Einen Behördengang und Kunstgenuss – das kann jetzt im Rathaus in Mitterfelden miteinander verbunden werden. Sich Zeit zu nehmen, die Kunst zu genießen, auch losgelöst von anderen Notwendigkeiten, ist auf jeden Fall lohnend. Noch bis 14. Februar ist die Ausstellung zu sehen. Bürgermeister Martin Öttl eröffnete sie und gratulierte Anne Kahlen aus dem Wohnstift Mozart zu „der wunderbaren Zusammenstellung“.
Sie stellt Bilder aus, die großteils noch nicht bei ihrer ersten Ausstellung in der Seniorenresidenz (wir berichteten) zu sehen waren. Über die Entstehung ihrer Werke teilt sie auf einer Beschreibung im Erdgeschoss mit: Schon als Kind habe sie Bilder als Ausdruck ihrer Seele gemalt. Inspiration habe sie in Psychologie und Meditation gefunden. Ihrem Zitat „Bilder wirken auf uns mehr als Worte“ möchte man hinzufügen „Wer Augen hat zu sehen, der sehe“ – ein Wort in Anlehnung an die Aufforderung zum Hören in der Bibel deshalb, weil im ersten Stock ein Bild hängt, dessen unausgesprochener Titel „Der Weg ins Licht“ durch das spiralförmige Tunnel zu einem Engelwesen führt. Das ist Trost für das zurückbleibende, gebrochene Herz und die Träne. Ein ähnliches Thema zeigt „Gedanken an Ostern“. Bereitwillig erzählt die Künstlerin die berührende Geschichte, wie das Bild den Weg aus dem Sterbezimmer eines Krankenhauses, das schließen musste, zurück zu ihr gefunden hat. Wertvolle Kunst jeder Ausrichtung hat immer die Themen Liebe und Tod, bzw. Sterben zum Thema, sagt die Literaturwissenschaft.
Die Bilder von Anne Kahlen bieten zudem noch einen Blick hinter das Offensichtliche an: Wenn sie spirituelle Details oder übernatürliche Engelwesen in ihre Sternzeichenbilder (im Erdgeschoss) oder Blumenbilder einfügt, oft unmerklich und klein. Nur wer wirklich in Dialog mit den Malereien geht, wird Antworten finden. Die Botschaft scheint klar: Die Fortführung vieler Malereien über die Grenze hinweg bis auf den Passepartout mag eine Grenzüberschreitung symbolisieren, nicht nur ein Verlassen traditioneller Malideen. Oft ist eine Blüte in kräftiger Farbe im Mittelpunkt, von der über Stil und Blätter fein ziselierte Linien sich in neuen Formen und Symbolen, wie etwa Herzen wiederfinden. Oft erschließen sie sich erst beim genauen Betrachten – etwa bei einer Lilie, deren Blütenstempel sich als Engel entpuppt.
Die Bilder leben nicht nur, sie leben auf, besonders beim Zuhören, wenn Anne Kahlen die Entstehungsgeschichten dazu erzählt. Wer wüsste sonst, dass manches Bild nach einer Meditation entstanden ist? So nehmen die Bilder den Betrachter mit in eine andere Welt – über das Gegenständliche der Natur, die Blumen, den Bambus hinaus in etwas Geistiges, das sich finden lässt. Auch wer gedanklich in der Natur ohne weitere Höhenflüge bleiben möchte, wird sicherlich an den Malereien seine Freude haben und seine Lieblingsblume entdecken.
Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka
2620: Bürgermeister Martin Öttl gratuliert dem Ehepaar Prof. Hans und Anne Kahlen zu der hoch gelungenen Ausstellung im Rathaus, hier vor einem Bild, das nach einer Meditation entstanden ist.
5210: Die Künstlerin Anne Kahlen vor ihrem aussagekräftigen Bild “Der Weg ins Licht”, das in seiner Gesamtheit wie eine Blume anmutet.
5218: Dieses Bild ist nach einer Meditation entstanden.
5215: Blüten und Blätter führen in verschlungenen Linien weiter, als wollten sie die Tür zu einer anderen Welt öffnen.







