Kultur

Salzburg: „Female Symphonic Orchestra“

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Das erste europäische Damenorchester wurde wohl Ende der 1860er Jahre in Wien von Josephine Weinlich (1848-1887) gegründet. Ein Werk dieser Pianistin, Violinistin und Komponistin konnte man erst kürzlich beim Wiener Neujahrskonzert hören: die Polka „Sirenen Lieder“. Weinlichs ausschließlich aus Musikerinnen bestehendes „Wiener Damenorchester“ gilt als Vorbild für viele „reine“ Frauen-Orchester.

Einer der jüngsten Klangkörper in dieser Tradition ist das seit 2019 bestehende „Female Symphonic Orchestra Austria“. Gründerin ist die aus Palermo stammende und seit Jahren in Salzburg ansässige Silvia Spinnato. Mit Leidenschaft widmet sich die ausgebildete Pianistin, Sängerin und Dirigentin der (Wieder-) Entdeckung von Werken vergessener Komponistinnen und bringt sie mit ihrem „Female Symphonic Orchestra“ zur Aufführung.

Eine dieser entdeckungswürdigen Meisterinnen ist Mathilde Kralik von Meyerswalden, 1857 in Linz geboren und 1944 in Wien verstorben. Dass Anton Bruckner einer ihrer Kompositionslehrer war, hört man ihrer „Hymnischen Symphonie in F“ durchaus an. Die 2021 im Großen Saal des Linzer Brucknerhauses entstandene Live-Aufnahme (es war gleichzeitig die Uraufführung dieses Werks) bildet den Kern des gegen Ende des vergangenen Jahres erschienenen Debüt-Albums. Es ist ein monumentales Werk im spätromantischen Stil, mit mächtigen Streicher- und Bläsersätzen, Schlagwerk und Orgel. Eine einzige Frauenstimme steht diesem gewaltigen Klangapparat gegenüber. Für die Uraufführung in Linz konnte die US-Amerikanerin Jacquelyn Wagner gewonnen werden, die sich bereits auf großen Bühnen als dramatischer Sopran bewährt hat. Der Text zu Mathilde Kraliks „Hymnischer Symphonie“ stammt von der Komponistin selbst. Die heute etwas pathetisch anmutenden Worte sind, ähnlich wie bei Bruckner, von geradezu mystischer Frömmigkeit beseelt, drücken aber gleichzeitig eine tiefe, zeitlose Friedenssehnsucht aus. Die Aufnahme des renommierten Wiener Labels Gramola bringt Gesang, Text und symphonische Fülle dieses vierzigminütigen Werkes zur vollen Geltung.

Als Kontrapunkt dazu bietet das Album ein kammermusikalisches Werk von Mathilde Kralik: das Klaviertrio in F aus dem Jahr 1880. Chanelle Bednarczyk (Violine), Alba Hernandez Cárcamo (Violoncello) und Heghine Rapyan (Klavier) zelebrieren dieses filigrane Opus mit enormer Sensibilität und virtuoser Akkuratesse. Das kosmopolitisch zusammengesetzte Trio (die Musikerinnen stammen aus Polen, Spanien und Armenien) interpretiert – ebenfalls in einer Live-Aufnahme – dieses abwechslungsreiche Werk mit Verve, sodass man resümierend von einem hochqualitativen Live-Album sprechen kann. Es schließt nicht nur musikgeschichtlich eine Lücke, sondern bereitet wahrhaften Hörgenuss.

Bericht: Von Helmut Rieger  –  Mathilde Kralik von Meyerswalden: Hymnische Symphonie und Klaviertrio, Female Symphonic Orchestra Austria, Leitung: Silvia Spinnato, Label: Gramola (2025)

Weitere Informationen unter: www.fsoa.at

 

 


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Toni Hötzelsperger

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