Leitartikel

König Ludwig II. – Bildrarität zum 176. Geburtstag

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Zum 176. Geburtstag von König Ludwig II am 25. August 2021  –   Die älteste Darstellung des „Märchenkönigs“ kommt in den Chiemgau  – Eine bisher kaum beachtete Zeichnung in der Sammlung des Ludwig-II.-Biografen Marcus Spangenberg zeigt Ludwig, den späteren Monarchen kurz nach der Geburt.

Es ist ein Ausdruck von innigem Mutterglück: Eine junge Frau mit dunklem, fast schwarzem Haar blickt versonnen auf ein Neugeborenes in einer Wiege. Das Baby mit weißer Kopfhaube schlummert, die Ärmchen eng an den Körper angeschmiegt, selig und vertrauensvoll der sitzenden Frau zugewandt. Hier handelt es sich um keine gewöhnliche Darstellung einer Mutter mit ihrem Kind. Es ist eine idealisierte Darstellung von Marie von Bayern, einer geborenen Hohenzollern-Prinzessin, mit ihrem Sohn, den späteren Ludwig II. von Bayern, kurz nach dessen Geburt am 25. August 1845. Auch ohne direkte namentliche Kennzeichnung deuten die würdige Körperhaltung der Frau, deren Hermelinmantel und die goldfarbene Wiege eine Abstammung von edlem Geblüt an.

Die Mutter-Kind-Darstellung ist der Mittelpunkt eines Aquarells, welches Antonie von Taeuffenbach (1775–1849) anlässlich der mit Spannung erhofften Geburt eines Thronfolgers bei der Münchner Künstlerin Louise Wolf (1798–1859) in Auftrag gab: Die ehemalige Erzieherin des Kindsvaters Maximilian (II.) wollte das Bild sehr bald nach der Geburt der Kronprinzessin Marie schenken. Dass dies gelang, beweist eine handschriftliche Notiz am unteren Ende des Blattes: „V[on]. Frl. [Fräulein] v[on]. Täuffenbach 25 Aug 45“ schrieb die junge Mutter Marie in schwarzer Tinte.

„Antonie von Taeuffenbach hatte zwar mit rund 70 Lebensjahren keine offizielle Stellung mehr am Hofe, sie scheint jedoch der Familie ihres einstigen Schützlings Maximilian weiterhin verbunden geblieben zu sein“, schließt daraus Marcus Spangenberg. Der Regensburger Kunsthistoriker, Sammler und Biograf Ludwigs II. kam eher zufällig an dieses Bild. „Es ist eines von mehreren Blättern, die Marie, die spätere bayerische Königin, in Sammelalben aufbewahrte. Eines davon stand vor wenigen Jahren zum Verkauf.“ Mit Akribie und Finder-Glück in Münchner und Regensburger Archiven gelang Spangenberg die Geschichte hinter dem wunderschön gemalten Bild zu rekonstruieren. „Natürlich wissen wir nicht, wie der Ludwig zu seiner Geburt aussah – Bilder oder gar Fotografien sind uns nicht bekannt“, erklärt der Experte Marcus Spangenberg. Dennoch könne man berechtigterweise sagen, dass es sich bei dem vorliegenden Aquarell um die älteste Darstellung von König Ludwig II. handelt, wenn auch ohne Anspruch eines naturgetreuen Abbildes.

Die erste bekannte porträthafte Darstellung Ludwigs II. ist eine Zeichnung von Adolf Grotefend aus dem Jahr 1846. Sie wird als kolorierte Fotografie im König-Ludwig-II.-Museum im Schloss Herrenchiemsee präsentiert.

Für Spangenberg atmet das Albumblatt aus seiner Sammlung nicht nur den Augenblick der Geburt des „Märchenkönigs“, sondern es zeige auch eindrucksvoll, „welche Hoffnung in der Geburt dieses Sohnes lag“. Schließlich hatte Kronprinzessin Marie ihr erstes Kind – nach einer Fehlgeburt – erst drei Jahre nach der Hochzeit 1842 mit dem zukünftigen König Maximilian II. geboren.

Marcus Spangenberg, der für die Bücherei Prien jedes Jahr im August unter dem Titel „Sonnenkönig und Schneerahmtörtchen“ eine Sonderführung durch Schloss Herrenchiemsee mit anschließendem mehrgängigem Menü in der Schlosswirtschaft anbietet, wird das Blatt zur nächsten Exklusiv-Führung am 4. August 2022 mitbringen. „Dann kann sich jeder selbst von der schönen Zeichnung und dem Ausdruck innigen Mutterglücks überzeugen“, freut sich der Ludwig-Biograf.

Bildunterschriften:

Antonie von Taeuffenbach, ehemalige Erzieherin Maximilians II., gab dieses Blatt 1845 bei Louise Wolf in Auftrag. Das Bild des Babys in der Wiege gilt als die älteste Darstellung Ludwigs II. Es ist Teil der Sammlung Marcus Spangenberg in Regensburg.

Foto: Walter Beyer

Das Königspaar Maximilian und Marie, Eltern von Ludwig II, im Jahr 1863.

Sammlung Marcus Spangenberg

Weitere Informationen:  www.marcusspangenberg.de

 

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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