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Flugvorführungen der Falknerei Hohenaschau

Noch bis Ende Oktober locken die Flugvorführungen der Falknerei Hohenaschau die Besucher auf das Gelände an der Burg. Und wer sie nicht gesehen hat, hat etwas verpasst … 

Hotzenplotz ist ein Terrorist. So jedenfalls wird der Geierfalke von Hannes Lenhart bei der Flugvorführung auf Hohenaschau genannt. Und er muss es wissen: Schließlich arbeitet der Falkner jeden Tag mit dem Raubvogel zusammen. Hotzenplotz macht dann seiner Bezeichnung gerne alle Ehre. Frech und unbekümmert fliegt er knapp über die Köpfe der Zuschauer hinweg, stolziert durch die Sitzreihen und sucht auf den Stufen dazwischen nach Futter unter den Steinen. Das darf ihm ein junges Mädchen aus dem Publikum unter den Kieseln immer dann verstecken, wenn er gerade wieder an einer anderen Ecke des Geländes ist und den Ablageort nicht sehen kann. Trotzdem findet der Geierfalke jedes Mal bei seiner Rückkehr die Leckerbissen mit traumwandlerischer Sicherheit. Lenhart erklärt den Besuchern, dass das Tier über keinerlei Geruchssinn verfügt und die betreffende Stelle jedes Mal ausfindig macht, da es über ein fotografisches Gedächtnis verfügt und so auch die kleinste Veränderung im Landschaftsbild wahrnehmen kann.

Diese Demonstration tierischer Spezialfähigkeiten ist der Abschluss der beliebten Flugvorführung in der Falknerei Aschau, die Lenhart gemeinsam mit seiner Frau seit dem Jahr 2007 betreut. Im September und Oktober gehen die Raubvögel von Mittwoch bis Sonntag um 15 Uhr in die Luft, für angemeldete Gruppen fliegen sie auch um 11 Uhr.

Von Falken und Seeadlern

Zu sehen bekommen die Besucher einiges. Ob pfeilschnelle Falken, Rotmilane, Blaubussarde, Steppen- und Seeadler – die Stars der Falknerei zeigen bei allen Vorführungen ihre Flug- und Fangkünste. Lenhart erzählt dazu jede Menge Wissenswertes über die Vogelarten und hat auch einige Anekdoten auf Lager. Wie zum Beispiel die vom 13-jährigen Steppenadler „Lauser“, der auf den Berghütten rund um Aschau ein guter Bekannter ist und ihnen bei seinen Ausflügen immer wieder mal einen Besuch abstattet.

Dass die Vögel der Falknerei frei fliegen dürfen, liegt daran, dass sie immer wieder gerne zurückkehren. Schließlich wissen sie, wo es für sie das Futter gibt. Sollte sich ein Tier tatsächlich mal auf einen etwas längeren Flug machen, so können ihn Lenhart und seine Frau schnell wieder ausfindig machen. Jeder Vogel ist mit einem GPS-Sender ausgestattet.

Mit der Falknerei hat sich Hannes Lenhart einen Traum erfüllt. Als das Gelände unter der Burg zu haben war, hat er seinen damaligen Radl-Shop in Aschau verkauft und die Falknerei errichtet. „Das war nichts anderes als eine Kuhweide am Hang“, erzählt er.

Auch Jagd- und Falknerkurse im Angebot

Inzwischen leben 20 Vögel in den Volieren auf dem Gelände, die meisten davon nehmen an den Flugvorführungen teil. Lenhart: „Drei Tiere werden allerdings nur zur Jagd eingesetzt.“ Denn das ist die zweite Einnahmequelle des Falkners. Er gibt Jagd- und Falknerkurse, die von September bis Mai dauern. „Die Vögel aus der Vorführung kann man nicht zur Jagd nehmen und die Jagdvögel nicht zur Vorführung“, erklärt er. Da braucht es unterschiedliches Training. Und das findet täglich statt. Pro Vogel sind das bis zu vier Stunden am Tag. „Bis ein Vogel frei fliegen kann, muss man rund 60 Stunden Arbeit in ihn investieren“, sagt Hannes Lenhart und fügt hinzu: „Über jeden Vogel führen wir genau Buch. So ein Falke hat einen Trainings- und Ernährungsplan, in dem alles protokolliert wird. Das sind fliegende Hochleistungssportler. Bei der sogenannten Beizjagd, der Jagd mit Greifvögeln, kommen nicht nur Falken zum Einsatz. Auch Sperber, Habichte und sogar Steinadler sind auf Beutesuche.

Die Jagdkurse haben Lenhart so einigermaßen durch die Corona-Zeit gebracht. Als er im Mai wieder für die Flugvorführungen öffnen durfte, kamen die Besucher erst spärlich. „Dass es nur mit Voranmeldung und Test Einlass gab, hat viele Zuschauer abgeschreckt.“ Er hofft, dass das nun endlich der Vergangenheit angehört. Etwas anderes machen möchte er nicht. Denn hier kann er seine Leidenschaft leben. Sein einziges Problem: „Seitdem ich die Falknerei habe, habe ich kein Hobby mehr …“

Text: af – Fotos: re

Beitrag entstand in Kooperation mit dem Wendelstein Anzeiger – www.wendelstein-anzeiger.de

Über den Autor

Anton Hötzelsperger

Als freier Journalist bin ich bereits seit vielen Jahren mit der täglichen Pressearbeit für die Region Chiemsee, Samerberg und Oberbayern befasst. Mit den Samerberger Nachrichten möchte ich eine Plattform bieten für Beiträge aus den Bereichen Brauchtum, Landwirtschaft, Tourismus und Kirche, die sonst vielleicht in den Medien keinen breiten Raum bekommen würden.

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