Nach Ansicht von Kardinal Reinhard Marx ist das „Zeugnis Pater Delps so aktuell wie eh und je“. Gerade „in diesen Zeiten, in denen völkischer Nationalismus, Hass, Krieg, Allmachtsfantasien um sich greifen, da soll er mit uns sein“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Montagabend, 2. Februar, im Münchner Liebfrauendom beim Gottesdienst zum Fest Darstellung des Herrn (Mariä Lichtmess), in dessen Rahmen der Kardinal das Seligsprechungsverfahren für Pater Alfred Delp SJ eröffnete.
Die Hinrichtung des Jesuitenpaters und Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus jährte sich an diesem Tag zum 81. Mal. Anlässlich der Eröffnung des Seligsprechungsprozesses hatte der Orden der Jesuiten Kardinal Marx den Primizkelch von Alfred Delp für die Feier der Messe zur Verfügung gestellt.
Marx warnte in seiner Predigt davor, „sich den Versuchungen der Macht hinzugeben und der Versuchung, über andere zu herrschen“. Der Kardinal kritisierte einen Freiheitsbegriff, der darin bestehe, sich über andere Menschen zu erheben: „Die Freiheit, die ohne Liebe auskommt, die nichts opfern will, ist keine echte Freiheit.“ Der Weg in die Freiheit, den Jesus aufzeige, führe dagegen über das Opfer der Liebe, so der Erzbischof. Dies habe sich auch in den letzten Gelübden gezeigt, die Delp als Jesuit im Gefängnis und an den Händen gefesselt abgelegt habe – und das, obwohl seine Verfolger ihm im Verhör angeboten hatten, ihn bei einem Austritt aus dem Orden freizulassen. „Diese Gelübde sind keine Unterwerfung, sondern ein Weg in die Freiheit.“ Mit Jesus an seiner Seite sei es Delp möglich gewesen, so Marx, während Folter, Verhör und Schauprozess seinen Verfolgern wie dem NS-Juristen Roland Freisler „ruhig, demütig und besonnen“ entgegenzutreten. „Wenn wir uns vorstellen, wie Delp und der geifernde, schreiende Freisler einander gegenübertreten – Freisler, kein Richter, sondern ein Vernichter, der die Jesuiten hasste“, dann ergebe sich aus diesem Bild „eine Ikone des 20. Jahrhunderts“, die den Ausweg aus einer Kultur von Hass und Gewalt aufzeige. Delp habe seinen Tod nicht als Hinrichtung betrachtet, sondern in der Nachfolge Christi als Opfer. „In dieser Interpretation wird aus seinem Tod ein Akt der Liebe.“ Den Vertretern der Gewalt, „den Stalins und Hitlers wird die Deutungsmacht entzogen“ und ein neues Wertesystem werde erkennbar, in dem „Demut, Liebe und Versöhnung“ die Richtung vorgeben würden, statt „Gewalt, Hass und Vergeltung“. Kardinal Marx rief die Gläubigen dazu auf, darum zu bitten, „dass der Seligsprechungsprozess reiche Frucht bringt. Für die Jesuiten, für die Gemeinschaft der Kirche, für die Welt und besonders auch für unser Vaterland.“
Delp, geboren am 15. Dezember 1907 und als Gymnasiast zum katholischen Glauben konvertiert, trat 1926 in den Jesuitenorden ein. 1939 wurde er Redakteur bei den „Stimmen der Zeit“, der Monatszeitschrift der Jesuiten in München. Im Frühjahr 1942 nahm er Kontakt auf zum „Kreisauer Kreis“ um Helmuth James Graf von Moltke. Anfang Juni 1944 hatte Delp noch Claus Graf von Stauffenberg in Bamberg besucht. Von dessen Verhaftung am 21. Juli, dem Tag nach dem Hitler-Attentat in der Wolfschanze, war er völlig überrascht. Sieben Tage später wurde Delp, der nach dem Verbot der „Stimmen der Zeit“ Kirchenrektor der kleinen Kirche St. Georg in München-Bogenhausen geworden war, verhaftet und des Hochverrats angeklagt. Seine Letzten Gelübde legte er, trotz Drohungen der Gestapo, am 8. Dezember 1944 im Gefängnis ab. Am 2. Januar 1945 wurde er im Alter von 37 Jahren hingerichtet. (fho)
Bericht und Bilder: Erzbischöfliches Ordinariat – EOM / Lennart Preiss






