Tourismus

Frühjahrs-Bergtour auf die Reiteralm

Veröffentlicht von Günther Freund

Es ist endlich wieder einmal ein schöner Tag in einem Wonnemonat Mai, der diesem Prädikat dieses Jahr leider keine Ehre gemacht hat. Wir planen eine Bergtour, aber wir peilen keinen Gipfel an, denn es liegt noch Schnee in den höheren Lagen. Wir einigen uns auf ein Nostalgie-Tour zur Neuen Traunsteiner Hütte auf der Reiteralm, wo wir in jungen Jahren oft waren. Freunde hatten von einem Bauern aus Reit einen Kaser gepachtet, den wir gerne als Stützpunkt für anspruchsvolle Bergtouren oder Skitouren auf die das wildromantische Hochplateau überragenden hochalpinen Gipfel Stadelhorn, Häuslhorn, Wagendrischlhorn, Schottmalhorn oder Edelweißlahner nutzten.

Die Reiteralm ist eines der schönsten Almgebiete in der Region, zu dem zum Glück keine fahrbare Straße führt. Die Neue Traunsteiner Hütte, eine Hütte des Deutschen Alpenvereins, Sektion Traunstein, ist nur zu Fuss erreichbar und nur für kondtionsstarke Wanderer, denn von jedem der vier Ausgangspunkte geht man mindestens 3-4 Stunden. Vom Wanderparkplatz Wachterl im Bergsteigerdorf Ramsau führt der Wachterlsteig hinauf, vom Hintersee führt der Weg über die Eisbergscharte hinauf, vom österreichischen Unken der Alpasteig und von Oberjettenberg erfolgt der Aufstieg über den Schrecksattel.

Wir starten in Oberjettenberg, wandern vorbei an der Talstation der Seilbahn, die der Bundeswehr vorbehalten ist. Vorbei an der Holzstubn und an einer Wasserstelle kommen wir nach mühsamem, etwas eintönigem Bergaufsteigen an den Fuss der Schreckwiese.  Wir sind heraus aus dem Wald, haben fantastische Ausblicke auf die Kulisse der Reiteralpe und hinüber zu den gegenüberliegenden Bergen mit dem markanten Sonntagshorn und kommen zum Schrecksattel, wo wir durch eine Gedenktafel an ein vor vielen Jahren hier passiertes Lawinenunglück erinnert werden.

Jetzt haben wir den anstrengendsten Teil unserer Tour hinter uns, wir sind auf dem Hochplateau.  Auf dem Almweg zur Traunsteiner Hütte, wo wir  ständig die grandiose Kulisse der Reiteralpe-Gipfel Stadelhorn, Häuslhorn und Wagendrischlhorn vor uns haben, ist noch mehr Schnee als erwartet, aber es zeigt sich schon die Blumenpracht zwischen Latschen und Zirben, besonders schön der Enzian. Bei der Neuen Traunsteiner Hütte setzen wir uns auf die Bank vor der Hauswand und packen unsere Brotzeit aus. Beim Aufstieg sind wir niemandem begegnet, aber hier sind ein paar Bergsteiger, obwohl die Hütte geschlossen ist, sie öffnet erst im Juni.

Es sitzt sich gut vor der Hütte in der Sonne. Wir schauen hinauf zum Weitschartenkopf, auf den wir in unseren Kaser-Zeiten manchmal noch am Abend raufgelaufen sind, um den Sonnenuntergang zu betrachten. Wir gehen auch noch zum Kaser hinüber, der hinter der Alten Traunsteiner Hütte liegt und schwelgen in Erinnerungen an lange zurückliegende, unvergessliche Hüttenabende. Seit einigen Jahren nutzt der Almbauer den Kaser wieder selbst – aber jetzt ist niemand da, erst im Sommer wieder.

Dann treten wir den Rückweg an, denselben wie beim Aufstieg. Kurz nach dem Schrecksattel hören wir Motorengeräusche. Sie kommen von einem Hubschrauber und wir werden, bevor wir uns auf den langen Hatscher hinunter ins Tal machen, noch Zeugen eines besonderen Schauspiels: eine Bergretter-Übung.

 

Text und Fotos: Günther Freund

Über den Autor

Günther Freund

1944 in Bad Reichenhall geboren, Abitur in Bad Reichenhall, nach dem Studium der Geodäsie in München 3 Jahre Referendarzeit in der Vermessungs- und Flurbereinigungsverwaltung mit Staatsexamen, 12 Jahre Amtsleiterstellverteter am Vermessungsamt Freyung, 3 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Zwiesel und 23 Jahre Amtsleiter am Vermessungsamt Freyung (nach Verwaltungsreform mit Vermessungsamt Zwiesel als Aussenstelle). Seit 2009 im Ruhestand, seitdem in Prien am Chiemsee wohnhaft.

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