Kirche

Historische Haustüre beim Oswald in Leitenberg

Der Eingang beim Haus der Familie Buchauer, Oswald in Leitenberg, wird vor allem geprägt durch den 240 Jahre alten Türstock aus Sandstein. Aber auch die erst ca. 50 Jahre alte Haustüre ist eine gute Ergänzung dazu, und ein schöner Blickfang.

Der Oswaldhof hat eine  bewegte Geschichte hinter sich. Vom ehemaligen Edelsitz der Herren von Giebing, über Pankraz von Freyberg und die Herren von Preysing, bis hin zu den heutigen Besitzern. Der Name „Ouswoid“ geht vermutlich auf den Namen Oswald von Giebing zurück. 1460 ist ein Oswald Giebinger genannt, der seinen Sitz in Leitenberg als Wohnsitz verwendet. An der südlichen Außenwand der Umrathshausener Kirche erinnert noch heute eine spätgotische Grabplatte aus Rotmarmor an Hanns Giebinger auf Leitenberg. Der Familienname Buchauer (Puchauer) ist seit 1748 auf dem Hof.

Der Sandstein für den Türstock – wie für einige andere im Dorf und der Umgebung, einschließlich Schloß Wildenwart und Kirche Hittenkirchen – wurde vermutlich von der Prientalleite bei Leitenberg, in der Nähe der heutigen Autobahnbrücke, abgebaut. Einige Flurbezeichnungen in Leitenberg deuten noch heute auf frühere Steinbrüche in dieser Gegend hin. Auch ist nachzulesen, dass ein „Famel“ und ein „Buchauer“ aus Leitenberg damals als Steinmetze tätig waren.

Der rundbogige Türstock beim Oswald trägt die Inschrift:

17    H     P    81

Jesus  Maria    C   M   B    Joseph  Anna

1781  war ein Hans Puchauer – Besitzer des Oswald Anwesens. Jesus Maria und Joseph wurden häufig von den Menschen um ihren Schutz angerufen. In diesem Fall wurde auch die Mutter Anna um ihren Beistand gebeten. Der Segenswunsch C  M  B – Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus) wurde öfter über Türen angebracht. Heute wird diese Segensbitte meist an Heilig Dreikönig von den Sternsingern an die Türen geschrieben und wird auch manchmal gedeutet als Caspar Melchior Balthasar.

Dieser steinerne Türstock hat inzwischen 240 Jahre überdauert und auch zwei Brände unbeschadet überstanden. Am 16. September 1924 und am 24. August 1935. Die jetzige Türe aus Eichenholz wurde Anfang der 1970er Jahre neu angefertigt. Sie wurde damals von den jungen Besitzern Wolfgang und Hildegard Buchauer, bei deren Schwager Adolf Seidl in dessen Schreinerei in Bad Feilnbach in Auftrag gegeben. Dieser hat die neue Türe einschließlich Türrahmen isoliertechnisch an den alten, historischen Türstock angepasst. Die Tür selber hat er in zwei Felder unterteilt. Und die schöne Gestaltung dieser beiden Felder übernahm damals der Aschauer Bildhauer und Restaurator Franz Feistl.

Er hat Bezug zu der Inschrift am Türbogen genommen, Jesus und Maria, sodass das Ganze eine schöne Einheit ergibt. Im oberen Feld ist das Jesuszeichen I H S –  oft auch übersetzt als Jesus, Heiland, Seligmacher – in einen geschnitzten, dem Stil des Rokoko nachempfundenen, schön gestalteten Rahmen gesetzt und in der unteren Türfüllung in einer ebensolchen Verzierung der Name Maria in die Mitte genommen.

Somit wird nach wie vor, Segen und Schutz für die Bewohner des Hauses erbeten.

Hildegard und Franz Osterhammer nach Angaben von Familie Buchauer und Auszügen aus dem Frasdorfer „Flurnamen -“ und „Höfebuch“ sowie „Persönlichkeiten aus Farsdorf, Umrathshausen und Wildenwart“ und „1000 Jahrfeier Umrathshausen“ Beitrag von Dr. Adolf Sandberger

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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