Es braucht nicht immer Neuschnee, damit der Winter Eindruck macht. In den vergangenen Tagen hat sich der Samerberg in feuchter Kaltluft von einer besonders filigranen Seite gezeigt: Rauhreif legte sich über Zweige, Knospen und die ersten Kätzchen und baute daraus kleine Skulpturen aus Eis. Wo der Nebel stand und kaum ein Lüftchen ging, wuchsen an Ästen und feinen Trieben lange, nadelige Kristalle – wie stachelige Federn, die sich Schicht für Schicht anlagern.
Gerade im Detail wirkt dieses Naturphänomen spektakulär: An den Haselzweigen hängen die braunen Kätzchen, daneben sprießen weiße Eiskämme, die je nach Blickwinkel durchsichtig glitzern oder wie Watte wirken. Der Hintergrund verschwindet im weichen Grau des Winterlichts – und plötzlich wird aus einem unscheinbaren Strauch ein ganzes Winterbild. Die Aufnahmen zeigen, wie schnell die Natur ihre Formen wechselt: Was am Morgen noch sternförmig auskristallisiert, kann wenige Sonnenminuten später bereits wieder verschwunden sein.
Rauhreif entsteht, wenn unterkühlte Nebeltröpfchen auf kalte Oberflächen treffen und sofort gefrieren. Genau diese Mischung aus Feuchtigkeit, Frost und Ruhe macht die „Eisnadeln“ möglich – und erklärt zugleich, warum sie so empfindlich sind. Der Samerberg bietet dafür ideale Bedingungen: offene Flächen, Waldsäume und kleine Geländekanten, an denen sich Nebel hält und die Kälte stehen bleibt.
So zeigen die Rauhreif-Tage weniger „Winterwucht“ als Winterkunst: leise, zerbrechlich – und gerade deshalb so eindrücklich.
Fotos: Rainer Nitzsche













