Kultur

Nussknacker-Ballett in Berchtesgaden

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Berchtesgaden. Ein prunkvoller Weihnachtsabend mit Gästen, Tanz und Geschenken, der Patenonkel Drosselmeier, der hinter einem Paravent aufziehbare Puppenfiguren lebendig werden lässt und einen Nussknacker für Clara bzw. Marie (wie im Original von E.T.A. Hoffmann) dabei hat, der eifersüchtiger Bruder Fritz, der ihn Clara nicht gönnt – was zunächst wie die normale Geschichte einer gutbürgerlichen Familie wirkt, entwickelt sich zunächst zu einem Märchen, als der Nussknacker lebendig wird und siegreich gegen die Armee des Mäusekönigs kämpft. Später kann das Geschehen als poetische Initiations-Reise Claras gedeutet werden (worauf im Programmheft hingewiesen wird). Sie wird vom Prinzen, in den sich der Nussknacker verwandelte, zum Schloss der Zuckerfee mitgenommen. Dort zeigt er ihr die Vielfalt des Lebens, dargestellt durch die Tänze aus „aller Herren Länder“.

Das Besondere war, dass im AlpenCongress nicht nur ein hervorragendes Corps de ballet unter der Leitung von Helen Antsupova zu bewundern war, sondern auch ein Live-Orchester. In einem Dialog vollkommener Harmonie zwischen Orchestergraben vor der Bühne und Tanz auf der Bühne erweckten Tänzer und Musiker Peter Iljitsch Tschaikowskys Ballett zum sprühenden Leben.

Das „International Festival Ballet“ wandelte Tanz-Technik in Poesie des Tanzes und das „Festival Orchestra“ unter der Leitung von Normunds Vaicis aus Lettland schuf mit Musik große Gefühle zu Themen, wie Traum, Erlösung, Erwachsenwerden, Liebe und Freude. Perfekte Pirouetten-Variationen, Tanzakrobatik, Spagat- und Pirouettensprünge, sowie graziöse Hebefiguren, als handelte es sich um Federn – die Tänzerinnen und Tänzer ließen keine Wünsche offen und erzählten in der anmutigen Bewegung des Tanzes eine allgemein gültige Geschichte, mit der sich jeder identifizieren kann. Die bekannten Melodien des Nussknackers beschworen Assoziationen herauf, die ihre Bestätigung auf der Bühne fanden. Ob aufziehbare Spielzeugfiguren dargestellt wurden, die nach Ablauf der Spieluhr völlig steif von der Bühne getragen wurden, als wären sie leblos, ob die Soldaten des Mäusekönigs oder des Nussknackers aufmarschierten, ob die Tänzerinnen als Schneeflocken dahinschwebten oder in einem Pas de Six der Blumenwalzer getanzt wurde und die Klänge der Celesta die Zuckerfee begleiteten – es bedurfte keiner Worte, denn Bewegung, Körpersprache, Gestik und Mimik sprachen für sich.

Einbezogen in die Geschichte Klaras war die ganze Welt, symbolisch vertreten durch Tanzpaare aus Spanien, Arabien, China und Russland, die ihr Land tänzerisch und entsprechend kostümiert charakterisierten. Besonders eindrucksvoll war hier der arabische Tanz mit Anklang an 1001 Nacht. Auch die Natur, dargestellt durch den Tanz des Blumenwalzers und der Rohrflöten, nahm Anteil am Erwachen Klaras, der hier die Vielfalt der Welt vor Augen geführt wurde. Der Pas de Deux des Prinzen mit der Zuckerfee am Schluss zeigte alles, was großes Ballett zu bieten hat, einschließlich der Kunst, die Tanzpartnerin in ihrer Tanzbewegung aufzufangen und in die eigene Bewegung zu integrieren.

Das Aufwachen Claras am nächsten Morgen wird im Programmheft als Erwachen nach dem Kindheitstraum eher psychologisch gedeutet. Doch wie der Nussknacker inhaltlich auch interpretiert wird – das Eindrucksvollste war die Kunst im Tanz im Einklang mit der großartigen Musik. Das Publikum im vollbesetzten AlpenCongress war begeistert und spendete stürmischen Beifall.

Bericht und Fotos: Brigitte Janoschka

2390: Hinter dem Paravent zaubert Drosselmaier – anfangs mit Schnabelmaske – aufziehbare Figuren hervor, die eine Zeit lang lebendig sind.

2402: Am Weihnachtsabend schenkt Drosselmeier (rechts) seinem Patenkind Clara (2. von rechts) einen Nussknacker.

2427: Wunderbarer Pas de Deux im Reich der Zuckerfee

2451: Stürmischer Applaus für alle Tänzerinnen und Tänzer, Musikerinnen und Musiker, vor allem auch für den Chefdirigenten des Festivalorchesters, Normunds Vaicis

 


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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