Die verspielte „Zauberflöte“ und Mozarts Apotheose – Premiere der Inszenierung von Rolando Villazón während der 70. Mozartwoche – Von Daniella Rieger-Böhm
Ein Gedanke, den Intendant, Sänger und Regisseur Rolando Villazón seit zwei Jahren mit sich trug: Wie verwebe ich erneut die Handlung der “Zauberflöte“ mit meiner Liebe zum Genie Wolfgang Amadeus Mozart? Er bringt beides parallel auf die Bühne – ein Experiment, das gelingen sollte. Die Neuinszenierung der meistgespielten Oper, die im Todesjahr des Meisters (1791), ihre Uraufführung im Freihaustheater in Wien feierte, vereint die Handlungsebene mit der Privatsphäre der Familie Mozart. Villazón wollte diesen Ausnahme-Komponisten an seinem 270.Geburtstag (geb. 27.01.1756) besonders würdigen, indem er Wolfgang Amadé Mozart auf der Bühne aufleben, sterben und wieder auferstehen lässt. Das entspricht auch dem Motto der diesjährigen Mozartwoche „Lux aeterna“ – das ewige Licht nach der Dunkelheit.
2023 sang der Star-Tenor an der Metropolitan Oper „Die Zauberflöte“ und hörte in dieser Zeit Mozarts Requiem, das er in seine Salzburger Inszenierung einfügt. Mit dem schmerzenden „Lacrimosa“ schwebt der Komponist im Finale entseelt gen Himmel, um plötzlich das Sterbehemd von sich zu werfen und im knallroten Gewand fröhlich-lebendig Kapriolen zu schlagen. Das Publikum tobte. Als dann noch Gummibälle durch den Saal flogen, war die Show perfekt.
Zwei Königinnen im ausverkauften Haus für Mozart
Ob der anwesenden Königin Silvia von Schweden diese Fete gefiel, bleibt ihr Geheimnis. Gewiss bewunderte sie, wie alle Besucher, die – im doppelten Sinne – höhensichere Königin der Nacht. Kathryn Lewek schleuderte aus fünf Metern Höhe die Spitzentöne (der höchste ein dreigestrichenes F) der Rache-Arie in den Raum, im imposanten Kleid, das dem Bühnenbild von Schinkel aus dem Jahre 1815 nachempfunden war. Das war einzigartig.
Die drei Damen der Königin (Alice Rossi, Štěpánka Pučálková, Noa Beinart) geben Prinz Tamino das Bild der verschwundenen Prinzessin Pamina (Emily Pogorelc), und er verliebt sich sofort. Die Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ singt Magnus Dietrich mit warm-timbrierten Tenorklang und ausgewogener Tessitura. Als Gefährten auf der Suche nach Pamina geben ihm die Damen den bunt-gefiederten Vogelfänger Papageno (Theodore Platt) mit. Beide landen, in Begleitung der drei (St. Florianer Sänger-) Knaben im Tempel von Sarastro (mit sonorer Bass-Stimme und einwandfreier Textverständlichkeit: Franz-Josef Selig), der Milde walten lässt, nicht nur gegenüber dem maliziösen Manostatos (so die von Mozart verwendete Schreibweise im Autograph), von Paul Schweinester mit Gewandtheit verkörpert, sondern auch bei Tamino, Papageno und Pamina.
Die Prüfungen, durch Feuer und Wasser zu gehen, bleiben in dieser Inszenierung unspektakulär, aber Tamino und Pamina bestehen diese, und so steht dem “happy end“ nichts im Wege. Auch Papageno bekommt eine Frau, die ebenso farbenfroh gekleidete Papagena (wunderbar: Tamara Ivaniš), und beide träumen von ihren „vielen kleinen Kinderlein“. Dirigent Roberto González-Monjas treibt sie im rasenden Tempo durch dieses berühmte Duett. Der Philharmonia Chor Wien und das Mozarteumorchester Salzburg sind bestens disponiert. Das verträumte Bühnenbild (Harald Thor), die verspielt schönen Kostüme (Tanja Hofmann), das Licht (Stefan Bolliger) und die ästhetischen Videoeinspielungen (Roland Horvath) bilden eine symbiotische Einheit, die in eine historisierende Phantasiewelt entführt. Stets mit dabei: der Meister selbst: W. A. Mozart (pantomimisch und akrobatisch: Vitus Denifl) und seine Frau Constanze (Victoria D’Agostino). Diese umsorgt ihn bis zum Schluss, sammelt nach seinem Tod die Notenblätter ein, um sein Vermächtnis zu wahren, und jubelt ihm bei seiner Auferstehung zu, wie das Publikum im ausverkauften Festspielhaus.
Text: Daniella Rieger-Böhm – Fotos: Mozartwoche
1) Kathryn Lewek als Königin der Nacht singt die Rache-Arie im imposanten Kleid, angelehnt an das Bühnenbild von Schinkel aus dem Jahre 1815 (c_Werner-Kmetitsch)
2) Königin Silvia von Schweden (2.v.r.), begleitet vom Präsidenten der Mozarteum Stiftung, Johannes Honsig-Erlenburg mit Gattin Anna und Beate Middleschulte (1.v.r.) (c_Franz Neumayr)
3) Rolando Villazón mit dem gesamten Team beim Abschlussapplaus (c_Daniella Rieger-Böhm)
4) v.l.n.r.: Die drei Damen, Mozart, die Königin der Nacht und Tamino
5) v.l.n.r.: Papagena, drei Knaben, der todkranke Mozart und Papageno







