Leitartikel

Ein Theater geht auf Wanderschaft

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Zur Mitfinanzierung der Landestagung 2027, die vom Allgäuer Gauverband in Scheidegg/Westallgäu ausgerichtet wird, hat sich die Vorstandschaft etwas besonders einfallen lassen: Sie schicken ein Theater auf Wanderschaft. Zu der Frage, was ein Wandertheater ist, hat sich Moni Zink mit Dieter Häringer (Brauchtumswart im Allgäuer Gau) unterhalten.

Der Ursprung kommt aus dem 18 Jahrhundert. Ein Wandertheater war der Gegensatz zum exklusiven Hoftheater, welches ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Das einfache Wandertheater sprach damals als Alternative das sogenannte gemeine, kleine Volk an. Ein breites Publikum konnte damit erreicht werden. Die einfachen Aufführungen mit mobilen Strukturen, wie z.B. Bretterbuden als Bühnen auf Marktplätzen oder im Freien begeisterten das Volk in Sachen Kunst und Unterhaltung. Die Kritik des Volkes an den täglichen Spielregeln des Alltages konnte so künstlerisch dargestellt werden.

In der heutigen Zeit, so heißt es, machen Tournee-Wandertheater nicht nur Theaterbegeisterten, sondern auch neuen Theaterfremden als Zielgruppe allen Alters Theater erlebbar. Die Bühne bewegt sich auf das Publikum als Urform des Theaters zu. Unter dem Gesichtspunkt von Nachhaltigkeit und kultureller Teilhabe aller Bürger kann dies auch ein Zukunftsmodell für das Theater darstellen. Theaterproduzenten, die keine feste Spielstätte bespielen, betreiben dieses Modell. Auch als soziale Kunstform wird das Wandertheater bezeichnet.

Das Theaterstück, welches nun auf Wanderschaft geht, heißt „Dorfentzug“ und ist eine lustige schwarze Komödie, die von Christian Ludwig Mayer geschrieben wurde. Er ist ein Allgäuer Pianist, Komponist, Multiinstrumentalist und Theaterautor. Mit seiner Familie lebt er in Oberdorf in der Gemeinde Waltenhofen. Bereits im Jahre 2023 wurde das Stück von der Theatergruppe vom Trachtenverein „Koppachtaler“ Altusried im Theaterkästle nach dreijähriger Verzögerung (wegen Corona) uraufgeführt. Damals wie heute führt Christian Ludwig Mayer die Regie. Auch dieses Mal werden die Hauptrollen und etwa 2/3 aller Akteure durch die Spielerschar des Trachtenverein „Koppachtaler“ Altusried verkörpert. Die restlichen Spieler kommen aus den umliegenden Trachtenvereinen und ergänzen, gestalten das Stück mit.

Die Kulissen für das Stück müssen an die Gegebenheiten der Spielorte angepasst werden: zwei verschiedenen Bühnenbilder auf einer Bühne wurden als transportfähige, faltbare Elemente extra angefertigt. An den jeweiligen vier Spielorten muss die vorhandene Bühne von der Größenordnung um- und angebaut werden, dass die eigens angefertigten Elemente darauf aufgestellt werden können. Die 19 Spieler können sich dann in den einzelnen Szenen sicher bewegen. Der Trend in unseren Dörfern widerspiegelt das Theaterstück: Das Wirtshaussterben geht weiter. Dorfwirtschaften sind zur Seltenheit geworden. Was nicht zum Sterne-Landgasthof taugt, wird zum Symbol sterbender Dorfgemeinschaften. An den Hauptstraßen der Dörfer finden sie sich nun, diese Zeugen ehemaliger Wirtshauskultur: meist leerstehend, verwahrlost und auf den Abriss wartend. Darunter viele geschichtsträchtige Baudenkmäler, die bestenfalls noch als Spekulationsobjekt taugen, in der Regel aber nur noch träumen können von Hochzeiten, Taufen, Vereinsfesten oder der sogenannten „schönen Leich`“ -Heimatverfall zum Zuschauen. Das Theaterstück „Dorfentzug“ stellt die Frage nach Heimat auf seine Weise, als Komödie die zum Nachdenken anregt.

Das Theaterstück geht auf Wirtshaustour, um ganz besondere Wirtschaften aufzusuchen, die als Dorfmittelpunkt weit mehr sind als gesichtslose Gastrobetriebe, und um gleichzeitig die Tradition der Wanderbühnen wieder zu beleben. Noch gibt es sie, die Stätten gelebter Dorfkultur. Wir sollten lernen, sie wieder wertzuschätzen. Wenn sie verschwinden, stirbt auch ein Stück Heimat. Meist unwiederbringlich.

Zum Inhalt des Stückes: Anton liebt sein Dorf und seine Leut’ über alles. Unermüdlich und voller Leidenschaft bereichert er das Dorfleben mit seinen zahlreichen Aktivitäten. Allmählich scheint ihm jedoch die Energie auszugehen. Als er bei seinem Jugendfreund, dem Bauunternehmer Fiedler, mit seiner heißgeliebten Trachtengruppe auftritt, kommt es zum Zusammenbruch. Er scheint von einer geheimnisvollen Krankheit befallen zu sein. Als der Dorfarzt dann noch eine erschreckende Diagnose stellt, versuchen Familie und Freunde alles, um sein Leiden zu mildern. Doch nichts scheint zu helfen, bis sich zwei hilfreiche Geister einstellen, um die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Können die beiden Anton noch retten?

Spieltermine 2026:

Freitag, 27.2./Samstag, 28.2./ Sonntag, 1.3.:Hirsch in Unterschwarzenberg

Freitag, 6.3./Samstag, 7.3./Sonntag, 8.3.: Hirsch in Vorderburg

Freitag, 13.3./ Samstag, 14.3./Sonntag, 15.3.: Bären in Nesselwang

Freitag, 20.3./Samstag, 21.3./ Sonntag, 22.3.:Adler in Grossholzleute

Spielbeginn Freitags und Samstags jeweils um 20 Uhr (Einlass in Saal 19 Uhr);Sonntags um 19 Uhr (Einlass in Saal 18 Uhr).Freie Platzwahl.

Karten: für alle Spielorte gibt es im VVK zu 17,- €zzgl. -,90 € Systemgebühr, zzgl. Vesandgebühr, Kartenbüro Altusried · Hauptstraße 18 · Telefon 08373/92200; Montag – Freitag 9.00 – 12.00 Uhr, Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag 16.00 – 18.00 Uhr, oder per E-Mail: info@kartenbuero-altusried.de. Online Kartenvorverkauf: https://shop.kartenbuero-altusried.de; Oder an der Abendkasse (bei Verfügbarkeit)

Bericht und Bilder: Moni Zink und Christian Ludwig Mayer, Oberer Lechgau


Redaktion

Toni Hötzelsperger

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