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Zu wenig Wasser in der Prien?

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

„In unseren Flüssen muss grundsätzlich so viel Wasser sein, dass die Fische darin schwimmen können“, forderte der SPD Landtagsabgeordnete und Umweltexperte Florian von Brunn bei einem Lokaltermin an der Prien nahe von Wildenwart. „Es kann nicht sein, dass einzelne Wasserkraftwerkbetreiber auch noch den letzten Tropfen Flusswasser durch die Turbinen ihrer Elektrizitätswerke jagen und die Umwelt hat das Nachsehen“.

Der Landesfischereiverband (LFV), als einer der großen Naturschutz-Interessenverbände in Bayern hatte auf das Problem aufmerksam gemacht: „Aufgrund etlicher Wasserkraft-Ausleitungen versiegt derzeit die oberbayerische Prien. Die Ausleitungswehre leiten nahezu den kompletten Abfluss in Kanäle zu den Triebwerken, das natürliche Flussbett in diesen Bereichen fällt trocken. Das ist nicht das erste Mal. In den letzten Jahren hatte sich der LFV Bayern mehrfach an das zuständige Landratsamt gewandt, um die latenten Restwasser-Probleme an der Prien in den Griff zu bekommen“. Zusammen mit Johannes Schnell, dem Leiter des Referats für Fischerei, Gewässer- und Naturschutz beim Landesfischereiverband Bayern informierte sich Florian von Brunn an Ort und Stelle.

Tatsächlich – oberhalb des Wehres, das beim Schloss Wildenwart die gesamte Flussbreite der Prien absperrt und alles Wasser in den Mühlbach ableitet, war augenscheinlich genügend Wasser da, unterhalb des Wehres aber wachsen die Brennnesseln mannshoch im trockenen Flussbett. 400 Liter pro Sekunde müsse der E-Werkbetreiber ganzjährig im Fluss belassen, um eine Mindestbewässerung und ein Überleben der Flussbewohner sicherzustellen, forderte Johannes Schnell vehement vor den Kameras des Bayerischen Rundfunks. Es sei ein offenes Geheimnis, dass es oft Verstöße gegen diese gesetzlichen Mindestmengen gebe und alle Vorstöße des LFV bisher abgeschmettert worden seien.

Eine Nachfrage beim Kraftwerksbetreiber Michael Ramsl ergab, dass die gesamte derzeitige Wassermenge in der Prien etwa 600 Liter pro Sekunde betrage, bei einer geforderten Abgabe von 400 Litern verblieben für das Kraftwerk noch 200 Liter pro Sekunde, mit dieser Wassermenge könne aber kein Kraftwerk betrieben werden, benötigt würden mindestens 500 Liter. Bereits jetzt fahre er an der unteren Grenze der Rentabilität; die durchschnittliche Stromerzeugung liege bei 50 Kilowattstunden, aktuell könne er 15 liefern, das reiche gerade für den Betrieb der eigenen Mühle. Die von der Behörde geforderte Einleitung von 400 Litern sei ein rechnerischer Querschnitt der anfallenden Wassermengen während eines ganzen Jahres. Nach starken Regenfällen und bei der Schneeschmelze werde dieser Wert um ein Vielfaches überboten, vom Juni bis in den September sei es den ganzen Sommer nur in Ausnahmefällen möglich, diese Forderungen vom grünen Tisch zu erfüllen. Die Prien sei von der Quelle in Sachrang bis zur Mündung in den Chiemsee nur 32 Kilometer lang und habe keine nennenswerten Zuflüsse. „Sie kommt schnell wenn es regnet – und fällt genauso schnell wieder trocken“.

Diese Mühle – die alte Hofmühle – arbeitet seit 1505 an dieser Stelle, zwischen Aschau und Prien gibt es noch weitere acht Mühlen, die heute hauptsächlich mit der Stromerzeugung beschäftigt sind. Früher nutzten sie die Wasserkraft als Getreidemühlen, als Sägemühlen oder als Antrieb für Hammerwerke und Schmieden aller Art. Diese Mühlen schufen die Kulturlandschaft entlang des Wildbaches Prien; gäbe es die durch Menschenhand in Jahrhunderten entstandenen Verbauungen und Stauwehre nicht, so würde das gesamte anfallende Wasser nach der Schneeschmelze oder nach ergiebigen Regenfällen im Frühjahr, wie im Oberlauf zwischen Sachrang und Aschau in einem Zug unkontrolliert in den Chiemsee abfließen und das Bachbett wäre im Sommer auch von Aschau bis nach Prien weitestgehend trocken. Lediglich ein paar kleine Wiesenbäche und Hangquellen, die auch im Sommer nicht trocken fallen, könnten dann noch ein wenig Wasser an den Wildbach abgeben, aber keinen dauerhaft gleichen Wasserpegel, geschweige denn 400 Liter pro Sekunde garantieren. Die Rückstaus hinter den Wehren haben die einzigartige Flora und Fauna des Prientales entstehen lassen und sind die Ursache für die Einordnung dieser Landschaft in die Schutzgebiete. Hier in den kleinen Stauseen gelingt es den Werksbetreibern soviel Wasser zu sammeln, dass die Werke – wenn auch mit verminderter Leistung – auch im Sommer weiterarbeiten können, hier finden Tiere und Pflanzen die Möglichkeit auch einen trockenen Sommer überleben zu können. Das Vorkommen des Eisvogels an mehreren Stellen entlang der Prien ist der beste Indikator für ein intaktes Ökosystem. Alle Kraftwerksbetreiber führen ihre Mühlbäche nach dem Weg durch die Turbine unmittelbar wieder zurück in das Bachbett. Das Flussbett der Prien fällt also auch in heißen Sommern nur zwischen den jeweiligen Wehren und der Rückleitung ins Bachbett trocken, oberstrom und unterstrom dieser Punkte führt der Wildbach Prien, dank der Wasserbevorratung der Mühlen in der Regel mehr als die geforderten 400 Liter pro Sekunde.

Der Einbau einer Fischtreppe an den Stauwehren in das System Prien ist gut gemeint – aber für wen?, fragt Michael Ramsl. Der Fischbesatz mit Jungforellen wird in der Regel durch die Pächter der jeweiligen Flussabschnitte gemacht, es handelt sich um Zuchtforellen, die – anders als ihre weit entfernten amerikanischen Verwandten die Lachse – keine Neigung zeigen, zum Laichen irgendwelche weit entfernten Gewässer aufzusuchen – sie laichen an Ort und Stelle.

Alle acht Mühlen erzeugen seit über 100 Jahren Strom, das Elektrowerk Buchauer in Frasdorf hat um 1900 die Stromversorgung des Ortes aufgebaut und betreibt sie seit dieser Zeit ununterbrochen. Eine Stilllegung der Turbinen hieße in allen Fällen nicht nur den Verlust von elektrischer Energie, sondern auch den Wegfall des Einkommens der Eigner. Hier bei den kleinen E-Werken wurde die Energiewende bereits gelebt, als es den Begriff noch gar nicht gab, die kleinen Elektrizitätswerke an der Prien erzeugen genügend Strom für sich und ihre eigenen Gewerbe und können noch die unmittelbare Nachbarschaft versorgen. In Zeiten, in denen Fotovoltaikplatten beginnen umstritten zu werden und Windräder nicht gebaut werden können, sollten die bestehenden ökologisch einwandfreien Wasserkraftwerke weiter gefördert werden, so Michael Ramsl.

Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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