Die Stiftung eines Vierzigstündigen Gebetes hat auch nach mehr als 260 Jahren in der Pfarrgemeinde „Mariä Himmelfahrt“ in Prien nichts von seiner Kraft verloren. Die Gebetstage, die zu Zeiten vom vormaligen Priener Pfarrer Josef Preis aus der Faschings- in die Fastenzeit verlegt worden sind, waren ursprünglich als Gegengewicht für überbordende Faschingsfreuden ins Leben gerufen worden. Nunmehr ist das Gebet dafür da, die Anliegen aller Menschen, die in der Pfarrei leben, gemeinsam vor Gott zu bringen. In diesem Sinne waren die heurigen Angebote geprägt von Abwechslung bei Gottesdiensten, Anbetungen, Kirchenmusik und Rahmenveranstaltungen.
Erstmalig kam als Gastprediger Pfarrer Markus Gottswinter (54) als Spiritual und Wallfahrtsrektor am Franziskanerinnenkloster Reutberg bei Bad Tölz nach Prien und erstmals wurde bei den Predigten Bayerns König Ludwig II. in den Mittelpunkt der Betrachtungen gestellt. „Über Ludwig II. wurde viel und oft legendhaft geredet und geschrieben, meinerseits will ich auf seine Fürsorge für das Volk mit seiner christlichen Grundeinstellung näher eingegangen“ – so der frühere Kaplan im Chiemgau, in Fürstenfeld und Moosburg sowie Pfarrer in Mariahilf München und in der Universitätskirche St. Ludwig. Das Interesse für das Glaubensleben von Ludwig II. ergab sich für den Geistlichen durch den Zugang umfangreicher und privater Aufzeichnungen und so stellte er das Königszitat „Ich will das Licht des Glaubens in den Herzen der Menschen entzünden“ in den Mittelpunkt seiner insgesamt sechs Predigten mit den Titeln „Das Licht“, „Die Hoffnung“, „Der Glaube“, „Das Feuer“, „Die Liebe“ und „Der Absolutismus der Gnade“. Als Beispiele für Ludwigs Grundüberzeugungen nannte er dessen Ablehnung von kriegerischen Auseinandersetzungen und dass er zu Kriegszeiten eine Bitte nach Berlin richtete, mit dem Ziel, dass im Feld eingesetzte Soldaten für die Passionsspiele nach Oberammergau zurückbeordert werden mögen. Im Stiftungsamt ging der Prediger noch näher auf die tiefe Verbindung von König Ludwig II. mit den französischen Herrschern und der französischen Kultur ein. Eine besondere Rolle spielte dabei die Dornenkrone aus der Zeit von König Ludwig IX, die von einem Kreuzzug von Israel nach Paris kam. „Christus ist der Herr, nicht der König ist es!“ – nach dieser Prämisse erklärte Pfarrer Gottswinter, dass Christen das tun sollen, was Christus getan hat. „In diesem Sinne war und ist die Dornenkrone keine Krönung im bekannten Sinne, sie dient der persönlichen Annahme des Leidens, das durch die Hoffnung zu Christus führt, der wiederum mit uns geht und der das Leiden erfahren hat. ER trägt mein Leid und er trägt mich!“.
Für Priens Pfarrer Philipp Werner waren die Anbetungstage eine Möglichkeit der persönlichen Glaubensvertiefung und ein Zeichen eines vielfältigen Miteinanders in der Pfarrgemeinde. „Der gesamte Liturgische Dienst mit den Haupt- und Ehrenamtlichen, die Kolping-Familie, die Indischen Schwestern, der Pfarrgemeinderat, die Lobpreis-Gemeinschaft aus Greimharting und in ganz besonderer Weise die Jugend und die Kirchenmusik unter der Leitung von Bartholomäus Prankl waren Teil eines großen Glaubens-Programmes“. Als besonders eindrucksvoll nannte er die Uraufführung von 21 freiwilligen Firmlingen, die bei einer Jugendvorabendmesse eigens einen Chorgesang unter der Leitung von Martin Koschorz einstudierten. Den Abschluss des heurigen 40stündigen Gebets bildeten ein Frühschoppen mit dem Prediger, ein Rosenkranz sowie der Eucharistische Segen mit Te Deum.
Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom 40stündigen Gebet in Prien, u.a. Einzug und Stiftungsamt von Pfarrer Gottswinter und Diakon Michael Leberle.







