Kultur

Solo-Freuden im Salzburger Festspielhaus

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Seinen Fünfzigsten begeht der Ausnahme-Trompeter Thomas Gansch erst am letzten Tag des Jahres, doch feiert er ihn im Vorfeld mit Auftritten quer durch die Alpenrepublik. Dem charismatischen Allrounder liegt die Zuhörerschaft zu Füßen. Benjamin Schmid, neuer künstlerischer Leiter der Salzburger Kulturvereinigung, nennt ihn in seiner Begrüßung ein „Phänomen“. Unter dem wortspielerischen Motto „Gansch schön groß“ zeigte Gansch im Festspielhaus sein Können als Solist, Komponist, Moderator und Sänger. Das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich, dirigiert von Wayne Marshall, rollte ihm dazu symphonisch den roten Teppich aus.

Neben Variationen über Franz Liszts „Liebestraum“, Filmmusik von Francis Lai („Plus fort que nous“) und Auszügen aus Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ brachte das Programm Kompositionen von Thomas Gansch: eine „Festliche Eröffnung“ im Barockstil, ein dreisätziges Trompetenkonzert und Stücke aus seiner Volksmusik-Suite „Alpen und Glühen“. „Der Schmäh muss immer mitrennen, sonst wär’s fad,“ kommentierte er vor kurzem in einer ORF-Sendung seine Art, Musik zu präsentieren. Der Schalk blitzt nicht nur aus seinen Augen, sondern auch aus dem Schalltrichter von Trompete und Flügelhorn. Witzig zitiert er aus Klassik und Jazz, in halsbrecherischem Tempo. Sein „Finale Grande“ (Untertitel „Geschichte der abendländischen Kunstmusik in drei Minuten“) mag für Puristen eine Provokation sein, bietet jedoch ein Kabinettstückchen auf höchstem Niveau: Bach, Mozart oder Tschaikowsky huschen um die Ecke. Dennoch kann (und will) Gansch nicht verbergen, dass er im Grunde ein Romantiker ist: Er baut wunderschöne Kantilenen und legt vor allem bei Balladen („Stardust“) melodienselige Soli über weiche Streicherklänge.

Alles passt: die Präzision des Zusammenspiels des Solisten mit dem Orchester, die Originalität der Arrangements (Johannes Berauer) und der Humor des aberwitzig virtuosen Thomas Gansch. Immer wirkt er charmant und locker, denn der Meistertrompeter ist auch ein begnadeter Entertainer. Wenn er im roten Dreiteiler auf die Bühne tänzelt, fliegen ihm die Sympathien des Publikums hörbar entgegen. Immer wieder aber geht er zur Seite, verweist auf Orchester und Dirigenten. Bei der ersten Zugabe, der Jazz-Ballade „Misty“, begleitet ihn Wayne Marshall einfühlsam am Flügel, bei der zweiten, einem Blues, zieht Gansch noch einmal alle Register, zitiert aus Gershwins „Rhapsody in Blue“ und Benatzkys „Weißem Rössl“. Da hält es niemanden mehr auf den Sitzen. Mit frenetischem Beifall bedanken sich die Besucher für einen höchst vergnüglichen, außergewöhnlichen Abend.

Text: Helmut Rieger  –  Fotos: Daniella Rieger-Böhm

Bild-Unterschriften:

  • Thomas Gansch spielt auf einer speziell für ihn angefertigten Trompete, dem „Ganschhorn“.
  • Auch die Zugabe musizierten Thomas Gansch und das Tonkünstler-Orchester Niederösterreich mit spürbarer Freude.

Redaktion

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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