Kultur

Kiefersfelden: Kunst aus dem Automaten

Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Kann man Kunst aus einem Automaten ziehen? Ja, in Kiefersfelden ist das tatsächlich möglich. Seit drei Jahren gibt es dort in der Dorfstraße 30 den sogenannten „Kunstautomaten“. Man wirft vier Euro ein und zieht dann ein Fach heraus. Die Spannung steigt und am Schluss hält man dann eine Miniatur-Skulptur, ein kleines Gemälde oder sogar „Bayern in der Box“ in seinen Händen.

Die Idee für dieses Projekt kam von der Kiefersfeldnerin Jutta Richter. Als sie 2012 in Berlin war, fiel ihr ein Automat auf, der so ganz anders aussah wie ein normaler Zigarettenautomat. „Dieser Automat war unglaublich kunstvoll verziert. Er strahlte mich förmlich an“, erinnert sich Jutta Richter. Aus der Nähe betrachtet, stellte sich heraus, dass es sich um einen ausrangierten, liebevoll bemalen Zigaretten-Automaten handelte. Statt Zigaretten konnte man sich kleine Kunstwerke herauslassen. Die Idee dafür kam ursprünglich von dem Potsdamer Künstler Lars Kaiser. Der erste Kunstautomat wurde in Potsdam im Jahr 2001 aufgehängt. Mittlerweile gibt es dort nun schon über 20 dieser Automaten und mittlerweile haben diese Idee auch viele andere deutsche Städte aufgegriffen. Sogar in anderen Ländern wie beispielsweise in den Niederlanden oder Spanien finden sich bereits Kunstautomaten.

Auch Jutta Richter war so begeistert, dass sie beschloss, vor ihrem Elektronikladen in Kiefersfelden einen derartigen Automaten anzubringen.  „Am Anfang habe ich alle Kunstwerke für den Automaten selbst gemacht“, erzählt sie. Kunst sei eben schon immer ihre große Leidenschaft gewesen. Auf Grund von Corona, wollte sie aber dann auch anderen Künstlern die Möglichkeit geben, trotz Kontaktbeschränkungen Kunstwerke zu erschaffen und damit Menschen zu erfreuen. Zwölf Künstler und Künstlerinnen aus der Region beteiligen sich aktuell an dem Projekt. Jedes Kunstwerk ist ein Unikat, liebevoll gestaltet und verpackt. Die besondere Herausforderung dabei: Was man eigentlich in Großformat erschafft, muss jetzt plötzlich ganz klein werden. „Man muss erst einmal umdenken, um so kleine Kunstwerke zu gestalten“, erklärt Jutta Richter. So müsse beispielsweise ein Holzbildhauer, der daran gewohnt ist, große Skulpturen zu erschaffen, nun etwas formen, das am Ende in eine Zigarettenschachtel passt. Oft dauere es eine halbe Stunde, bis eines der kleinen Kunstwerke fertig gestaltet ist. Die Künstler spenden ihre Werke. Das Geld, das durch den Kunstautomaten eingenommen wird, kommt dem Unzone Künstlerkollektiv zugute.

Welches Kunstwerk man bekommt, bleibt eine Überraschung, bis man die Schachtel öffnet. Und nicht wenige Passanten sind von dieser Idee gleich so begeistert, dass es nicht bei einer einzigen Schachtel bleibt.

Bericht und Fotos: Josefa Staudhammer  –  Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeger – www.wendelstein-anzeiger.de

 

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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