Im wahrsten Sinne des Worts „Großer Bahnhof für die Wasserburger Schäffler“ vergangenen Freitagabend am Bahnhof in Pittenhart. Schon weit vor der angesagten Zeit fühlte sich der Platz um die wärmende Feuerschale im Freiglände und die Halle der Zimmerei Stöcklhuber mit sehr vielen Leuten, die ganz gespannt auf das Eintreffen der Wasserburger Schäfflertanzgruppe warteten, die von der Familie Stöcklhuber gebucht wurden.
Spannend wurde es, als die ersten Klänge des bayerischen Defiliermarsches zu hören waren und aus der Dunkelheit die Musiker der Stadtkapelle Wasserburg in der Bergländer-Straße auftauchten. Mit Klatschen der Zuschauer wurden die Musikanten und die dahinter schreitende Schäfflertanzgruppe begrüßt. Trost der frostigen Temperaturen herrschte eine fantastische Stimmung und große Begeisterung bei den rund 250 Leuten, als sie vom Kasperl der Tanzgruppe mit einem schwungvollen „Servus Pittenhart“ begrüßt wurden.
Beeindruckend, die in der Dunkelheit leuchtende Tracht der Schäffler, das satte Grün der Buchsbögen, die im Rhythmus geschwenkt wurden und vor allem die verschiedenen Schrittfolgen Figuren und Tänze. Diese Figuren haben verschiedene Bedeutungen, wie das „Durchtanze“ durch die eigenen Bögen als Sinnbild für die Überwindung der Pest gedeutet werden kann. Eine Art Neuanfang oder Reinigung soll damit dargestellt werden „Man tritt hindurch und lässt das Vergangene hinter sich“. Durch die Aufführung des Schäfflertanzes im selben Rhythmus erhoffte mach sich eine Art Gegengewicht zur Pest und ihr somit Einhalt zu gebieten, so ist es in der Legende auf ihrer Internetseite zu lesen.
Kaum vorstellbar, wie groß die Freude und Begeisterung bei der Bevölkerung 1517 gewesen sein mag, als nach überstandener Pest die ersten Schäffler sich wieder auf die Straße wagten und mit ihren Tänzen der Bevölkerung zeigten, dass zur Arbeit des Alltages auch eine wiedergewonnene Lebensfreude gehört, wenn heutzutage eine überschwappende Begeisterung bei den Zuschauern immer noch greifbar ist. Für Pittenhart eine Primäre, dass der Ort von den Wasserburger Schäfflern, die nur alle sieben Jahre unterwegs sind, besucht wird. Ein unvergesslicher Tag für die Tochter der Zimmerei Stöcklhuber, Anna Stöcklhuber, die an diesem Tag ihren neunten Geburtstag feiert. Stolz tanzte sie mit ihrem Papa zu den Klängen des Zillertaler Hochzeitsmarsches den Ehrentanz um Holzfass und den darauf stehenden Oberkasperl.
Die begleitenden Kasperln mischten sich unter die gut gelaunten Zuschauer und sammelten mit ihren Hüten Spenden ein. Für die Zuschauer ein sehr fröhlicher und beschwingter Abend, für den schon im Vorfeld feststand, dass der Erlös für einen sozialen Zweck in der Region gespendet wird. Was wäre näher, wenn dabei nicht an das verwaiste Geschwisterpaar aus der Gemeinde gedacht würde. Die Kinder, 16 und 12 Jahre alt, haben an Weihnachten ihre Mama verloren, nachdem im September 2016 auch ihr Vater tödlich verunglückte, stehen die Beiden neben der unbeschreiblichen Trauer, auch vor großen finanziellen Herausforderungen. Alles Geld was die Kasperl mit ihren Hütten gesammelt haben wanderte in die aufgestellte Spendenbox. Zusätzlich legten auch die Musiker und Tänzer privat noch den einen oder anderen Schein in die Box. Mit den Geldern der Zuschauer kam eine größere dreistellige Summe zusammen und wie Firmeninhaber Florian Stöcklhuber sagte, wird er die Summe, die den Geschwistern zu Gute kommt, noch großzügig aufrunden.
Für Alle, die diesen tollen Auftritt der Wasserburger Schäfflertanzgruppe und der Stadtkapelle Wasserburg am Inn nicht miterleben konnten, bietet sich am heuer in der nochmals eine Gelegenheit. Am Freitag, den 13. Februar 2026 – um 9.30 Uhr wird die Schäffler-Tanzgruppe zusammen mit der Stadtkapelle Wasserburg am Inn am Rathausplatz in Obing erwartet.
Bericht und Bilder: Emmy Künzner-Hingerl – Wasserburger Schäffler in Pittenhart









