Kirche

Zum Tod vom „Fritzn-Hans“ – Erinnerungen Teil II

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Johann Kloo, „Fritzn-Hans“ aus Zimmerau in der Gemeinde Oberaudorf ist verstorben. Wir erinnern mit diesem Beitrag an die Herausgabe von zwei Büchlein, die die Verbundenheit des Verstorbenen mit seiner Heimat und Kirche zeigen. Die Aussegnung mit anschließendem Sterberosenkranz ist am Donnerstag, 4. April im Pfarrfriedhof un in der Pfarrkirche Oberaudorf, das Requiem beginnt dort am Freitag, 5. April.

Fritznbauer von Zimmerau erstellte Kapellenbuch für Pfarrei Oberaudorf

 Oberaudorf (hö) – Johann Kloo, Fritznbauer von Zimmerau in der Gemeinde Oberaudorf hat sich schon vielfach für den Erhalt und für die Erinnerung alter Einrichtungen und Gepflogenheiten in seiner Heimatgemeinde eingesetzt. In schriftlichen Abfassungen und tatkräftigen Einsätzen hat er sich bislang vor allem um landwirtschaftliche Raritäten wie zum Beispiel für den musealen Futterstadel bemüht. Nunmehr hat er zusammen mit der Mesnerin Traudl Musik, die mit ihrer Kamera die beschriebenen Objekte auch im Detail festhielt, einen Bildband „Kapellen in unserer Pfarrei Oberaudorf“ herausgegeben.

Auf über 60 Seiten werden in schöner Zusammenstellung die vielen kirchlichen Kleinode der Pfarr- und Berggemeinde Oberaudorf festgehalten. In seinem erklärenden Vorwort schreibt Johann Kloo unter anderem: „Im Mittelpunkt unseres kirchlichen Lebens stehen in Oberaudorf unsere Pfarrkirche „Zu unserer lieben Frau von Audorf“ und in Niederaudorf die Kirche St. Michael und die Karmeliten-Klosterkirche in Reisach. Mit diesem Bildband möchte ich aber in erster Linie auf die vielen Kapellen und kleineren Kirchen in unserem Gebiet aufmerksam machen. Das Leben vom 16ten bis zum19ten Jahrhundert war stark vom Katholischen Glauben und von der Gemeinschaft der Pfarrkirchen geprägt. Für die Bergbauern, die oft einen sehr weiten Weg von einer Stunde und mehr zur Ortskirche hatten, war es oft äußerst schwierig, zum sonntäglichen Gottesdienst zu kommen. Besonders natürlich in der Winterzeit und für diejenigen, die nicht gut zu Fuß waren. Darum bauten sich sehr viele Bergbauern eine eigene Kapelle. Diese meist kunstvollen Bauwerke waren immer so groß gebaut, dass die Familie darin Platz fand und sie wurden mit Altar, Kniebänken, Heiligen Figuren und vieler prachtvoller Malerei- oft mit biblischen Darstellungen und Kreuzwegbildern – ausgestattet. So konnten auch alte und kranke Leute, schwangere Frauen und solche mit kleinen Kindern in der eigenen Kapelle beten und so die täglichen Sorgen des Bergbauernlebens für eine kurze Zeit durch eine Andacht vergessen. Leider können wir heute nicht mehr genau feststellen, wer die Maler und Handwerker waren, die diese Kapellen-Kunstwerke schufen. Aber aus den Bergbauernfamilien kamen viele Künstler, so wie in etwa die Seebacher, die Rechenauer, die Behamgruber, die Dientzenhofer und die Hausstätter, die durch ihr geschicktes Können einen hohen Bekanntheitsgrad im Kapellen- und Kirchenbau sowie in der Malerei erreichten. Die geschnitzten Holzfiguren dürften jedoch die meisten aus Südtirol stammen. Auch in unserer Zeit sind noch einige Kapellen erbaut worden.“ – so Johann Kloo, der sich ausdrücklich bei allen Kapellenbesitzern für ihre bereitwillige und umfangreiche Auskunft bedankte. Insgesamt werden in der Broschüre 36 Kapellen abgebildet und beschrieben.

 

Fritznbauer Hans Kloo aus Zimmerau in der Gemeinde Oberaudorf hat   das Buch „Bruderschaften früherer Zeit im Oberen Bayerischen Inntal“

 Oberaudorf (hö) – Schon mehrfach hat sich Johann Kloo von Zimmerau für seine Heimatgemeinde Oberaudorf und für die Bewahrung früherer Gepflogenheiten verdient gemacht. Zu seinen ersten großen Taten zählten das Veranlassen der Gemeinde, einen Futterstall vor dem Verfall zu retten und ihn auf dem Oberaudorfer Schlossberg wieder zu errichten ebenso wie das Erinnern an frühere Arbeitsweisen und Gerätschaften im Inntaler Bergbauernleben. Sein zweites Werk widmete der gläubige Christ den Kapellen von Oberaudorf, über die er mit Unterstützung der örtlichen Mesnerin einen Text- und Bildband mit 60 Seiten Umfang verfasste. Kirchlich geprägt ist auch sein viertes Werk, das Johann Kloo zum Neuen Jahr 2012 verfertigt hat: „Bruderschaften früherer Zeit im Oberen Bayerischen Inntal“ lautet der Titel eines fast 50seitigen Heftes im DIN-A-4-Format mit zahlreichen Abbildungen und Erläuterungen.

Wie Hans Kloo eingangs des Heftes erläutert, wurden Bruderschaften vor allem gegründet, um nach Kriegen, Besatzungen oder sonstigen Notzeiten das Schlimmste zu überbrücken. Daneben stellte auch die Förderung des christlichen Glaubens sowie die Verehrung der Gottesmutter Maria einen Zentralaspekt für die Bruderschaften dar.

Kriege, Hunger und Brandschatzungen

In einer kurzen Chronik-Darstellung zur Gemeinde Oberaudorf erinnert der Beitrag an Krisen wie dem 30-jährigen Krieg,  zahlreichen Pestepidemien, Besatzungen durch Soldaten, dem Österreichischen Erbfolgekrieg und viele mehr , von den der Ort im Inntal in der Vergangenheit heimgesucht und nachhaltig beeinträchtigt wurde.

In der weitverzweigten Gemeinde boten die Bruderschaften bei ihren Zusammenkünften Aussprache und ein kurzes Abschalten vom arbeitsreichen Alltag an. Dabei wurde die Kassenlage besprochen und entschieden, wo Hilfe geleistet wird.

Dank des Bürgermeisters und Mithilfe der Kloster-Patres von Reisach

In der Broschüre des Fritznbauern sind auch die Friedhofskapelle Oberaudorf sowie das Kloster Reisach dargestellt. In seinem Grußwort dankt Hubert Wildgruber als 1. Bürgermeister der Gemeinde Oberaudorf dem Autoren dafür, dass er sich sehr verdienstvoll und auch spannend mit der Geschichte und Tradition seines Heimatortes auseinandergesetzt hat. In seinem Schlusswort bedankt sich Hans Kloo für die vielfach erfahrene Unterstützung, unter anderem bei den Patres vom Kloster Reisach, bei Mesnerin Traudl Musik (Fotos) und bei seiner Tochter Regina (PC-Arbeiten). Hans Kloo schließt mit seiner gewonnenen Erkenntnis: „Das Wirken der Bruderschaften war immer und ist auch heute noch ein Gewinn für jeden Ort. Soziale Hilfe für Bedürftige und gemeinsame Gebete stärkten die Dorfbewohner in oft trauriger Zeit. Das kirchliche Leben wäre ohne Bruderschaften kaum über die vergangenen Jahrhunderte gekommen. Der Unterhalt der Kirchen und Kapellen und deren Ausstattung ist den Bruderschaften zu verdanken“.

Fotos: Hötzelsperger

  1. Titel der Broschüren  „Bruderschaften früherer Zeit im Oberen Bayerischen Inntal“ und „Kapellen in Pfarrei Oberaudorf“
  2. Porträt Hans Kloo

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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