Leitartikel

Letzter Chiemsee-Renner auf Heimatsuche

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Der „Chiemsee-Renner“ auf den Schären in Prien-Stock findet viel Aufmerksamkeit bei den Einheimischen und Urlaubsgästen. Bei seinem jüngsten Erkundungsgang zusammen mit Geschäftsführerin Andrea Hübner von der Prien Marketing GmbH und mit Geschäftsführer Michael Feßler von der Chiemsee-Schifffahrt machte auch Priens Bürgermeister Andreas Friedrich Halt beim Chiemsee-Renner nahe dem König-Ludwig-II-Denkmal mit direkter Sicht auf das Königsschloss von Herrenchiemsee.

Dabei stellte Bürgermeister Friedrich fest: „Der Renner passt thematisch zwar sehr gut an diese Stelle; leider ist er dort den Witterungs- und Umwelteinflüssen schutzlos ausgeliefert. Hat Jemand eine Idee für einen alternativen Standort? Einzige Bedingung ist, der Standort muss Bezug zu Wasser bzw. zum Chiemsee haben. Alternativ ist es auch denkbar, den Renner einzulagern bis eine passende Neu-Nutzung möglich ist“. Dieses Anliegen des Bürgermeisters will auch Michael Feßler unterstützen. Schließlich war die Chiemsee-Schifffahrt zwischenzeitlich Besitzer des Renners, hierzu weiß Feßler zu berichten: „Der Renner ist ein typisches Chiemsee-Gefährt mit einem Baustil wie er auf Bildern der Chiemseemaler zu finden ist. Mit dem Ende der Fronleichnahmsprozessionen auf bzw. um die Fraueninsel Anfang der 1970er Jahre wurde der Renner vom Kloster nicht mehr gebraucht. Zudem war für den Lastentransport bereits seit 1968 die Fähre Kampenwand (die vor einigen Jahren gesunken ist und wieder gehoben wurde) im Einsatz. Deshalb kam der Renner vom Kloster zu uns. 1987 wurde er aus Stahlblech nachgebaut, der  Stahlrenner ist bis heute zum Materialtransport für den Stegbau im Einsatz. Um den Renner gut steuern zu können, bedurfte es einer eigenen und anstrengenden Ruder-Technik, wobei vorne zwei Ruder und hinten ein Ruder waren“.

Chiemsee-Renner kam wieder von Starnberg zurück

Nachdem der Renner beim Kloster außer Dienst kam, übernahm diesen die Chiemsee-Schifffahrt. Diese wiederum stellte es dem in Starnberg geplanten Südbayerischen Schifffahrts-Museum zur Verfügung. Nachdem aber in Starnberg dem Buchheim-Museum der Vorzug gewährt wurde, kam im Jahr 2010 der  Renner wieder zurück an den Chiemsee. „Wohin jetzt mit dieser großen, 12,5 Meter langen und 2,4 Meter breiten Rarität?“ – das war dann die Frage und so wurde der Renner der Gemeinde Prien und dem dortigen Heimatmuseum übertragen. Wie Michael Feßler auch noch weiß, hätte sich damals auch die Gemeinde Seebruck für das Boot interessiert, doch die Priener bekamen von der Firma Feßler den Zuschlag. „Der Renner ist ein Objekt, das insbesondere für die nachkommenden Generationen von großer Bedeutung ist“ – damit ist sich der Priener Kulturbeauftragte und Leiter des Heimatmuseums Karl J. Aß einig mit Bürgermeister Friedrich, der es ebenfalls für wichtig hält, den Renner für die Nachwelt zu erhalten. Karl J. Aß weiß zum letzten noch erhaltenen „Chiemseerenner“ noch zu berichten: „Das Schiff ist ein inventarisiertes Objekt des heimatMuseums Prien und hat beinahe dieselbe Bedeutung wie der letzte Chiemsee-Einbaum auf dem Dachboden des Museums, der vom Maler Josef Wopfner im 19. Jahrhundert   gerettet wurde. Zur Zeit seiner Sicherung war dieser Einbaum fast neuwertig, ebenso wie jetzt der Renner“.

Nachdem die Gemeinde Prien von der Firma Feßler den Renner gestiftet bekam, wurde er zuerst eingelagert, dann vor dem Heimatmuseum im Ortszentrum zeitweise hergezeigt und dann wurde als neuer Darstellungs- und Aufbewahrungs-Standort   die Landzunge Schären in Prien-Stock ausgesucht. Einer gewünschten Einhausung, um der Verwitterung entgegenzuwirken, wurde von der Staatlichen Verwaltung der Bayerischen Schlösser und Seen nicht zugestimmt, so dass der Renner seit einigen Jahren ungeschützt ist. „Das soll sich jetzt aber ändern, deswegen machen wir diesen Aufruf gleichsam einer aktiven Bürgerbeteiligung“ – so Bürgermeister Andreas Friedrich nachdem er sich an Ort und Stelle vom Chiemsee-Renner ein Bild gemacht hatte.

Foto/s: Hötzelsperger – Der Chiemsee-Renner in Prien-Stock in den Jahren 2015 und 2020 sowie mit Bürgermeister Andreas Friedrich (re.), PriMa-Geschäftsführerin Andrea Hübner und Michael Feßler, Geschäftsführer der Chiemsee-Schifffahrt (li.).

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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