Brauchtum

Trachtlerfreundschaft Nordamerika-Bayern wird immer aktiver

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Amerika ist weit weg von Bayern, doch wenn es um die Trachtensache und Brauchtumspflege geht, dann gibt es keine Brücken, Entfernungen und großen Teich. Gemeint ist damit der Gauverband Nordamerika, der dem Bayerischen Trachtenverband sehr eng und schon lange überaus freundschaftlich verbunden ist. Die Freundschaft zwischen den Gauverbänden geht weit zurück, Ursprung ist Anfang des 20. Jahrhunderts die Auswanderung von vielen Deutschen und Bayern nach Amerika, als sich dort neue Arbeitsmöglichkeiten ergaben. Der erste Trachtenverein gründete sich 1914 in Chicago, der Schuhplattler-Verein „Edelweiß“ existiert heute noch. Alle zwei Jahre wird im Gauverband Nordamerika ein Gaufest veranstaltet, das nächste Fest findet vom 4. bis 7. Juli beim Trachtenverein Alt Washingtonia in Washington D.C. statt. Die Anmeldungen und Quartierwünsche werden bereits jetzt unter www.gauverband.com entgegengenommen.

Auf das große, weite Land Amerika beschränken sich die Mitglieder und Aktivitäten des Gauverbandes Nordamerika nicht. Wie die heurigen Trachtensommer-Termine in Bayern gezeigt haben, sind die Trachtler von Nordamerika und Kanada vielzählig und oft in Bayern aufgetreten. Das größte Ereignis und Erlebnis war der Wettbewerb „Bayerischer Löwe“ mit Vertretern vieler bayerischer Trachtengaue. Heuer war der Gauverband Nordamerika beim Gaufest des Allgäuer Gauverbandes in Haldenwang der gastgebende Organisator. Die Hauptaufgabe fiel dabei dem Gauvorplattler Rudy Leschke zu, der zugleich Vorplattler beim Trachtenverein D´Lustigen Isartaler in Pittsburgh ist. „85 Vereine haben sich beteiligt, wir selbst waren mit 27 Einzelplattlern und zwei Gruppen dabei, die aus Denver und Cleveland haben sogar den dritten und vierten Platz erreicht, in der Ehrenklasse der Buam gewann unser Don Lacourse den ersten Platz und in der Altersklasse Damen siegte Karen Schwab – der Bayerische Löwe war für Nordamerika ein großer Erfolg, zumal wir insgesamt mit 260 Leuten angereist waren“, so Rudy Leschke. Der 60 Jahre alte Ingenieur hat bereits mit zehn Jahren das Schuhplatteln angefangen, seine beiden Eltern stammen vom niederbayerischen Haibach im Bayerischen Wald. Niederbayern hat noch einen weiteren starken Bezugspunkt zum Gauverband Nordamerika. Dessen Verantwortliche und Mitglieder haben sich schon mehrfach für das in zehn Jahren Bauzeit erstellte Trachtenkulturzentrum des Bayerischen Trachtenverbandes in Holzhausen (Gemeinde Geisenhausen, Landkreis Landshut) verdient gemacht. Neben großzügigen Geldspenden wurde auch ein eigenes Zimmer „Gauverband Nordamerika“ gestiftet und eingerichtet.

Wenn Mitglieder und Trachtler aus Nordamerika und Kanada nach Bayern kommen – und das ist nicht nur zur Oktoberfestzeit, sondern stetig bei Gaufesten und weiteren Veranstaltungen – dann nutzen diese auch die Aufenthalte, um sich trachtlerisch gescheid zu gewanden.  „Wir legen großen Wert, dass wir eine original-getreue Tracht tragen, diese auch an unsere Jugend weitergeben und deshalb sind wir mit bayerischen Trachtengeschäften ständig in Verbindung“, so Bob Hugel vom Trachtenverein Schlierachtaler in New York, der im übrigen eine ganze aktive Austauschs-Freundschaft mit dem Volkstrachten-Erhaltungsverein Schlierachtaler Stamm 1890 in Hausham pflegt. Ein ganz besonderer Pfleger der nordamerikanisch-bayerischen Trachtler-Freundschaft ist der Ehrenvorsitzende des Huosigaues, Sepp Kaindl vom Trachtenverein D´Ammerseer Diessen. Kaindl war schon ungezählte Male als Ziachspieler, Vorplattler und Offizieller beim Gauverband Nordamerika, er ist inzwischen aufgrund seiner vielfältigen Verdienste zum ersten Ehrenmitglied beim Gauverband Nordamerika ernannt worden. Kaindl ist es mitunter auch zu verdanken, dass die Einkaufs- und Beratungskontakte zu bayerischen Trachtengeschäften ausgeweitet werden konnten. So fanden sich im heurigen Trachtensommer Trachtlerinnen und Trachtler aus Nordamerika unter anderem bei Annamirl Raab, der Vorsitzenden vom Sachgebiet Trachtenpflege und Trachtenforschung in Schliersee ein, weitere Anlauf- und Beratungsstationen waren Trachtenstoffe Höfer sowie das Trachtengeschäft Resi Bartl in Prien, Schuh und Trachten Auer in Törwang am Samerberg. Jahrzehntelang und fast schon familiäre Kontakte pflegt auch Trachten-Pöllmann mit der Familie von Hans Menzinger  aus München-Obermenzing nordamerikanische Kontakte. 1. Gauvorstand Tom Vogt weiß die Aktivitäten seiner Trachtler wohl zu schätzen, ist er doch selbst oft auf Europa- und Bayern-Tournee dabei. „Mit dem Bayerischen Trachtenverband haben wir eine echte Partnerschaft besiegelt, das ist uns Ehre und Verpflichtung zugleich“, so der Gauvorstand von Nordamerika, der bereits historisch wertvolle Fahnen und Trachtenstücke dem Museum vom Trachtenkulturzentrum in Holzhausen zur Verfügung gestellt hat. Die Freundschaft der Nordamerikaner mit Bayern wird nicht abreißen, bereits jetzt wird geplant die diesjährige Oide Wiesn auf dem Münchner Oktoberfest zu besuchen, für 2019 ist ein Besuch beim Oberpfälzer Gau vorgesehen und 2020 werden sich die Plattler und Dirndl aus Nordamerika wieder am „Bayerischen Löwen“ beteiligen, dann bei ihren Freunden in Dießen beim Housigau.

Fotos: Hötzelsperger – Begegnungen mit dem Gauverband Nordamerika

Weitere Informationen: www.gauverband.com

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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