Hinweis: Mitfahrgelegenheiten in Bussen gibt es auf der Seite www.samerbergernachrichten.de / Grüne Woche.
100 Jahre werden es heuer, dass es in der Bundeshauptstadt Berlin eine sogenannte „Grüne Woche“ gibt. Diese Messe gilt seit 1926 als die traditionsreichste und besucherstärkste Berliner Messe und sie zählt zu den bekanntesten Veranstaltungen in Deutschland. Seit vielen Jahrzehnten ist auch der Freistaat Bayern mit seinen Produkten, mit seinem Brauchtum und mit seiner Lebensart mit dabei, heuer wieder mit einer eigenen Bayernhalle 22b auf dem Berliner Messegelände.
Zur Jubiläumsausstellung von Freitag, 16. Januar bis Sonntag, 25. Januar 2025 informiert die Messe Berlin mit beeindruckenden Zahlen: „Keine andere internationale Ausstellung mit direkter Einbindung von jährlich hunderttausenden Konsumenten fand häufiger in Deutschland statt als die Grüne Woche. Aus einer schlichten lokalen Warenbörse hat sich die weltgrößte Verbraucherschau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau entwickelt. Seit 1926 präsentierten sich über 104.800 Aussteller aus 130 Ländern über 34 Millionen Fach- und Privatbesuchern mit einem umfassenden Produktangebot aus allen Kontinenten“.
Bayern und Berliner können miteinander
„Nichts ist so heiß wie die Liebe zwischen Bayern und Preiss“ – frei nach diesem uralten Spruch aus Zeiten des beginnenden Fremdenverkehrs hat sich auf der Grünen Woche das Miteinander von Berlinern und Bayern zu einer wahren Freundschaft entwickelt. Bayerische Aussteller, voran das Bayerische Landwirtschaftsministerium als Koordinator waren schon früh auf der Grünen Woche vertreten. Lange Zeit mit Kollegen und Mitanbietern aus den weiteren deutschen Bundesländern in der sogenannten CMA-Halle.
Erinnerungen an die bayerischen Anfänge
Dazu erinnert sich der langjährige Verantwortliche aus dem Bayerischen Landwirtschaftsministerium Georg Hausl: „Eine Bündelung von Ausstellern auf der IGW durch das Bayerische Landwirtschaftsministerium gibt es voraussichtlich seit Anfang der 60er Jahre, noch 10 Jahre vor der Gründung der Centralen-Marketinggesellschaft (CMA) der deutschen Agrarwirtschaft mbH. Ab der Übernahme des Landwirtschaftsministeriums durch Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann war der Freistaat Bayern bei allen stattfindenden IGW-Messen vertreten, anfangs in der sogenannten Länderhalle, der „CMA-Halle 20“, zusammen mit anderen Bundesländern, die sich die Halle aufteilten. Zu CMA-Zeiten wurde doppelstöckig gebaut. Jedes Bundesland erhielt die gleiche Fläche, unten wurden die Leitprodukte der Regionen verkauft, oben die Gäste der Bundesländer bewirtet. Im bayerischen Stand repräsentieren sich jeweils eine Brauerei, eine Metzgerei, die Landesvereinigung der Bayerischen Milchwirtschaft eV, sowie eine Brennerei und eine Bäckerei. Höhepunkt für alle „Offiziellen“ war der Eröffnungstag sowie der bei den Ehrengästen sehr begehrte CMA-Empfang. Bei diesem Empfang durften die Bayern durchgehend die auftretenden Musikkapellen stellen. Das war eine große Ehre für die teilnehmenden Musikvereine und es gab auch eine ziemlich lange Warteliste dafür. Bereits beim offiziellen Messerundgang am ersten Messetag präsentierte sich Bayern, umrahmt von bayerischen Musikapellen in der sogenannten Ehrenhalle mit einer Attraktivität. War es der größte Käselaib oder die weltgrößte Kuhglocke oder auch die weltgrößte Schützenscheibe, mit diesen Attraktionen war ihnen der Presseerfolg gewiss und nicht selten waren sie am anderen Tag auf den Titelseiten der Presse zu finden. Ab Mitte der 80er Jahre zeigten sich die Anbieter der Interessensgemeinschaft Urlaub auf dem Bauernhof zusätzlich in Halle „Erlebnisbauernhof“. Nach der Auflösung der CMA im Jahr 2009 wurde der Gemeinschaftsauftritt in der Länderhalle 20 noch ein paar Jahre fortgeführt bis sich die Leitung des Ministeriums zu einem Auftritt in einer eigenen Halle entschlossen hat. Durch das Zusammenwirken mit dem Bayerischen Trachtenverband und dem Bayerischen Blasmusikverband, den Tourismusverbänden, dem Festwirt sowie allen Ausstellern und Dachverbänden wurde die Bayernhalle 22b zu einem Besuchermagnet, der seinesgleichen sucht“.
Seit jetzt 15 Jahren gibt es eine eigene Bayernhalle mit rund 45 bayerischen Ausstellern, mit einem Biergarten (der seither vom Samerberger Entenwirt aus dem Landkreis Rosenheim bewirtet wird) und mit einer lebhaft bespielten Bühne. Blasmusikanten, Tanz- und Schuhplattlergruppen, Alphornbläser, Goaßlschnalzer und Gesangsgruppen aus ganz Bayern wechseln sich zehn Tage lang ab. Rund 1.200 Mitwirkende kommen auf diese Weise zusammen, allesamt fahren sie auf eigene Kosten nach Berlin um Freude an Auftritten und neuen Kontakten sowie an der Stadt Berlin zu haben. Der Bayerische Trachtenverband ist dabei stark in die Vorbereitungen und in die Abläufe eingebunden. Auch heuer wird er wieder mit Ehrenkassier Walter Weinzierl und mit Landesschriftführerin Hildegard Hoffmann (und deren Ehepartner) einen eigenen Informationsstand inmitten der Bayernhalle betreuen. „Hier in der Berliner Bayernhalle treffen wir in kurzer Zeit mehr Brauchtums-Aktive und Verantwortungsträger aus Bayern, als es daheim möglich wäre“ – so das bisherige Resümee von den Betreuern des Informationsstandes, bei dem es viele aktuelle Termine sowie Einblicke in Literatur zu Trachten und Brauchtum gibt. Ebenso gibt es Neues und Bewährtes zum Rundfunkprogramm von BR Heimat. Weiters wird informiert über die großartige Jugendarbeit der Trachtenvereine sowie über Hersteller und Bezugsquellen für bayerisches Gwand (Dirndlschneiderinnen, Lederhosen-, Hut-, Schuhmacher usw.).
Bayernwochen auch außerhalb der Messe
Der große Auftritt der Bayern in der Bayernhalle (unter anderem auch mit einem Staatsempfang durch die Bayerische Staatsregierung mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder sowie mit Bayerns Landwirtschafts- und Tourismusministerin Michaela Kaniber) hat natürlich eine starke und positive Wirkung zugunsten für das Ferienland Bayern. Verstärkt wird diese noch dadurch, dass sich die Musikanten und Trachtler an den Abenden noch in verschiedenen Berliner Lokalitäten einfinden, auftreten und wieder werben. So gibt es seit vielen Jahren zwei „Bayernwochen“ mit viel Musik, Trachten und Tourismus-Informationen im Europa-Center am Kudamm sowie im Restaurant Maximilians in der Friedrichstraße in bester Freundschaft und Kooperation mit dem Verein der Bayern in Berlin, der im Jahr 2026 seinen 150. Geburtstag auf seinem eigenen Vereinsgelände feiern wird. „Berlin ist immer eine Reise wert, besonders zur Grünen Woche, da ist das Erlebnis besonders bayerisch“ – ganz nach diesem Motto machen sich wieder die bayerischen Musikanten und Trachtler auf den Weg. Nähere Auskünfte zu den Auftritten, zu evtl. kurzfristigen Mitfahrgelegenheiten und zu möglichen Reservierungen bei den Bayern-Abenden in den Berliner Lokalitäten gibt es beim Bayerischen Trachtenverband, Anton Hötzelsperger, Tel. 08051-3604 oder 0179-5021524 oder per mail anton-hoetzelsperger@t-online.de.
Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke und Erinnerungen von bayerischen Auftritten und Begegnungen bei der Grünen Woche in Berlin (siehe Bildunterschriften)
Zur Geschichte: Erste Grüne Woche beendete „wilden Handel“
Angefangen hatte alles mit Lodenmänteln. Als die deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) Ende des 19. Jahrhunderts ihre Wintertagungen in Berlin abhielt, bestimmten in auffälliger Weise eine Woche lang grüne Kleidungsstücke das Bild der Stadt. Handwerk und Industrie boten parallel dazu im Tagungsviertel auf offener Straße berufsspezifische Artikel und Verbrauchsgüter an. Als dieser wilde „Handel und Wandel“ immer stärkere Formen annahm, hatte der Landwirt Hans-Jürgen von Hake, seinerzeit Mitarbeiter im Berliner Fremdenverkehrsamt, die Idee, die Tagung 1926 erstmals mit einer landwirtschaftlichen Ausstellung am Kaiserdamm zu verknüpfen. Die „Grüne Woche“ – der Begriff stammte wohl von Journalisten – war geboren.






















































