Corona-Krise

Leben im Corona-Modus: Eindrücke aus Süd-Frankreich

Veröffentlicht von Günther Freund

In Frankreich ist der 14.Juli Nationalfeiertag. Er erinnert an den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 und an den Beginn der Französischen Revolution und die französischen Siege in der Vergangenheit. Der Tag wird groß gefeiert, in vielen Orten werden Feuerwerke gezündet, so wie bei uns in Deutschland nur an Sylvester.

Ich bin in Montpellier, mein Schwiegersohn hat am Abend eine kleine Rundfahrt mit uns gemacht. Wir wollten sehen, wie in den umliegenden Orten am wichtigsten Feiertag der Franzosen trotz Corona gefeiert wird. Wir fuhren nach Frontignan, wo es eine erhöhte Stelle gibt, von wo aus man einen guten Blick auf die Küste von Palavas bis Séte hat. Es war 22.30 Uhr und wir waren nicht die einzigen Schaulustigen. Aber keine Masken  –  niemand achtete auf Mindestabstand.

Allerdings sind die Inzidenz-Zahlen auch in Frankreich wieder steigend. In einer Fernseh-Ansprache hatte Präsident Macron am Vorabend angekündigt, daß die Beschränkungen wieder verschärft werden sollen und eine Art Impf-Zwang angekündigt. Für Beschäftigte im Gesundheitssektor kommt die Impfpflicht, wer ins Restaurant, Kino, Konzert oder dergleichen will, muss bald Impfung, Genesung oder negativen Test nachweisen

Meine Frau und ich sind zweimal geimpft,  Frankreich ist kein Corona-Risiko-Gebiet mehr und die Ein- und Ausreise zwischen Deitschland, Schweiz und Frankreich war  ohne Probleme möglich – also konnten wir endlich wieder in unsere zweite Heimat in Süd-Frankreich fahren. Fast zwei Jahre waren wir wegen dem Virus nicht mehr in Montpellier, wo zwei Enkelinnen sehnlichst auf Oma und Opa warteten. Wir fuhren mit dem Auto, weil wir immer viel hin- und hertransportieren müssen. Es sind über 1000 km, zu viel für  einen Tag. Wir buchten ein Hotel in Lausanne, das liegt ungefähr auf halber Strecke. Für die Einreise in die Schweiz und nach Frankreich brauchten wir als Geimpfte keinen Corona-Test, mussten aber eine digitale Einreiseanmeldung ausfüllen und auf dem Handy bereithalten oder ausdrucken. Bei den Grenzübertritten wurden wir nicht danach gefragt.

In Frankreich, das von der Corona-Pandemie stärker betroffen war als Deutschland, habe ich nach fast 4 Wochen Aufenthalt den Eindruck, daß alles etwas lockerer ist, als in Deutschland  – zumindest hier im Süden.  Der 7 Tage-Inzidenz-Wert liegt aktuell deutlich höher als derzeit in Deutschland, aber unter dem kritischen Wert von 50. Die Impfquote ist mit 37 % niedriger. Ausgangssperren gibt es nicht mehr, Kontaktbeschränkungen auch nicht mehr. Es gilt weiterhin Maskenpflicht in Innenräumen und die Einhaltung der Gesundheitsabstände. Der öffentliche Personennahverkehr funktioniert, für Reisende ab12 Jahren besteht im Öffentlichen Personennah- und Fernverkehr (einschließlich Taxis) Maskenpflicht.  Das Tragen einer Maske ist in allen öffentlich zugänglichen, geschlossenen Räumen (u.a. Geschäfte, Banken, Bahnhöfe, Flughäfen) verpflichtend. Im Freien ist es nur nötig, wenn besondere Umstände wie Warteschlangen oder andere Menschenansammlungen oder auf Märkten diese Vorsichtsmaßnahme weiterhin erfordern. Museen, Kinos, Restaurants (auch innen), Klubs und Discotheken (seit 9.Juli) sind wieder geöffnet, ohne Kontaktdatenerhebung.  Das soziale Miteinander ist nicht mehr sehr eingeschränkt.

In den Schulen (jetzt sind Ferien)  war Maskenpflicht. Unsere Enkelinnen hatten damit kein Problem. Nur bei Beginn der Pandemie gab es ein paar Wochen nur Home-Schooling, das – zumindest bei unseren Enkelinnen – per E-Mail und Videokonferenzen gut funktioniert hat. Kommunikation zwischen Lehrern und Schülern per Internet gab es hier ja schön früher. Es war fast immer Präsenz-Unterricht, gut für die Enkelinnen, die kaum auf Begegnungen mit ihren Freundinnen verzichten mussten. Aber auch für die Erwachsenen waren die Einschränkungen heuer nicht besonders stark, Partys konnten stattfinden – man musste nur um 19 Uhr, ab Mai um 23 Uhr zu Hause sein.

Momentan werde ich nur beim Einkaufen an das Virus erinnert. Beim Besuch von Restaurants, im Konzert, in touristischen Einrichtungen oder auf der vielbesuchten Strandpromenade in Balaruc trägt nur das Personal Masken.

Auffällig bei einer Betrachtung  des Lebens in Corona-Zeiten in Frankreich ist, daß die sonst so streikfreudigen Franzosen die getroffenen Maßnahmen der französischen Behörden verhältnismäßig widerstandslos hinnahmen. Die Ankündigung von Präsident Macron, daß künftig alle, auch Kinder älter als 12 Jahre, beim Besuch eines Restaurants, Konzerts, Museums oder dergleichen  entweder Impfung oder Test nachweisen müssen, rief aber massenweise Kritik hervor.

 

Bericht und Fotos: Günther Freund

Über den Autor

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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