausbildung sind.
Solche Erfolgsgeschichten unterstreichen, was der Fachdienst leisten kann, wenn Menschen verlässlich begleitet werden. Dass die Beratungsbegleitung derzeit gesetzlich oft auf drei Jahre begrenzt ist, hält der Fachdienst für verbesserungswürdig – viele Verfahren dauern deutlich länger.
Blick nach vorn: Bürokratieabbau und bessere Rahmenbedingungen
Trotz aller Erfolge bleibt die Stimmung im Dienst optimistisch-realistisch: Voraussetzung sei, dass die Bürokratie reduziert würde, die Verfahren schneller werden und so die Integration durch schnellen Zugang zu Sprachangeboten und zum Arbeitsmarkt gefördert wird.
Wer die Arbeit des Fachdienstes kennenlernen möchte, hat in diesem Jahr viele Gelegenheiten dazu: Seminare und Filme laden zum Austausch ein, das aktuelle Programm findet man unter www.caritas-rosenheim-asyl.de
Bericht und Bildrechte: Caritas






