Kirche

Evangelische im Achental ohne Pfarrer

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Pfarrer Rainer Maier verlässt das Achental

Evangelische Gemeinden im Achental müssen sich neu aufstellen

Vor 14 Jahren, am 1. März 2012, führte Dekan Peter Bertram den evangelischen Pfarrer Rainer Maier in der Erlöserkirche Marquartstein in sein Amt neu ein. Maier war Nachfolger von Pfarrer Ekkehard Purrer, der die Stelle fast 25 Jahre innen hatte. Erst kürzlich wurde bekannt, dass Rainer Maier aus familiären Gründen demnächst das Achental verlassen wird und an eine seit langem vakant gewordene dritte Pfarrstelle in Nürnberg Reichelsdorf wechselt.

„Ich brauche einen Neuanfang“, erklärte Pfarrer Maier bei dem gut besuchten „Evangelisch am Nachmittag“, einem seit Jahrzehnten bestehenden Kreis der evangelischen Kirche Marquartstein, bei dem vor allem Senioren sich im Gemeindezentrum regelmäßig treffen. Bei vielen war die Bestürzung groß, als Rainer Maier im Zusammenhang mit seiner Erläuterung über die diesjährige Jahreslosung „Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) auch über seinen Abschied informierte.

Auch er selbst habe vor nicht langer Zeit erst nach Besprechungen mit dem Dekanat in Traunstein den Entschluss gefasst, nochmal anderswo neu anzufangen, sieben Jahre vor seiner Pensionierung.

Schwierige Entscheidung

Die Entscheidung sei sehr zwiespältig für ihn gewesen, da er eigentlich bis zur Pensionierung in Marquartstein bleiben wollte, wo es ihm aus vielen Gründen sehr gut gefalle, so Maier. Im Achental sei „eine sehr lebendige, tolle Gemeinde“, wo er immer viele positive Rückmeldungen bekommen habe. Auch die Zusammenarbeit mit den kirchlichen Mitarbeitern und Kollegen auch von der katholischen Gemeinde sei sehr gut gewesen.

Seit kurzem aber lebe er allein in dem riesigen Pfarrhaus, da seine Frau kürzlich ausgezogen sei und die fünf, heute erwachsenen Kinder nicht mehr zu Hause wohnen. Im Ruhestand hätte er sowieso wieder zurück nach Nürnberg gewollt, so Maier, wo ein Großteil seiner Familie, Söhne, Enkel und seine Eltern wohnen. Auch Dekan Bertram habe ihm geraten, wenn überhaupt, dann zum jetzigen Zeitpunkt zu wechseln, denn später habe eine neue Stelle so kurz  vor der Pensionierung keinen Sinn mehr.

Heimat in Nürnberg

Pfarrer Rainer Maier wurde 1965 in Nürnberg als zweiter von drei Brüdern geboren, wo er auch aufwuchs. Nach dem Studium der Theologie in Erlangen war er zweieinhalb Jahre Vikar in Alzenau bei Aschaffenburg, kurze Zeit in Kempten und dann fünfeinhalb Jahre Pfarrer in Velden an der Vils, wo er auch als Dekanatsjugendpfarrer tätig war, bevor er nach Traunreut wechselte, wo er sieben Jahre Pfarrer war. Mit seiner Frau Christine und den zwei jüngsten Kindern wohnte Maier dann zunächst in einer großen Wohnung in Marquartstein, bevor die Familie nach der Renovierung im Herbst 2013 das stattliche evangelische Pfarrhaus an der Loitshauser Straße bezog.

Das Pfarrhaus aus dem Jahr 1911 wurde 1951 mit 4400 Quadratmetern Grund von der evangelischen Kirche erworben. Auf dem Grund entstand bis 1958 die neue evangelische Erlöserkirche. Das Pfarrhaus, das seit dieser Zeit von den amtierenden Pfarrern mit ihren Familien bewohnt wird, musste 2013 grundlegend energetisch saniert werden. Jetzt gibt es interne Überlegungen innerhalb des Dekanats und der evangelischen Kirche, das große Haus zu verkaufen und den Erlös für notwendige Renovierungsarbeiten an Kirche und Gemeindezentrum zu verwenden. Das Pfarrhaus ist auf drei Stockwerken 213 Quadratmeter groß und mit einer Kubatur von 1260 Kubikmetern, doppelt so viel wie ein Einfamilienhaus. Schon 2012 wurde im Vorfeld auch mit der Landeskirche ein Verkauf diskutiert, aber der Kirchenvorstand stellte sich entschieden dagegen, um die Gemeindewiese als Raum für Kinder, Begegnung und Feste zu erhalten.

Wie geht es weiter?

Wie geht es mit der evangelischen Gemeinde im Achental weiter?

Dekan Peter Bertram erklärte im Gespräch mit der Berichterstatterin, dass sich in vielen Gemeinden, den evangelischen wie den katholischen, die Rahmenbedingungen, besonders die personellen, entscheidend verändert haben. Die Landeskirche müsse über den Bestand an Immobilien entscheiden, auch weil der Unterhalt viel Geld koste. In Marquartstein würden die Aufgaben der Pfarrer vorübergehend auf jeden Fall von dem Pfarrerehepaar aus Ruhpolding, Claudia und Andreas Buchner, sowie Ruhestandspfarrern übernommen werden. Bertram war sicher, dass die Versorgung gewährleistet werden könne, auch dank der vielen engagierten ehrenamtlichen Helfer.

Auch bei „Evangelisch am Nachmittag“ sprach Pfarrer Maier darüber, wie es nun weitergehen könne. Nachdem die langjährige Pfarramtssekretärin Beate Sachs krankheitsbedingt länger ausfalle, werde nun neu Anette Faber in die Aufgaben eingearbeitet. Barbara Döring habe zusätzlich vor allem die verwaltungstechnischen, finanziellen Aufgaben übernommen. Da auch Diakon Michael Soergel vor wenigen Wochen auf eine Stelle nach Traunstein wechselte, wird die Achental-Tafel nun von Jürgen Branz organisiert, das begehrte „Essen auf Rädern“ der Diakonie wird über das Pfarrbüro organisiert.

Offiziell verabschiedet wird Pfarrer Rainer Maier am Sonntag, 22. Februar, in der Erlöserkirche in Marquartstein.

Bericht und Fotos: gi/Christiane Giesen


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Toni Hötzelsperger

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