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Interessantes aus dem Bayerischem Waldgau

Anton Hötzelsperger
Veröffentlicht von Anton Hötzelsperger

Versteckt hinter den Wäldern und Bergen des Nationalparks, dicht an der böhmischen Grenze, ist die bäuerliche Vergangenheit noch lebendig. Im Freilichtmuseum Finsterau entfaltet sich ein begehbares Stück vergangener Wirklichkeit. Stuben und Kammern sind voll der Dinge und Möbel, mit denen Menschen in einfachsten Verhältnissen gelebt und gearbeitet haben. Gaujugendleiter Marco Peschl aus Frauenau trommelte hier an dieser Stätte, wo Geschichte anschaulich erlebbar wird, zu seiner ersten JUBI zusammen. 24 Kinder und Jugendliche aus sechs Trachtenvereinen reisten am Freitag zu einem Wochenende mit Sack und Pack ins Museumsdorf und nisteten sich dort im „Tanzer-Hof“ ein. Die „Gotthardsbergler“ Kirchberg waren nicht nur die ersten, sie hatten auch ihren jungen Musikanten Michael Wagner mitgebracht, der nach dem Aussteigen aus dem Bus sofort sein Akkordeon auspackte und alle Ankommenden musikalisch empfing. Nach einer Kennenlernrunde, der anschließenden Arbeitseinteilung und einem ersten gemeinsamen Abendessen durften alle ausschwärmen und das Dorf erkunden. Bereits in der folgenden Nacht sollte jedem hautnah bewusst werden, in welcher Armut unsere Vorfahren leben mussten. Die Jugend nächtigte in den zwei oberen Zimmern des Hofes, einige Jugendleiter fanden ihren Schlafplatz in der Stube im Erdgeschoss und zwei unter der Dachschräge in einem besonders ärmlichen, kleinen und verräucherten Verschlag über dem Backofen. Es soll einst die Knechtkammer gewesen sein. Es gab für menschliche Bedürfnisse kein „Häusl“ im Hof, sondern moderne Toiletten, aber diese mehrere Hundert Meter entfernt am Haupteingang des Museumsdorfes. Was aber sein muss, das muss sein und deshalb hörte man die Nacht hindurch auf dem Kiesweg die knirschenden Schritte der Geplagten und je größer in der Dunkelheit (keine Straßenlaternen!) die Angst war, umso schneller wurden sie.

Monika Hutterer, Vorsitzende der „Kreuzstraßler“ Patersdorf und ehemalige Bezirksjugendleiterin, organisierte die Verpflegung für das Wochenende. Am Samstag hieß es früh aufstehen, denn schon um 7 Uhr gab es Frühstück. Am Vormittag fand der Brotbackkurs statt, bei dem jeder ein eigenes Zöpfl und ein kleines Brot backen durfte. Die Referentin Marita Sammer erklärte sämtliche Arbeitsgänge verständlich und zwischendurch erläuterte sie ausführlich die Geschichte der Brotentstehung vom Getreidebrei bis zum heutigen Laib. Nach dem Mittagessen folgte der zweite praktische Teil „Vom Flachs zum Leinen“. Der Weg führte zum Flachsfeld und zum Brechhaus, wo die Referentin Andrea Schuster-Haselberger Aussaat, Ernte und die Arbeitsgänge Auslegen, Trocknen, Brechen, Riffeln bis zum geflochtenen „Haar“ zeigte. In der großen Stube des Kappl-Hofs informierte sie über das Spinnen, den Webstuhl, den Kammerwagen und die „Rockaroas“. Jeder durfte selbst Hand anlegen und erfahren, wie mühsam es  war, bis man endlich das fertige Leinen in den Schrank legen konnte. Zum Schluss webten alle Teilnehmer ein Armbändchen, das sie als Erinnerung mitnehmen durften. Nach einer kurzen Pause brachte eine Museumsralley noch einmal Schwung und Bewegung. Die fünf zusammengelosten Gruppen wetteiferten um das schnellste richtige Ergebnis. Dies förderte die Gemeinschaft  zusätzlich, so dass der Lösungssatz „Zeitreise in die Vergangenheit“  bald erarbeitet war. Am frühen  Abend machte das Musikreferentenpaar Ingrid und Hermann Hupf alte und neue Lieder schmackhaft. Das war zugleich die Einstimmung auf das Grillen am Lagerfeuer hinter dem Raidl-Haus. Spiele, Spaß und Schabernack kamen nicht zu kurz. Dazu gehörte auch, dass einer Jugendleiterin eine riesige Heuschrecke in den Schlafsack gesteckt wurde, die sie erst am Morgen entdeckte.

Der Sonntagvormittag klang aus mit Musik und Tanz im Salettl. Isabell Haller konnte mit ihrer Steirischen alle gewünschten Tänze spielen. Die Hilfsbereitschaft untereinander war hier besonders erkennbar, als die routinierten Tänzer und Tänzerinnen die unerfahrenen anleiteten. Nach dem Mittagessen und einer Schlussrunde zum Reflektieren der vergangenen Tage waren sich alle einig, ein schönes, kurzweiliges Wochenende erlebt zu haben.  (krp)

Bildunterschrift zu ko-krp-JUBI Waldgau in Finsterau 1: Das Abschlussfoto im Petzi-Hof zeigt die Teilnehmer und Teilnehmerinnen in der Tracht ihrer jeweiligen Vereine. Mit dabei waren Jugendliche von Trachtenvereinen aus Kirchberg, Bad Kötzting, Miltach, Patersdorf, St. Englmar und Teisnach.

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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