Tourismus

Wanderung zur Archenkanzel hoch über dem Königssee

Veröffentlicht von Günther Freund

Touristisches Highlight im Nationalpark Berchtesgaden: der atemberaubende Aussichtspunkt Archenkanzel

Mein Bruder Manfred ist mit einem Almbauern aus Bischofshofen befreundet. Die Almwirtschaft ist arbeitsintesiv und er hilft oft, vom Zaunbau bis zur Kälberbetreuung. So zweimal die Woche ist er oben auf der herrlich gelegenen Alm unterm Watzmann. Dazu hat er eine Sondergenehmigung für seinen Jeep und ab und zu nimmt er mich mit hinauf und geht mit mir wandern.

Heute wollen wir nach Kühroint und zur Archenkanzel gehen, einem atemberaubenden Aussichtspunkt zwischen Watzmann und Königssee. Bei der Fahrt hinauf zur Alm fällt uns auf, daß auch die Wälder unterm Watzmann nicht vom Waldsterben verschont wurden. Aber es zeigt sich auch beeindruckend wie der junge Wald unter den abgestorbenen Bäumen nachwächst, die früher so umstrittene Nationalparkphilosophie diese stehen zu lassen, hat sich längst als goldrichtig erwiesen.

Wir versuchen bei unserer Wanderung die Hauptwanderwege zu vermeiden, denn es ist Urlaubszeit, wunderschönes Bergwetter und es sind zahllose Radler in Richtung Kühroint und Bergsteiger in Richtung Watzmannhaus unterwegs. Manfred kennt die Gegend unterm Watzmann wie seine Hosentasche und führt mich auf verschlungenen, holprigen Pfaden hinüber nach Kühroint. Den stark frequentierten Weg von Wimbachbrücke zum Watzmannhaus kreuzen wir bei der Talstation von der Materialseilbahn zum Watzmannhaus. Kurz vor der idyllischen Kührointalm kommen wir auf den ebenfalls vielbegangenen Weg von dort zum Watzmannhaus, passieren eine Klimastation, eine Kapelle, eine bewirtschaftete Alm, eine Unterkunftshütte und ein Traingszentrum der Bundespolizei.

Wir gehen gleich weiter, ich will endlich zur Archenkanzel, wo ich noch nie war. Wir haben Glück, es sind gerade nur wenig Schaulustige da, wir haben sogar eine freie Bank. Es ist wirklich ein einzigartiger Ort. Unten der Königssee, über uns der gewaltige Watzmannblock, vor uns die Bergspitzen des Steinernen Meeres und der Hochkönig. Schiffe kreuzen wie Modellbauboote vor Bartholomä, wie mit den Smartphones der Fotografierenden vor uns ferngesteuert. Als Manfred eine der Frauen vor uns fragt, welches Schiff sie denn steuere, erntet er zuerst nur fragende Blicke, bis endlich der Groschen fällt.

                                                                                                                                                             Blick von der Archenkanzel 

Wir verharren eine Weile, um die Aussicht auf uns wirken zu lassen, gehen dann zurück nach Kühroint und kehren in der Almhütte ein, dort geht es ruhiger zu, wie in der Unterkunftshütte.
Manfred kennt nicht nur die Gegend in und auswendig sondern auch die Leute von den benachbarten Almen alle recht gut. Jetzt lernt er auch die Kührointer Sennerin kennen, die erst seit kurzer Zeit hier ist. Sie war noch nicht einmal bei der Archenkanzel.

neu als Sennerin auf der Kühroint Alm  

Wir haben eine gute Wahl getroffen, sitzen vor der gemütlichen Alm mit Blick auf den Watzmannblock. Man sieht wunderbar hinauf zum Falzkopf, Hocheck und zum höchsten Punkt, der Mittelspitze (2713 m). Links ragt der Kleine Watzmann (2307 m) empor. Wir haben nette Nachbarn am Tisch mit denen wir uns bestens unterhalten. Ein Paar ist mit dem E-Bike heraufgestrampelt, was auch mit Motorunterstützung ganz schön anstrengend ist. Ein sportlicher junger Mann erzählt uns, daß er schon um 3 Uhr früh in Burghausen weggefahren ist und einen “Morgenspaziergang” auf den Kleinen Watzmann gemacht hat, weil er dort allein unterwegs war und sich nicht in die Völkerwanderung zum Watzmannhaus einreihen musste. Er genehmigt sich jetzt ein Weißbier und schaut zurück auf den Berg, den er bezwungen hat. Ein nicht ungefährliches Unternehmen wegen stark ausgesetzter Stellen ohne jede Sicherung.

das Weißbier schmeckt besonders gut nach der Besteigung des Kleinen Watzmann

Die Watzmanngruppe ist ja bekannt dafür, daß hier immer wieder Kletterer ihr Können überschätzen und abstürzen. Erst gestern ist wieder ein Bergsteiger in der Ostwand tödlich abgestürzt. Wir gehen noch hinein in die kleine Kapelle St.Bernhard neben der Alm, in der auf Wandtafeln alle tödlich Verunglückten in den Berchtesgaden Bergen verewigt sind.

Dann machen wir uns auf den Rückweg, auf dem wir noch kurz bei der Mitterkaseralm, die am Hauptweg zum Watzmann liegt, vorbeischauen und dort kurz einkehren. Es ist Hochbetrieb, Sennerin Nina hat keine Zeit zum Ratschen.

Sennerin Nina, für ein Foto kurz ohne Maske

Als wir wieder zurück sind bei Manfreds Alm, wird er sofort von seinen Kälbern umringt. Seine Uhr zeigt uns, daß wir 16 km mit fast 700 Höhenmetern gemacht haben.

Manfred unter seinen Kälbern

Noch lange sitzen wir auf der Hausbank, schauen hinauf zum Watzmann und lassen unsere wunderschöne Tour noch einmal Revue passieren.

Ausgangspunkte für Archenkanzelwanderung:

Die Archenkanzel ist von mehreren Ausgangspunkten erreichbar: Einer beginnt in Schönau beim Hammerstiel, einer in Ramsau bei der Wimbachbrücke. Die beiden Aufstiege treffen sich kurz vor der Schapbachalm und sind auch mit dem MTB zu machen. Von Königssee aus komtt man über die Klingeralm hinauf und von Bartholomä aus führt der Rinnkendlsteig zur Archenkanzel, der aber wegen stark ausgesetzter Stellen, manche davon ohne Sicherung, kraxeligen Felsstellen und teils schwierig zu laufenden Eisentritten und rutschigen Holzleitern nur für Geübte geeignet ist.

Anstiegswege zur Archenkanzel

Bericht und Fotos: Günther Freund

Über den Autor

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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