Leitartikel

Ehrenabend der Gemeinde Neubeuern

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Der  Ehrenabend der Marktgemeinde Neubeuern: seit Jahrzehnten etwas Besonders, für viele Betroffene etwas Vertrautes, begleitende Hilfe in schweren Stunden, etwas was in Neubeuern zum Dorfleben gehört. Auch wenn es wie eine Selbstverständlichkeit wirkt, bedarf es der Hilfsbereitschaft, Organisation, Mitgefühl, zeitlichen Einsatz, zu oft ungewöhnlichen Stunden oder Witterungsverhältnissen.

Bürgermeister Christoph Schneider beschied bei dem Festabend zur Bürgerbriefverleihung Anerkennung und Dank, aber auch Freude diese miterleben zu dürfen. Die Marktgemeinde zeichnete die Beerdigungsmusik, die Klagefrauen, nicht abwertend, „Klageweiber“ genannt, und Frau Gundula Langer-Kochinke, jeweils mit dem Bürgerbrief aus. Zum Ausdruck bringt man damit die tiefe Verbundenheit, welches dieses Zusammenspiel prägt, die Wertschätzung in schweren Stunden, die Anerkennung. Die veränderten zeitlichen Gegebenheiten des täglichen Lebens, erschweren die Zusammenstellung einer Musikergruppe. Unabkömmlichkeit im Beruf, Arbeitsplätze außerhalb der Gemeinde, Witterungseinflüsse. Dennoch gelingt es meist, wenn dies von den Angehörigen gewünscht wird, die richtige Besetzung zu finden. Die starke Tradition zur örtlichen Blasmusik ist ein Grundbestandteil über viele Jahrzehnte. Korbinian Kammerloher, in früheren Jahren, sicher auch geprägt von seinen Eindrücken aus der Kriegszeit, Fritz Vornberger, Martin Fritz, auch Markus Leitner, brachten sich verantwortlich ein, wenn es galt eine „Truppe“ zu finden.

Dank galt hier auch den Handwerksbetrieben in der Gemeinde, welche einen Mitarbeiter schnell freistellten, wenn es pressierte. Fritz Vornberger, „wenn es sein musste wurde das Schlachthaus zugesperrt“, er und die Mitarbeiter die ebenfalls Musikanten waren gingen hinauf zum Friedhof, dann wurde wieder weitere gearbeitet. Eine große Anzahl fand sich immer, wenn es galt einen Musikkameraden, die letzte Ehre zu erweisen. Die Beerdigungsmusik begleitet seit 1968 die Trauerfeiern. Stellvertretend überreicht Bürgermeister Schneider an Martin Fritz den Bürgerbrief. Bevor die Musikanten die Instrumente erklingen lassen, haben die Klageweiber, eine im Dorf anerkannte Titulierung, ihren wertvollen, Dienst in der Trauerbegleitung getan. Pfarrer Leo Hochreiter, gab Anfang der 1980 er Jahre den Anstoß, fand in Elfriede Stocker eine im Sinn begleitende Partnerin. Die bekannte Sangesfreude im Dorf, Liedertafel, Kirchenchor, später Chorgemeinschaft, war der Grundstein für eine stimmungsvolle Begleitung bei den Beerdigungsfeiern.

Einfühlsam, manchem Wunsch endsprechend, findet sich immer eine Gesangrunde, welche den Gottesdienst mitgestaltet. Dies in innerer Anteilnahme, waren die verstorbenen oft vertraute Mitbürger. Ein begleitendes Kernstück der Klageweiber ist Franz-Josef Fischer, welcher die Sangesfrauen an der Orgel begleitet. Diesen Trauerdienst verrichte er seit seiner Einsetzung als Organist in der Pfarrei Neubeuern. Bürgermeister Schneider,“ wenn man dieses Zusammenspiel von Chorgesang, Orgelspiel, und der Beerdigungsmusik, erleben darf, kann es einem die Kraft geben. Aber auch hier ist Bereitschaft gefragt, müssen Hindernisse überwunden werden. Nach Elfriede Stocker führt nun seit rund 20 Jahren Christl Bergmeister diese besondere stimmungsvolle, einfühlsame aus dem Dorfgeschehen und der kirchlichen Zusammengehörigkeit, bestehende Gruppe. Die Beständigkeit der Sängerinnen fördert auch die gelegentlichen Zusammentreffen weit außerhalb des Friedhofes.

Eine Säule in dieser Gemeinschaft, und dem kirchlichen Zusammenspiel, so Bürgermeister Schneider, ist Frau Gundula Langer-Kochinke. Seit 2012 ist Sie als Gemeindereferentin hier tätig. Sie ist eine Frau der Begegnung so Schneider, nicht in ein Berufsschema einzuzwängen. Das Wort Lebensbegleitung trifft das Wirken der seit 26 Jahren in Neubeuern lebenden siebenfachen Mutter. Von ganz frühen Lebensjahren, Begleitung zu Kommunion und Firmung, begleitende kirchliche Aufgaben, wie bei Trauerfeiern, Betreuung von Senioren und kranken, mit Worten und Musik, wie in der Wohngemeinschaft in Fröschental. Viele, nicht in der Öffentlichkeit bekannte, Begegnungen, Zusammenkünfte, Gesprächsgruppen werden von Ihr inspiriert, gefördert. Dies alles in freundlicher Zurückhaltung, getragen von informellem Wissen und spiritueller Begleitung. Orgel, Gitarre, Keybord, Geige, Gesang, eine Begegnung mit Ihr ist auch immer ein musikalisches Wegstück. Menschen miteinander verbinden dies belegt auch ihr Interesse an der Tauschbörse Neubeuern. Bürgermeister Schneider,“ den Wert einer Dorfgemeinschaft belegen nicht nur Zahlen, Tätigkeit, Vorhaben, sondern das Zusammenspiel vieler, von denen wir heute in Dankbarkeit, und Anerkennung einige ehren dürfen.

Bericht und Bilder: Thomas Schwitteck – Neubeuern die Foto zum Ehrenabend zeigen NR1 v.l.Martin Fritz,stellvertretend für die Beerdigungsmusik, Gundula Langer Kochinke, Bürgermeister Christoph Schneider, Christl Bergmeister stellvertredend für die Klageweiber

NR 2 die Klageweiber, mit Urkunde Christl Bergmeister, Nr 3 die Beerdigugsmusikanten



Redaktion

Toni Hötzelsperger

Beiträge und Fotos sind urheberrechtlich geschützt!