Farbintensiv, eindrucksvoll und von besonderer Außergewöhnlichkeit waren am Abend des 19. Januar Polarlichter auch im Chiemgau zu sehen.

Samerberg – Es war eine dieser Nächte, in denen aus einem vertrauten Aussichtspunkt plötzlich ein Platz zum Staunen wird: Am späten Abend leuchteten über dem Samerberg Polarlichter in intensiven Rot- und Grüntönen. Über dem Nordhorizont lagen rötliche Schleier wie Vorhänge, darunter spannte sich ein breites grünes Band – deutlich mit bloßem Auge sichtbar. Viele Einheimische hielten das Naturschauspiel spontan mit dem Mobiltelefon fest.

Blick ins Rosenheimer Land

Für Fotograf und Berichterstatter Rainer Nitzsche war es nach eigener Aussage das erste Mal, Polarlichter am Samerberg zu sehen – und dann gleich in einer Wucht, die auch erfahrene Beobachter überraschte. Der Impuls kam dabei aus der Region: Ab etwa 21.30 Uhr zeigten bereits die Aufnahmen einer Webcam auf der Hochries (Blickrichtung Norden) auffällige Strukturen. Freunde machten per WhatsApp darauf aufmerksam – und weil Nitzsche in unmittelbarer Nähe wohnt, fiel die Entscheidung schnell: Kamera packen, zur Aussichtskapelle an der Luipoldeiche.

Binnen kurzer Zeit sprach sich das Schauspiel herum: Dutzende Fotografen trafen an der Aussichtskapelle ein, bauten Stative auf und richteten die Kameras nach Norden. Wo sonst nachts Ruhe herrscht, entstand ein spontaner Treffpunkt – geprägt von Begeisterung und ungläubigen Blicken nach oben, weil sich die Lichtbögen sichtbar veränderten und neue Flächen aufglühten.

Polarlichter über dem Samerberg: Rot-grünes Himmelsspektakel an der Aussichtskapelle

Einordnung: Was wie ein Naturwunder aus Skandinavien wirkte, hatte einen klaren Hintergrund im ‚Weltraumwetter‘. Der Deutsche Wetterdienst sprach von einem geomagnetischen Sonnensturm; wegen der Stärke seien Polarlichter in der Nacht bis in die Alpen sichtbar gewesen. (ZDFheute) Die US-Behörde NOAA stufte die Lage als G4 (Severe) ein. NOAA meldete, dass G4 am 19. Januar um 19:38 UTC (20:38 Uhr MEZ) mit dem Eintreffen der CME-Schockfront erreicht wurde. (NOAA Space Weather Prediction Center) In der oberen Atmosphäre regen die geladenen Teilchen Luftmoleküle zum Leuchten an; je nach Höhe und Gas entstehen dabei vor allem Grün und Rot. (ZDFheute) Bei Stürmen dieser Stärke sind laut NOAA grundsätzlich auch Auswirkungen auf Satelliten- und Navigationssysteme möglich – für die meisten Menschen blieb es in dieser Nacht aber vor allem ein spektakuläres Himmelsschauspiel. (NOAA Space Weather Prediction Center)

Polarlichter über dem Samerberg: Rot-grünes Himmelsspektakel an der Aussichtskapelle

Die Fotos entstanden mit Belichtungszeiten zwischen 12 und 24 Sekunden. Solche Langzeitbelichtungen können Farben zusätzlich betonen – entscheidend bleibt jedoch: Dieses Ereignis war so intensiv, dass es vor Ort ohne Technik eindrucksvoll wirkte. Unter den farbigen Bögen glitzerten die Lichter des Rosenheimer Lands, in der Ferne setzte Rosenheim einen hellen Maßstab am Horizont – darüber ein Himmel, der am Samerberg nur selten so leuchtet.

Fotos: Rainer Nitzsche

 

 

 

 

 

 


Redaktion

Rainer Nitzsche

Als Webseiten-Entwickler bin ich für die Gestaltung und den technischen Betrieb dieser Plattform verantwortlich und versuche, die Seite ständig aktuell und zeitgemäß zu halten.

Als Reportage-Fotograf möchte ich mit wenigen Bildern wiedergeben, was als geschriebener Text vielleicht Bände füllen würde. Es geht um Ereignisberichte in Bildern. Es gilt, schrittweise und in den richtigen Momenten Entwicklung und Ablauf von Ereignissen festzuhalten, die schließlich in einem Höhepunkt gipfeln. Das bedeutet, meine Fotografien sind sehr oft weniger formell und zeigen den Charakter der Menschen eher in einer pose-freien, authentischen Weise, die nicht inszeniert ist.
Mehr Fotos finden Sie auch auf meiner Webseite unter www.rainernitzsche.de

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