Eine Münchner Hauptkommissarin wird im Urlaub im Schwarzwald in einen alten und einen neuen Mordfall hineingezogen.
Die Münchner Hauptkommissarin Jana Vecera macht Urlaub bei einer Freundin in dem kleinen, fiktiven Städtchen Stopfingen nahe dem Tüllinger Berg. Bei der Kriminalpolizei München leitet sie ein Ermittlungsteam im Bereich Gewaltdelikte. Mord und Totschlag Die Hexen vom Tüllingergehören zu ihrem Alltag – doch nun sucht sie eigentlich Ruhe und Natur. Beim morgendlichen Joggen begleitet sie Melitta, der Hund ihrer Freundin. Am Waldrand beginnt die Hündin zu knurren und stürmt davon. Janas Rückrufe bleiben erfolglos, also joggt sie Melitta hinterher. Die Hündin ist stehen geblieben und verbellt etwas am Boden. Als Jana sich nähert, nimmt sie einen vertrauten Geruch wahr: Verwesung. Und tatsächlich entdeckt sie unter dem Laub eine menschliche Hand. Sie gehört zu einer Leiche, die offenbar rituell drapiert wurde – eine Inszenierung, die an eine „Hexen“-Darstellung erinnert. Der Leichenfund wirbelt im kleinen Dorf ordentlich Staub auf, denn genau an dieser Stelle wurden bereits zwei weitere Mordopfer entdeckt. Hat der Tote etwas mit den früheren Fällen zu tun? Oder soll der Ablageort die Polizei bewusst auf eine falsche Fährte führen? Und welche Rolle spielen die Haberer-Frauen, die im Dorf als „die Hexen vom Tüllinger“ verrufen sind? Der aktuelle Fall weist deutliche Parallelen zu zwei ungeklärten Tötungsdelikten auf, die etwa 30 und 60 Jahre zurückliegen und eine sehr ähnliche Vorgehensweise zeigen. Ehe Jana sich versieht, steckt sie mitten in den Mordermittlungen. Aus dem vermeintlichen Urlaub wird eine Cold-Case-Ermittlung, bei der sie inoffiziell mit dem offiziell zuständigen Kommissar aus Stopfingen zusammenarbeitet – der ihrer Einmischung anfangs alles andere als begeistert gegenübersteht. Doch mit ihrer Erfahrung und ihren guten Kontakten kann Jana wertvolle Impulse liefern. Gemeinsam tauchen sie tief ein in Dorfgeheimnisse, eine verdrängte NS-Vergangenheit, ein irrationales Hexenbild, alte Schuldverflechtungen und die „Geister“ der Vergangenheit, die in Stopfingen nie ganz zur Ruhe gekommen sind. Jana zwingt das Dorf, sich lange verdrängten Wahrheiten und kollektiver Schuld zu stellen.
Thomas Michael Glaw, ein in München lebender Schriftsteller (bekannt durch die Kriminalrat-Benedict-Schönheit-Reihe), versucht in seinem neuen Krimi, die gesellschaftlichen Dynamiken eines kleinen Ortes transparent zu machen. Gewalt und Action spielen dabei – ebenso wie die Spannung – eher eine untergeordnete Rolle. Stattdessen stehen die dominante Hauptfigur und der atmosphärisch stimmig gezeichnete Schauplatz im Vordergrund. Alles in allem ein unterhaltsamer, unkomplizierter Regionalkrimi mit viel Lokalkolorit: kurz, knapp, authentisch und mit einem guten Schuss Humor – angenehm zu lesen.
Buchprofile-Rezension von Günther Freund
Glaw, Thomas Michael , Die Hexen vom Tüllinger, Kriminalroman, 175 S., 14,50 €
ISBN/EAN: 9783947724611



