Erstes Abo-Konzert der Philharmoniker „Made in America“ mit Dvoraks Cello-Konzert – Die Solistin ist zugleich Artist in Residence und Nationalrätin in der Schweiz
Bad Reichenhall. Im Magazin der Bad Reichenhaller Philharmoniker ist bereits ein Interview mit Estelle Revaz abgedruckt, das Einblick in ihr vielschichtiges Tun als Musikerin und Politikerin gibt. Die Heimatzeitung befragte sie darüber hinaus zu ihren Bezug zu Bad Reichenhall und zu den Philharmonikern, und dazu, wie sie Artist in Residence geworden ist. Im ersten Abo-Konzert der Philharmoniker am 6. Februar um 19:30 im Kurgastzentrum spielt sie das Cello-Konzert von Antonin Dvorak.
Guten Tag, Frau Revaz, Wie kam es dazu, dass Sie Artist in Residence wurden? Und welche Beziehung haben Sie zu Bad Reichenhall?
Estelle Revaz: Daniel Spaw und ich haben uns während unseres Studiums in Köln kennengelernt. Wir sind uns dann aus der Ferne gefolgt und jetzt kreuzen sich unsere Wege wieder. Danke an Daniel, dass er das möglich gemacht hat. Und so wird Bad Reichenhall für die nächsten Monate mein Zuhause sein.
Seit Oktober 2025 sind Sie Präsidentin des Dachverbandes Suisseculture, Sie sind Nationalrätin und Berufsmusikerin: Das klingt nach viel Arbeit. Wie bewältigen Sie das mit all der Zeit, die Sie für das Hin- und Her-Reisen benötigen? Was bedeutet das für Ihr Zeitmanagement?
E.R.: Ja, es ist viel Arbeit. Man braucht eine eiserne Organisation und viel Ausdauer. Man muss auch lernen, die verschiedenen Aktivitäten gut voneinander zu trennen. Aber heute habe ich ein Gleichgewicht gefunden, in dem ich mich mit Energie und Begeisterung für die Kultur engagieren und gleichzeitig meine internationale Karriere als Cellistin fortsetzen kann. Manchmal fehlt mir die Zeit zum Durchatmen, aber meine innere Oase der Ruhe finde ich heute in der Musik.
Welche Ziele haben Sie in diesem Jahr als Artist in Residence und für die Zukunft?
E.R.: Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um im Rahmen von Produktionen mit einer Solistin und einem Orchester menschliche und künstlerische Beziehungen aufzubauen. Ich war bereits an anderen Orten Artist in Residence und habe dabei Momente von großer menschlicher und musikalischer Qualität erlebt.
Im Abo-Konzert spielen Sie das Cello-Konzert von Dvorak. Was macht es für Sie so besonders? Das Motto des Abo-Konzerts is „Made in America“, und Dvorak verbrachte auch Zeit in Amerika, wovon seine Sinfonie „Aus der neuen Welt“ zeugt. Hat das etwas mit Ihrer Wahl seines Cello-Konzerts zu tun?
E.R.: Das Konzert von Dvorak ist zweifellos das Meisterwerk des Repertoires für Cello und Orchester. Es vermittelt eine Vielzahl von Emotionen… Die Sehnsucht nach der Heimat, als Dvorak in den Vereinigten Staaten war und sich weit entfernt von seinen Wurzeln fühlte. Und dann die der unmöglichen Liebe zu seiner Schwägerin, die starb, während er das Konzert komponierte. Dieses Lied der geheimen Liebe ist von seltener Intensität und bewegt mich jedes Mal aufs Neue
Und welche Konzerte planen Sie noch in Bad Reichenhall?
E.R.: Das Konzert in C-Dur von Joseph Haydn am 10. April zur Eröffnung der Mozarttage im Königlichen Kurhaus, das Doppelkonzert von Johannes Brahms, gemeinsam mit der Konzertmeisterin Chanelle Bednarczyk beim sechsten Abokonzert am 30. Oktober und ein Solo-Rezital voller Überraschungen im August.
Vielen Dank für Ihre Antworten.
Interview: Brigitte Janoschka
Zusatz-Information:
Das Programm „Artist in Residence“, das jeweils ein Jahr dauert, fördert die intensive, musikalische Zusammenarbeit mit herausragenden Künstlerinnen und Künstlern, gefördert durch die Unterstützung von Katja Nowak-Becker und Dr. Ralph Becker. In dieser Zusammenarbeit zwischen der Solistin bzw. dem Solisten und dem Orchester geht es auch um eine gegenseitige Inspiration. Die Vorteile für das Publikum bestehen darin, den „Artist“ durch mehrere Konzerte innerhalb eines Jahres näher und über den Bühnenrand hinaus kennenzulernen, beispielsweise bei verschiedenen Künstlergesprächen oder auch öffentlichen Workshops. Estelle Revaz ist seit der Neuaufnahme dieses Konzepts nach Charlotte Thiele, Joseph Moog und Pascal Deuber die vierte Künstlerin als Artist in Residence.
Fotos (HP Estelle Revaz): Estelle Revaz





